26.08.2016
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Autonomes Zentrum: Protestzug verläuft friedlich

Der Protestzug führte rund 500 AZ-Sympathisanten von Kalk über die Deutzer Brücke zum Roncalliplatz.

Der Protestzug führte rund 500 AZ-Sympathisanten von Kalk über die Deutzer Brücke zum Roncalliplatz.

Foto:

Arton Krasniqi, KSTA

Köln -

Laut, bunt und friedlich haben etwa 500 Unterstützer des Autonomen Zentrums (AZ) gegen eine mögliche Räumung demonstriert. Der Protestzug lief von Kalk über die Deutzer Brücke bis zum Roncalliplatz. Laut Polizei, die die Veranstaltung mit einem Großaufgebot begleitete, kam es zu keinerlei Zwischenfällen.

Das AZ befindet sich seit gut drei Jahren in der ehemaligen Kantine der Deutz AG in Kalk. Das Gelände gehört der Sparkasse Köln/Bonn. Bis zum 30.06. gab es einen Mietvertrag zwischen der Bank und dem "Schraps e.V.", der das Kulturzentrum offiziell betreibt. Am Montag ist der Mietvertrag mit den Nutzern ausgelaufen, die Sparkasse als Eigentümer des Gebäudes hat noch am selben Tag einen Räumungstitel beim Amtsgericht beantragt. Die Bewohner der ehemaligen KHD-Kantine sind jetzt Besetzer. Sie bereiten sich auf ihre Räumung vor. Und eines scheint klar: Freiwillig wollen sie nicht gehen.

Auch am Freitag stand deshalb im „Autonomen Zentrum“ (AZ) in Kalk wieder „Barricade Construction“ auf dem Veranstaltungskalender – wie so oft in diesen Tagen. Barrikaden bauen also. Von 12 bis 18 Uhr. „Material reichlich vorhanden, eigenes Werkzeug kann aber nicht schaden“, heißt es auf der AZ-Homepage.

Die Stadt müsse akzeptieren, dass ein Autonomes Zentrum wichtig sei für eine Stadt wie Köln, betonten zwei Aktivistinnen der sogenannten AZ-Verhandlungsgruppe am Freitag im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Und das besetzte Haus in Kalk sei der ideale Ort. Gleichwohl: „Wenn die Alternative hieße: Ein AZ an einem anderen Ort in Köln oder gar kein AZ, dann lieber an einem anderen Ort“, sagen die Aktivistinnen.

Kommt die Sprache auf die Bedrohungen gegen OB Jürgen Roters und andere SPD-Politiker, die Sympathisanten aus dem Umfeld des AZ in den vergangenen Tagen ausgestoßen haben, machen die jungen Frauen betretene Gesichter. Seit die Namen und Privatadressen der Politiker im Internet aufgetaucht sind, verbunden mit der Aufforderung, ihre Häuser farblich „zu verschönern“, ermittelt  die Staatsanwaltschaft gegen unbekannt wegen öffentlicher Aufforderung  zu einer Straftat. „Es eskaliert gerade total, es bestürzt uns, dass jetzt Menschen Angst haben“, sagen die AZ-Sprecherinnen. „Das ist krass, das wollten wir immer vermeiden.“

Barrikaden, wo früher getanzt wurde

Solche Äußerungen passen zum Bild eines Zentrums, in dem noch vor kurzem jegliche verbale Gewalt zwischen Männern und Frauen auf großen Plakaten geächtet wurde, in dem aus Sorge um die Nichtraucher unter den Besuchern in jedem Raum Rauchverbot herrschte und in dem das Miteinander der Bewohner auf den Besucher  freundlich und entspannt wirkte. Nun aber werden Barrikaden gebaut und Verteidigungsstrategien geschmiedet, wo eben noch diskutiert, getanzt und Theater gespielt wurde.

Entsprechend ändert sich auch der Tonfall. Denn die beiden Aktivistinnen betonen  deutlich: Sich von den  Tätern zu distanzieren, sei keine Option. „Das können und wollen wir nicht, denn das waren Unterstützer des AZ. Und wir lassen uns als Gruppe nicht spalten. Dann können wir ja gleich hier ausziehen.“

Und so hämmern, kleben und nageln die AZ-Bewohner weiter ihre Barrikaden zusammen, wappnen sich gegen den wohl bevorstehenden Besuch von Gerichtsvollzieher und Polizei. Im Plenum des Zentrums ist ein „Aktionskonsens“ beschlossen worden, in dem es heißt, dass man nicht aktiv Widerstand leisten werde, wenn das Gebäude geräumt werden sollte. Es gibt aber auch Anzeichen dafür, dass die Auflehnung keineswegs so passiv ausfallen könnte wie angekündigt.

„Ich habe deutliche Hinweise, dass aufgerüstet wird“, sagt Pfarrer Franz Meurer. „Das  bereitet mir Sorgen. Es werden Barrikaden gebaut und Steine gesammelt.“ Beobachter schildern, dass die AZ-Bewohner zum Beispiel nicht nur Holzbarrikaden, sondern auch eine mannshohe Schleuder konstruiert haben. Vor zwei Wochen hatte Meurer auf einer Liste als Befürworter des Autonomen Zentrums unterschrieben; nach den Drohungen gegen Roters und seine Parteigenossen hatte der Pfarrer klargestellt: „Gewalt geht gar nicht.“ Eine Basisdemokratie, die nicht gewaltfrei sei, verrate sich selbst. Es sei „schade, dass sich offensichtlich die gewalttätigen Leute von den friedlichen Menschen nicht stoppen lassen“.

Verstärkte Streife in Kalk

Die Polizei hält sich nach wie vor bedeckt, will öffentlich keine Stellung zum schwelenden Konflikt beziehen. Nur so viel: Man hoffe auf eine friedliche Einigung. Seit Tagen fahren Beamte verstärkt Streife in Kalk. Zeigen Präsenz. Beobachten im Hintergrund. Die Sorge der Beamten gilt vor allem auswärtigen, polizeibekannten Krawallmachern aus der Autonomenszene, die anreisen und den Kölner Konflikt verschärfen könnten. Deshalb ließ die Polizei die Autonomen bei der Demo nicht aus den Augen. Und wird dies auch in den kommenden Stunden und Tagen nicht anders handhaben. (bls, ksta)