27.07.2016
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Überforderte Polizisten, aggressive Täter: Zeugen schildern schreckliche Silvesternacht im Hbf Köln

Fahra Tajik, 32 (Name geändert), Flüchtling aus Afghanistan, seit zwei Jahren in Köln, war mit ihrer Tochter (10) zwischen 21 und 21.30 Uhr am Bahnhofsvorplatz. Sie hatten zwei Verwandte vom Zug abgeholt, waren zuvor am Rhein, zündeten ein paar Raketen und wollten dann zur U-Bahn im Hbf. Sie kamen die Domtreppe herunter.

„Ich habe so etwas noch nie erlebt und hätte das nach zwei Jahren in Köln auch nie erwartet, so etwas in dieser Stadt erleben zu müssen. Die meisten der jungen Männer waren stark alkoholisiert, sie schrien laut herum, zerbrachen ihre Bierflaschen, standen in Gruppen zusammen und machten junge Frauen an.

Ich kann nicht sagen, aus welchen Ländern sie kamen, sie sahen aus wie Araber, aber viele sprachen gut Deutsch. Es war eine aufgeladene, aggressive Stimmung und ich hatte Angst um mich und meine kleine Tochter, die anfing zu weinen.

Mehrere Männer umzingelten geradezu die Frauen oder Mädchen, die aus oder in den Bahnhof wollten. So auch uns. Als wir uns in den Bahnhof flüchteten, stellte sich ein Mann vor mich und machte mich an „Hallo Süße. Du hast so schöne Haare“.

Der andere hinter mir versuchte, in meine Handtasche und meine Manteltaschen zu greifen, suchte nach meinem Handy. Die beiden waren geübt darin, Leute zu bestehlen. Die Frauen wurden belästigt und fühlten sich bedroht.“

Fahra kann verstehen, dass sich jetzt viele Menschen fragen, ob diese Gewalt gegen Frauen ein speziell muslimisches Problem ist. Sie sagt, dass sich in Afghanistan junge Frauen gar nicht allein in der Öffentlichkeit bewegen können, ohne von Männern belästigt zu werden. „Das habe ich oft erlebt. Aber das hat mit dem Islam gar nichts zu tun. Die meisten dieser Männer sind religiös völlig gleichgültig. Es fehlt der Respekt vor den Frauen.“

Lesen Sie im nächsten Abschnitt: Ein weiterer Augenzeuge schildert die Silvesternacht am Hauptbahnhof.