29.08.2016
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Archäologische Zone: Sven Schütte soll versetzt werden

Sven Schütte, Archäologischen Zone, Köln

Sven Schütte ist als Grabungsleiter der Archäologischen Zone entlassen worden.

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Bause

Oberbürgermeister Jürgen Roters will den umstrittenen Grabungsleiter der Archäologischen Zone versetzen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ soll Sven Schütte in Kürze mit einer anderen Aufgabe innerhalb der Stadtverwaltung betraut werden. Mit dieser dienstrechtlichen Entscheidung reagiere Roters auf Äußerungen des promovierten Archäologen,  mit  denen  dieser  in der israelischen Zeitung „Haaretz“ zitiert ist, heißt es im Rathaus. Zuvor hatten  Juristen des Oberbürgermeisteramtes gemeinsam mit dem für Personalangelegenheiten zuständigen Stadtdirektor Guido Kahlen mögliche Konsequenzen geprüft. Offenbar hat der Grabungsleiter  gegen interne Regelungen zum Umgang mit Medien verstoßen.

Die Diskussion über die Archäologische Zone mit dem Jüdischen Museum findet international Beachtung. Die israelische Zeitung „Haaretz“ hatte den städtischen Bediensteten damit zitiert, dieser „glaubt, dass die Gegner der Grabungen unter anderem von einem latenten Antisemitismus motiviert sind.“ Ein Antisemitismus, der laut Schütte durchaus normal sei in Deutschland. Nach Erscheinen des Berichts hatte Schütte gesagt, die Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen; „so habe ich das nicht gesagt“. Der Autor, der ein persönliches Gespräch mit dem Grabungsleiter geführt hatte, besteht dagegen auf seiner Darstellung.

Der Artikel war in einer englischsprachigen Version auch auf der Internetseite von „Haaretz“ zu lesen (in voller Länge allerdings gegen Gebühr).

Nach Erscheinen des Berichts hatten sich Politiker mehrerer Parteien in Köln entsetzt gezeigt. CDU-Fraktionsvize Karl Jürgen Klipper sprach von einem „unglaublichen Fauxpas“, SPD-Fraktionschef Martin Börschel sagte, Schütte habe dem Ansehen der Stadt geschadet.

Bereits in der Vergangenheit hatte es in Köln immer wieder Diskussionen um den Grabungsleiter gegeben. Unter anderem stritt die Stadt mit Sven Schütte im Herbst 2012 um 18.000 Euro. Der Projektleiter hatte laut Stadt verpasst, die nötigen Unterlagen für beantragte Fördergelder rechtzeitig beizubringen. Daraufhin musste die Stadt Gelder an die  Bezirksregierung  zurückzahlen. Der Vorgang wurde bei der Stadt als Dienstpflichtverletzung Schüttes gewertet.

Joachim Frank, Chefkorrespondent des "Kölner Stadt-Anzeiger",diskutiert an diesem Mittwoch, 10. April, um 19 Uhr im studio dumont, Breite Straße 72, im Rahmen der Reihe "frank & frei" über die Archäologische Zone und das Jüdische Museum mit Prof. Barbara Schock-Werner, der ehemaligen Dombaumeisterin, Prof. Jürgen Wilhelm, dem Vorsitzenden der Landschaftsversammlung des LVR, Prof. Thomas Fischer vom Archäologischen Institut der Uni Köln, und mit Winrich Granitzka, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Stadtrat. Der Eintritt ist frei, begrenzte Platzzahl. Einlass: 18 Uhr. (mit ksta)