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Bester Solist: Am Schlagzeug in der Ersten Liga

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Schlagzeuger mit Bauchgefühl: Jakob Görris spielt nur Jazz. Foto: Goyert
Der 12-jährige Jakob Görris wurde als bester Solist bei „Jugend jazzt“ ausgezeichnet. Der Schlagzeuger fand schon früh zu seiner Leidenschaft. Besonders interessant findet er es, ohne Noten zu spielen.  Von
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Die großen Musiker dieser Welt reagieren unterschiedlich, wenn sie einen Preis gewinnen. Manche weinen, andere prahlen, die meisten danken einfach brav ihren Produzenten und grüßen ihre Familie. Jakob Görris hat einen anderen Weg gewählt, um seine Auszeichnung als bester Solist bei „Jugend jazzt“ in Dortmund zu genießen: „Ich habe meine Stereoanlage in den Flur gestellt, gute Musik angemacht und mich erstmal schön in die Badewanne gelegt. Das ist pure Entspannung.“

Jakob Görris ist Schlagzeuger. Das kann man so sagen, obwohl er erst 12 Jahre alt ist. Seine Leidenschaft hat er schon vor langer Zeit entdeckt. „Mein Vater hat früher auch Schlagzeug gespielt“, sagt der junge Musiker, der in die sechste Klasse des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums in Nippes geht. „Und meine Schwester ist früher auf der Kinderstunksitzung aufgetreten. Da gab es eine Band, und bei der fand ich das Schlagzeug halt total geil.“

Ohne Noten ist es aufregender

Also hat er angefangen zu spielen. Zunächst zu Hause, dann in der Offenen Jazzhaus-Schule Köln, gemeinsam mit seinem Trainer André Nendza. „Wir verstehen uns total gut. Das hat sich alles schnell entwickelt. Irgendwann wurde ich dann gefragt, ob ich 2011 für vier Tage mit nach Polen auf einen Musik-Workshop fliegen möchte.“ Weil auf dieser Reise außer ihm nur Teenager dabei waren, wohnte Jakob Görris mit seinem Vater in einem Internat. „Dieses Jahr war ich dann aber auch bei einer Gastfamilie“, sagt er – und klingt dabei ziemlich cool.

Jakob Görris - Ausnahmetalent am Schlagzeug

Überhaupt wirkt Jakob Görris für sein Alter sehr reif. „Wenn ich Musik mache, hänge ich ja viel mit älteren Leuten rum.“ Was ihn von gewöhnlichen Schlagzeugern im Kindesalter unterscheidet, ist neben seinem außergewöhnlichen Talent vor allem die Musikrichtung, die er gewählt hat. Jakob Görris spielt nur Jazz. Und Jazz bedeutet Improvisation. „Ich würde es schon hinkriegen, nach Noten zu spielen“, sagt er, aber er finde es aufregender, „ohne Noten zu spielen, aus dem Bauch heraus.“ Er lächelt. Wie immer. Jakob Görris ist eine Frohnatur. Hin und wieder muss er als Schlagzeuger aber auch mit Kritik leben. „Das Coole ist, dass man das Tempo angibt. Manchmal ist es aber natürlich auch anstrengend. Wenn man mal rauskommt, werden alle sauer.“

Bislang alles problemlos

Da das nicht oft passiert, kann Jakob Görris gut mit kritischen Worten umgehen. Das bestätigt Ralph Lange, Nachwuchskoordinator des Jazzhauses. „Er erfährt nicht viel Tadel.“ Weil für Görris bislang alles ohne Probleme lief. „Beim Abschlusskonzert in Kattowitz war er der einzige, der von polnischen Musikern Szenenapplaus bekommen hat“, sagt Lange.

Zu Hause übt Jakob Görris nur mit einem elektronischen Schlagzeug, das er mit Kopfhörern bedienen kann. Seine Eltern und Nachbarn danken ihm das. Wenn er doch mal die volle Lautstärke genießen will, kann er den Proberaum der ehemaligen Band seines Vaters in Nippes nutzen. Nebenbei spielt er Basketball – sein späterer Beruf muss allerdings eine Verbindung zur Musik haben. „Man muss sich aber natürlich Optionen offenhalten“, sagt er überraschend routiniert. „Ich kann nicht davon ausgehen, dass das klappt.“ Obwohl er mehrere Stunden pro Woche hinter den Drums verbringt.

Nur noch lächeln

Ralph Lange ist sich jedoch sicher: „Er kann ohne weiteres Musiker werden. Er hat das große Talent und die solide Ausbildung dafür.“ Und den Spaß an der Sache ohnehin. Jakob sagt, wenn er zu Hause seinen iPod ans E-Schlagzeug anschließe und zu aktueller Musik selber spiele, dann sei das so toll, „dass ich nur noch lächeln kann.“ Und obwohl er sich auch intensiv für Fußball interessiert, hatte er nie den Wunsch, selbst auf dem Rasen zu stehen. „Da ich hier wohne, muss ich ja quasi FC-Fan sein. Aber Zweite Liga? Na ja.“ Dann doch lieber Schlagzeuger.

www.jazzhausschule.de

www.ksta.tv

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