25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Überforderte Polizisten, aggressive Täter: Zeugen schildern schreckliche Silvesternacht im Hbf Köln
04. January 2016
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Überforderte Polizisten, aggressive Täter: Zeugen schildern schreckliche Silvesternacht im Hbf Köln

Fahra Tajik, 32 (Name geändert), Flüchtling aus Afghanistan, seit zwei Jahren in Köln, war mit ihrer Tochter (10) zwischen 21 und 21.30 Uhr am Bahnhofsvorplatz. Sie hatten zwei Verwandte vom Zug abgeholt, waren zuvor am Rhein, zündeten ein paar Raketen und wollten dann zur U-Bahn im Hbf. Sie kamen die Domtreppe herunter.

„Ich habe so etwas noch nie erlebt und hätte das nach zwei Jahren in Köln auch nie erwartet, so etwas in dieser Stadt erleben zu müssen. Die meisten der jungen Männer waren stark alkoholisiert, sie schrien laut herum, zerbrachen ihre Bierflaschen, standen in Gruppen zusammen und machten junge Frauen an.

Ich kann nicht sagen, aus welchen Ländern sie kamen, sie sahen aus wie Araber, aber viele sprachen gut Deutsch. Es war eine aufgeladene, aggressive Stimmung und ich hatte Angst um mich und meine kleine Tochter, die anfing zu weinen.

Mehrere Männer umzingelten geradezu die Frauen oder Mädchen, die aus oder in den Bahnhof wollten. So auch uns. Als wir uns in den Bahnhof flüchteten, stellte sich ein Mann vor mich und machte mich an „Hallo Süße. Du hast so schöne Haare“.

Der andere hinter mir versuchte, in meine Handtasche und meine Manteltaschen zu greifen, suchte nach meinem Handy. Die beiden waren geübt darin, Leute zu bestehlen. Die Frauen wurden belästigt und fühlten sich bedroht.“

Fahra kann verstehen, dass sich jetzt viele Menschen fragen, ob diese Gewalt gegen Frauen ein speziell muslimisches Problem ist. Sie sagt, dass sich in Afghanistan junge Frauen gar nicht allein in der Öffentlichkeit bewegen können, ohne von Männern belästigt zu werden. „Das habe ich oft erlebt. Aber das hat mit dem Islam gar nichts zu tun. Die meisten dieser Männer sind religiös völlig gleichgültig. Es fehlt der Respekt vor den Frauen.“

Lesen Sie im nächsten Abschnitt: Ein weiterer Augenzeuge schildert die Silvesternacht am Hauptbahnhof.

Fahra Tajik, 32 (Name geändert), Flüchtling aus Afghanistan, seit zwei Jahren in Köln, war mit ihrer Tochter (10) zwischen 21 und 21.30 Uhr am Bahnhofsvorplatz. Sie hatten zwei Verwandte vom Zug abgeholt, waren zuvor am Rhein, zündeten ein paar Raketen und wollten dann zur U-Bahn im Hbf. Sie kamen die Domtreppe herunter.

„Ich habe so etwas noch nie erlebt und hätte das nach zwei Jahren in Köln auch nie erwartet, so etwas in dieser Stadt erleben zu müssen. Die meisten der jungen Männer waren stark alkoholisiert, sie schrien laut herum, zerbrachen ihre Bierflaschen, standen in Gruppen zusammen und machten junge Frauen an.

Ich kann nicht sagen, aus welchen Ländern sie kamen, sie sahen aus wie Araber, aber viele sprachen gut Deutsch. Es war eine aufgeladene, aggressive Stimmung und ich hatte Angst um mich und meine kleine Tochter, die anfing zu weinen.

Mehrere Männer umzingelten geradezu die Frauen oder Mädchen, die aus oder in den Bahnhof wollten. So auch uns. Als wir uns in den Bahnhof flüchteten, stellte sich ein Mann vor mich und machte mich an „Hallo Süße. Du hast so schöne Haare“.

Der andere hinter mir versuchte, in meine Handtasche und meine Manteltaschen zu greifen, suchte nach meinem Handy. Die beiden waren geübt darin, Leute zu bestehlen. Die Frauen wurden belästigt und fühlten sich bedroht.“

Fahra kann verstehen, dass sich jetzt viele Menschen fragen, ob diese Gewalt gegen Frauen ein speziell muslimisches Problem ist. Sie sagt, dass sich in Afghanistan junge Frauen gar nicht allein in der Öffentlichkeit bewegen können, ohne von Männern belästigt zu werden. „Das habe ich oft erlebt. Aber das hat mit dem Islam gar nichts zu tun. Die meisten dieser Männer sind religiös völlig gleichgültig. Es fehlt der Respekt vor den Frauen.“

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Eigentlich ist Frank Püschel Köln-Fan. Doch vorerst will der 44-jährige Iserlohner nicht mehr kommen. Das, was er am 1. Januar gegen 0.30 Uhr im und am Kölner Hauptbahnhof erlebte, hat ihn zu sehr schockiert.

„Ich habe gedacht, es eskaliert, da war eine aggressive Stimmung hoch drei“, sagt Püschel, der sich auf der Deutzer Brücke das Silvester-Feuerwerk anschaute und dann über den Breslauer Platz in den Bahnhof ging, um mit der U-Bahn weiter in Richtung Hotel zu fahren. Doch dazu kam es nicht.

Zu wenig Polizei

„Frauen wurden eingekreist, Leute, die sich einmischen wollten, wurden bedroht“, sagt der Sauerländer, der sich etwa zehn Minuten im Bahnhof aufhielt und dann nur noch über den Vorplatz herauskam.

Mindestens 200 junge Männer mit ausländischem Hintergrund hätten sich dort und in der völlig überfüllten Bahnhofshalle aufgehalten, Alkohol getrunken und Leute angepöbelt. Frauen seien angefasst worden, „zwei Japanerinnen haben es richtig mit der Angst zu tun bekommen“, sagt Püschel.

Die Polizei habe die Lage „eher nicht“ im Griff gehabt: „Normalerweise hätte das Aufgebot der Polizei doppelt und dreifach gewesen sein müssen.“

Frank Püschel glaubt, dass die Vorfälle dem Image Kölns geschadet haben. Gerade im Umfeld des Doms, dem Aushängeschild der Stadt, müssten die Verantwortlichen für Ruhe sorgen. Püschel ist sich sicher, dass Köln im Karneval „Touristen ohne Ende“ verlieren wird.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt: Totales Chaos am S-Bahn-Gleis.

„Totales Chaos“ am S-Bahn-Gleis

Eine 60-jährige Overatherin und ihre Freundin wurden in der Umgebung des Doms gleich mehrfach von Gruppen aus vier bis sechs jungen Männern umkreist. „Die haben versucht uns anzumachen, wir fühlten uns bedroht“, sagt die Frau, die ihren Namen lieber für sich behält.

Die Täter seien Migranten gewesen, die nicht aus Afrika stammten. Die Frauen konnten sich aus den misslichen Lagen befreien, doch später habe am S-Bahn-Gleis im Bahnhof noch einmal das „totale Chaos“ geherrscht. Viele der jungen Männer seien dort betrunken sehr aggressiv geworden, es sei zu Schlägereien gekommen.

„Ich hatte das Gefühl, die Polizei und die Sicherheitsleute der Bahn waren nicht nur überfordert, sondern hatten auch Angst, die Lage könnte eskalieren“, sagt die Augenzeugin.

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Sara Göksu (Name geändert) feierte die Silvesternacht mit drei Freundinnen in einem Deutzer Club. Noch auf die Straße zu gehen, war eigentlich nicht geplant. Die Terroranschläge in Paris hatten sie verunsichert. Doch dann kam es anders. „Wir wollten uns amüsieren und zeigen, dass wir keine Angst haben. Wir wollten das Lichterspektakel genießen – die Kulisse von Dom und Rhein ist einfach traumhaft.“ Gegen kurz vor 1 Uhr gingen sie vom Hyatt Hotel aus über die Hohenzollernbrücke in Richtung Dom, als ihnen auf der Brücke rund 15 Männer entgegenkamen, wie Göksu schildert. „Die haben uns an die Brüste und an das Gesäß gegriffen. Wir hatten Angst.“ Sie ist sich sicher: „Das waren keine Schwarzafrikaner und auch keine Türken. Das waren Araber. Die haben arabisch gesprochen, vereinzelt habe ich Französisch gehört.“ Als „ungepflegt“ beschreibt sie das Äußere der Angreifer, sie hätten Jeans, Turnschuhe und Steppjacken getragen. „Einer hat sich immer wieder wie Michael Jackson an seinen Penis gegriffen.“

Die 37-Jährige hat das Erlebnis tief beunruhigt. „Wir alle vier haben gedacht, mein Gott, wir leben doch als freie Bürger in Deutschland, in einem demokratischen Land. Wie kann so etwas hier passieren?“ „Als Frau“, sagt sie, „fühle ich mich tief verletzt.“ Die Bilder der Nacht gehen ihr noch heute nicht aus dem Kopf. In Richtung Heumarkt konnten die Freundinnen die Brücke schließlich verlassen. Noch in der Bahn zurück nach Junkersdorf, wo Göksu lebt, habe die Situation kein richtiges Ende gefunden. „Da waren auch mindestens fünf aggressive Männer drin.“

Zu Hilfe gekommen war den vier Freundinnen in dieser Nacht niemand. Doch zeigt Göksu Verständnis: „Die Polizei kann sich nicht vierteilen. Die waren mit der Situation überfordert.“ Und die Kölner, sagt sie, „ich weiß, dass die Zivilcourage beweisen können. Aber auch ein mutiger Mensch überlegt, bevor er handelt. Ich traue mich auch nicht mehr zu helfen. Wer weiß, ob der Täter ein Messer zückt oder gar eine Bombe bei sich hat?“.