30.07.2016
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Auf dem Roncalliplatz: Der chinesische Drache tanzt in Köln

Zehntausende kamen am Wochenende auf dem Roncalliplatz zum Chinafest, mit dem Köln und Peking das 25-jährige Bestehen ihrer Städtepartnerschaft feiern.

Zehntausende kamen am Wochenende auf dem Roncalliplatz zum Chinafest, mit dem Köln und Peking das 25-jährige Bestehen ihrer Städtepartnerschaft feiern.

Foto:

Stefan Worring

Köln -

Das Ensemble der Peking-Oper glänzte mit beeindruckenden Tänzen, hervorragend gespielten Kampfszenen und einer wahren Kostümschlacht. Das Tanztheater Peking und eine zugehörige Artistengruppe begeistert mit Charme, Anmut und Grazie sowie atemberaubender Akrobatik, äußerst synchronen Schrittkombinationen und spektakulären Jonglage-Einlagen.  Der chinesische Drache tanzt in Köln – und dies das gesamte Wochenende sowie im wahrsten Sinne des Wortes. Schließlich nahm Oberbürgermeister Jürgen Roters für die Stadt ein 18 Meter langes Exemplar dieses farbenprächtigen Festtagsdrachen als Geschenk entgegen, dass demnächst bei zahlreichen Anlässen und nicht nur im Karneval zum Einsatz kommen soll.  

Einige zehntausend große und kleiner Kölner sowie zahlreichen Besucher aus der Region kamen  zum Chinafest auf den Roncalliplatz.  „Wenn Köln das 25-jährige Bestehen seiner Stadtpartnerschaft mit Beijing feiert, feiert ganz Nordrhein-Westfalen mit“, sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und grüßte mit einem lauten „Ni Hau“ auch die zahlreichen chinesischen Gäste. Schließlich haben bereits rund 800 Firmen aus China ihren Sitz in NRW, allein mehr als 200 in Köln. Das kommt nicht von ungefähr,   so der aus Berlin angereiste chinesische Botschafter Shi Mingde,  denn  der erste Deutsche der vor knapp 400 Jahren nach China reiste, war ein Kölner: der  Jesuit, Wissenschaftler und Missionar Johann Adam Schall von Bell.

Und so mancher Kölner ist ihm bis heute gefolgt. So  Oberbürgermeister  Jürgen Roters, der die vielfältigen wirtschaftlichen und kulturellen Begegnungen zwischen Köln und Peking lobte und auf eine regen Künstleraustausch und Patenschaften zwischen Schulen hinwies. Dann Degenfechterin Britta Heidemann, die einige Zeit in Peking gelebt und trainiert hatte und dort bei den olympischen Spielen 2008 Gold gewonnen hatte. Aus London ist sie kürzlich mit der Silbermedaille zurückgekommen. Auf der Bühne präsentierte  sie bei einem Schaufechten mit Kindern und Jugendlichen vom Fechtclub Köln ihr Können. Dazu übersetzte Heidemann, die fließend chinesisch spricht, die Ansagen von Henning Krautmacher und sang mit den  Höhnern ein traditionelles Volkslied – da sangen  viele Chinesen im Publikum laut mit – und eine chinesische Version von „Viva Colonia“. 

An die Auftritte der kölschen Band in Schanghai und Peking vor zwei Jahren erinnert man sich dort immer noch,  weiß Michael Schaefer, der deutsche Botschafter in Peking: „Und an der tanz der Prinzengarde auf der chinesischen Mauer.“ Später bedauerte  der Botschafter diesen Versprecher. „Ich wusste doch genau, dass es die Roten Funken waren. Aber am Mikrofon vor so vielen Leute hab ich mich vertan.“

Immer wieder lautstarker und anhaltender Szeneapplaus

Dagegen saß bei den Sängern und Musikern der knapp einstündigen „Beijing Varieté-Show“, die als Geschenk der Partnerstadt gleich viermal vor dem Dom gezeigt wurde,  jeder Ton, bei den Tänzer jede Bewegung, bei den Artisten jeder Trick. Für die  Darbietungen gab immer wieder lautstarken und  anhaltenden Szeneapplaus. Zu Recht. Das Ensemble zählt zu den besten weltweit und solch spektakuläre Leistungen bekommt man hierzulande nicht allzu oft zu sehen. So turnten sieben junge Frauen recht waghalsig auf einem Fahrrad umher, das auf der Bühne kreiste. Neun stets lächelnde Mädels ließen synchron und ballettgleich  die Diabolos über die Fäden flitzen und durch die Luft fliegen. Dazu gab es Einblicke in die Peking-Oper mit ihren opulenten Kostümen, anmutigen Tänzen zum Motto „Traum der verbotenen Stadt“ mit zeitlupenartigen Schritten  und artistischen Einklagen. 

Während  sich auf und vor der Bühne der Bühne Taiji zum Mitmachen, Kung Fu Künste sowie Rock- und Jazz-Rhythmen mit einer Modenschau, Kurzfilmen, Schattentheater sowie einer  Teezeremonie und einer Präsentation des Städtepartnerschaftsverein Köln-Peking abwechselten, schlenderten zahlreiche Besucher an den benachbarten Buden und Infoständen  vorbei, die im Stil einer chinesischen Zeltstadt aufgebaut waren. Da reichte das Angebot von allerlei Leckereien, Kleidung und Hüten, traditioneller Medizin und Sportgeräten bis zu Schmuck und  Kunsthandwerk, Kalligraphien und Rong Bao Zhai- Bildern. Diese spezielle Drucktechnik demonstrierte Künstlerin Wen Ying Gao. Wohl nicht jedermanns Geschmack. Denn ein Vater, der sich mit seiner fünfjährigen Tochter durchgedrängelt hatte warf nur einen kurzen Blick auf das entstehende Kunstwerk. „So macht der Chinese seine  Blumen. Komm, Linda, wir müssen weiter.“