28.08.2016
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Autonomes Zentrum : Stimmung könnte weiter kippen

Der Konflikt der Stadt mit den Besetzern des Autonomen Zentrums scheint zu eskalieren.

Der Konflikt der Stadt mit den Besetzern des Autonomen Zentrums scheint zu eskalieren.

Foto:

Arton Krasniqi

Köln -

Die Studentin fährt in ihrem VW-Bus Apfelbäumchen und einen Lindensetzling ins Bergische Land. Mit Pflanzgut vom Landschaftsverband soll eine Kulturlandschaft aufgeforstet werden. Eine Lokalzeitung berichtet ausführlich. Wenn man den richtigen Namen der jungen Frau kennt, findet man unzählige Einträge im Internet oder Zeitungsarchiv: als theaterspielende Abiturientin, als erfolgreiche Studentin, als Mitglied einer Partei, die sich für Kinderinteressen einsetzt, als Expertin für gewaltfreie Kommunikation, als Freiberuflerin mit zwei exzellenten Studienabschlüssen.

In ihrer Freizeit engagiert sie sich zurzeit in Kalk – als eine der Sprecherinnen des Autonomen Zentrums (AZ). Sie nennt sich Hanna Grohs. Es bleibt eine der vielen für Außenstehende nicht nachvollziehbaren Eigenarten der Aktivisten in der ehemaligen KHD-Kantine, dass sie ihre echten Namen nicht preisgeben. Dies wird mit dem Schutz vor der Staatsmacht begründet – glaubwürdig ist das nicht.

Nach den Übergriffen auf die Privatwohnungen des Oberbürgermeisters und andere kommunale Politikern stehen Hanna Grohs und andere, die sich in der sogenannten Verhandlungsgruppe engagieren, gleich mehrfach unter Druck: Weil sie sich nicht mit klaren Worten distanzieren, nehmen sie die Politiker, die sich nun bedroht fühlen, in Mithaftung. Intern werden sie kritisiert, weil ihr Kurs, der seit Monaten auf friedliche Verhandlungen setzt, keinen Erfolg bringt.

Darüber hinaus scheint sich nun eine Dynamik zu entwickeln, die weder Freund noch Feind im Griff haben: Das Autonome Zentrum in Köln wird bundesweit zum Symbol. Das, was man gemeinhin mit der Szene vermummter Autonomen verbindet, findet man in Kalk bislang nicht. Doch nun ist der „schwarze Block“ im Anmarsch, wie einschlägige Internetseiten nahelegen.

Keine klare Distanzierung

Das AZ versammelt viele: hoch politisierte linksradikale junge Erwachsene, aber auch Jugendliche, die nur zum Feiern und Abhängen kommen, Schüler und Studenten, Freiberufler, Künstler und Angestellte, Ausreißer und Kinder aus gutbürgerlichen Familien, Friedensbewegte wie Gewaltbereite. Irgendwo in diesem Biotop befinden sich auch diejenigen, die die bitterbösen Angriffe gegen Oberbürgermeister und SPD-Spitze organisieren. Wer ihre Texte im Internet liest, hat nicht den Eindruck, dass es sich um Auswärtige handelt. Die Autoren kennen sich bestens aus.

Eine klare Distanzierung von denen, die einzelne Kommunalpolitiker und ihre Familien bedrohen, ist auch in dem Brief an Roters und die SPD-Spitze nicht erkennbar. „Intern wird das mancher aber schon als Verbeugung oder Einknicken interpretieren“, sagt ein Insider. Wenn nun von der Stadt nichts zurückkomme, könnte die Stimmungslage im Zentrum weiter kippen.