28.09.2016
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Bewegungstheater: Die Poesie der Bewegung

Eine Leinwand und einen Beamerstrahl brauchen die Künstler von „Die Mobilés“ nur, um einen Sportwagen entstehen zu lassen.

Eine Leinwand und einen Beamerstrahl brauchen die Künstler von „Die Mobilés“ nur, um einen Sportwagen entstehen zu lassen.

Köln -

Die Bewegungsabläufe erfolgen mit schwindelerregender Präzision: Auf Zuruf von Choreograph Harald Fuß (56) verbiegen und strecken sich die sechs verschwitzten Körper auf dem braunen Parkettboden des ACR Sportcenters in Neubrück und greifen ineinander. Nur wenige Sekunden braucht das Knäuel aus Muskeln, Trainingsbodys und Haaren, dann erstarrt es erneut.

Was aus nächster Nähe grotesk erscheint, wirkt vor der Leinwand, die die Halle teilt, überaus spektakulär: Das Licht beziehungsweise der Schatten, den der leise surrende Beamer auf sie projiziert, zeigt einen hochaufragenden Kuppelbau mit mehren Säulen. Das Taj Mahal. „Die Türme müssen noch etwas näher aneinander stehen“, mahnt Fuß, dann bricht das Gebäude in sich zusammen. Ein Krampf – das kommt selbst bei Profis vor. „Moving Shadows“ heißt das neue Programm des Kölner Ensembles „Die Mobilés“, das am Dienstag, 25. Juni, im Comedia Theater Premiere feiert. Eine Weltreise in 80 Minuten soll es werden, Poesie aus Schatten und Bewegung.

Die Show setzt das Prinzip des Handschattentheaters fort, bei dem sicher jeder schon einmal einen Vogel oder einen Hund geformt habe, erzählt Choreograph Fuß. In China und Indonesien habe diese Kunstform eine Tausende Jahre lange Tradition. Neu sei jetzt nur der Fakt, dass man vor wenigen Jahren angefangen habe, mit Hilfe des eigenen Körpers Illusionen von Gebäuden und Gegenständen zu erzeugen. Damit die neue Produktion das Publikum ähnlich mitreist wie die Zuschauer der französischen Supertalent-Show, bei der die Gruppe 2012 überraschend gewonnen hatte, durchlaufen die Teammitglieder einen knallharten Probenplan. Hundert Bilder, die teilweise zu mehrminütigen Szenen gebündelt sind, müssen einstudiert werden. „Wie Standardtänzer müssen auch wir unsere Schrittabfolgen genauestens kennen. Teamwork ist sehr wichtig“, betont Fuß.

Die Mitglieder der Kompanie, die bereits 1979 als Bewegungstheater Mobilés gegründet wurde, sind zumeist ehemalige Profiturner, Tänzer oder Akrobaten. Eine der Jüngsten ist Anika Lipke (27), sie wurde vor anderthalb Jahren während ihrer Prüfung an der Sporthochschule entdeckt. Die größte Herausforderung für sie ist noch, die Konzentration über einen so langen Zeitraum aufrecht zuhalten: „Die Bilder müssen nämlich auf den Punkt genau stehen, damit sie überhaupt auf das Publikum wirken“, sagt sie in einer Probepause. „Aus unserer neuen Show mag ich vor allem die Afrikareise. Mit den verschiedenen Tieren ist das wirklich sehr schön geworden. Auch die Fahrzeuge, die wir gestalten, gefallen mir sehr.“

Insbesondere diese Elemente erfordern, was ihr Chef ein „prinzipielles Bewegungstalent“ nennt: ein Gefühl für den Raum und seine Gliedmaßen in ihm. Schon kleine Verschiebungen können große Auswirkungen auf die gewünschte Schatten-Illusion haben. „Ich sage immer, man muss gut einparken können, um bei uns Mitmachen zu können“, ergänzt Fuß, während er eine Schablone vor den Beamerstrahl hält. „Unser Anspruch ist, so wenig Requisiten wie möglich einzusetzen. Und nur da, wo man es mit den Körpern in der Zeit nicht so schnell machen könnte.“

Die Premiere von „Moving Shadows“ am 25. Juni im Comedia Theater ist ausverkauft, es gibt noch Karten für die Vorstellung am 26. Juni, 20 Uhr. Tickets kosten für Erwachsene 18 Euro, ermäßigt 13 Euro.


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