24.08.2016
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Archiveinsturz: Der Widerhall der Katastrophe

Zwei Menschen starben beim Archiveinsturz am 3. März 2009.

Zwei Menschen starben beim Archiveinsturz am 3. März 2009.

Foto:

Franz Schwarz

Köln -

Eva Olthof hat in den Nachrichten vom Einsturz des Kölner Stadtarchivs erfahren. Es habe sie „sehr bewegt“, wie innerhalb von Sekunden „der Ort, der die Geschichte der Stadt sichern sollte, in einem riesigen Loch verschwunden ist“. Am 3. März jährt sich die Katastrophe, die zwei Menschen das Leben gekostet hat, zum sechsten Mal. Und an diesem Tag will die Künstlerin aus Rotterdam ihr neues Projekt öffentlich machen: eine Internetseite, auf der sie den „Widerhall“ dokumentiert, den der Archiveinsturz in den Erinnerungen der Kölner Bürger auslöst.

Seit September 2013 hat Olthof mit vielen Kölnern gesprochen: mit Alteingesessenen und Neubürgern, mit Augenzeugen des Unglücks, mit Menschen, die das Archiv nutzten und solchen, die bis zum Einsturz gar nichts von dessen Existenz wussten, mit Leih- und Nachlassgebern und vielen mehr. Ihr sei es darum gegangen, „möglichst viele unterschiedliche Perspektiven“ zusammenzutragen, sagt die Künstlerin, die bei ihrem Vorhaben unter anderem von der Initiative Archivkomplex, dem Historischen Archiv der Stadt Köln und den Opekta-Ateliers in Nippes unterstützt wird.

Dazu legte Olthof ihren Gesprächspartnern einen Fragebogen vor: Erinnern sie sich an den Tag des Einsturzes? Welches Bild ist ihnen am lebendigsten in Erinnerung geblieben? Was bedeutete das Archiv für sie? Und einige Fragen mehr. Die Antworten von knapp 50 Menschen veröffentlicht sie in Kürze auf einer eigens dafür eingerichteten Homepage.

So ist einem Architekten „der blau-weiße Himmel und die Ruhe im Gereonsviertel im Widerspruch zu diesen surrealen, nicht fassbaren Bildern im Kopf“ in Erinnerung geblieben. Ein Journalist erzählt: „Mein jüngster Sohn war noch kurz zuvor mit seiner Schulklasse im Bus über jene Straße gefahren, auf der sich nun Schutt türmte.“ Eine Augenzeugin, die in einem benachbarten Gebäude arbeite, hatte im Moment der Katastrophe „sehr große Angst“ – und war erstaunt darüber „wie schnell die Luft buchstäblich voll von Rettungshubschraubern war, die einen Höllenlärm machten“.

„Die gesammelten Erinnerungen bilden ein neues Archiv, das parallel zur Rekonstruktion des physischen Archivs wächst“, sagt Olthof. So soll die Internetseite auch in Zukunft mit weiteren Erinnerungen angereichert werden.
www.archiveresonance.net

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