26.07.2016
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Archäologische Zone: Stadt prüft Schritte gegen Schütte

Die Archäologische Zone.

Die Archäologische Zone.

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Stefan Worring

Köln -

Die umstrittenen Äußerungen in einem Zeitungsbericht könnten dienstrechtliche Folgen haben. „Wir prüfen sämtliche Konsequenzen, die das Verhalten von Herrn Schütte nach sich zieht“, sagte Presseamtsleiter Gregor Timmer am Dienstag dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Daraus lässt sich durchaus schließen, dass Oberbürgermeister Jürgen Roters auch eine Versetzung des umstrittenen Grabungsleiters der Archäologischen Zone in Betracht zieht.

Die Frage, der städtische Juristen nachgehen: Hat Sven Schütte gegen interne Regelungen zum Umgang mit Medien verstoßen? Die israelische Zeitung „Haaretz“ hatte den Bediensteten damit zitiert, dieser „glaubt, dass die Gegner der Grabungen unter anderem von einem latenten Antisemitismus motiviert sind“. Ein Antisemitismus, der laut Schütte durchaus normal sei in Deutschland. Nach Erscheinen des Berichts sagte Schütte, die Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen; „so habe ich das nicht gesagt“. Der Autor, der ein persönliches Gespräch mit dem Grabungsleiter geführt hatte, besteht dagegen auf seiner Darstellung. Ein erstes Ergebnis der arbeitsrechtlichen Untersuchung wird möglicherweise an diesem Mittwoch vorliegen.

Das nordrhein-westfälische Innenministerium hat derweil dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) Auflagen zur Finanzierung der Archäologischen Zone erteilt. Der Verband müsse die Kosten, die durch den Betrieb des Museums entstehen werden, „durch Einsparungen an anderer Stelle im Kulturbereich“ ausgleichen. Vor Abschluss eines Vertrags mit der Stadt Köln muss der LVR das Ministerium noch einmal umfassend informieren, heißt es in einem Schreiben aus Düsseldorf.

Der Bau der Archäologischen Zone mit dem Jüdischen Museum kostet mehr als 50 Millionen Euro. Den Großteil zahlt die Stadt, gut 14 Millionen Euro das Land. Der LVR will den Ausstellungsbetrieb übernehmen. Nach derzeitigen Schätzungen wird der Verband dafür mehr als sechs Millionen Euro jährlich aufbringen müssen – rund zehn Prozent seines gesamten Kulturetats.

Ministerialdirigent Johannes Winkel weist in seinem Brief an den Landschaftsverband auf die Finanznot vieler Mitgliedsstädte und -kreise hin. Diese verlangten vom LVR den gleichen Sparwillen wie in den Rathäusern.

Die Auflagen der Landesregierung seien eine Herausforderung, hieß es am Dienstag beim Landschaftsverband. Ein Ausstieg aus der Zusammenarbeit mit der Kölner Stadtverwaltung sei jedoch keinesfalls geplant, sagte Kulturdezernentin Milena Karabaic. Das Vorhaben werde mit unverändertem Einsatz vorangetrieben. Der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Stadtrat, Ralph Elster, erwartet dagegen den Rückzug des Landschaftsverbandes: „Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Kulturdezernentin des LVR ernsthaft in Erwägung zieht, die Zuschüsse etwa für die Freilichtmuseen in Kommern und Xanten zu streichen, um in Köln ein Museum, für das bis heute nicht einmal eine Feinkonzeption vorliegt, zu unterstützen.“ Ähnlich äußerte sich Linken-Fraktionschef Jörg Detjen: „Es wird wieder einmal deutlich, dass die Finanzierung des Projektes leider kaum umsetzbar ist.“

Joachim Frank, Chefkorrespondent des "Kölner Stadt-Anzeiger",diskutiert am Mittwoch, 10. April, um 19 Uhr im studio dumont, Breite Straße 72, im Rahmen der Reihe "frank & frei" über die Archäologische Zone und das Jüdische Museum mit Prof. Barbara Schock-Werner, der ehemaligen Dombaumeisterin, Prof. Jürgen Wilhelm, dem Vorsitzenden der Landschaftsversammlung des LVR, Prof. Thomas Fischer vom Archäologischen Institut der Uni Köln, und mit Winrich Granitzka, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Stadtrat. Der Eintritt ist frei, begrenzte Platzzahl. Einlass: 18 Uhr.