27.09.2016
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Bebauungsplan: Kein Discounter für Escher Ortskern

Die Wiese im Stadtteil Esch soll nach dem Willen von Politik und Verwaltung auch künftig bleiben, wie sie ist. Ein Investor hat

Die Wiese im Stadtteil Esch soll nach dem Willen von Politik und Verwaltung auch künftig bleiben, wie sie ist. Ein Investor hatte dort einen Discounter geplant.

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Wischgoll

Esch -

Ein idyllischer Flecken inmitten des Dörfchens Esch: Bäume säumen die Weide, letzte gefallene Blätter liegen auf dem Gras. Der denkmalgeschützte Hof von Bauer Courth, Pächter des rund 2,5 Hektar großen Geländes, steht am Rande der Wiese. Ein wuchtiger Lebensmitteldiscounter und Besucher, die ihren Einkaufswagen zu anliegenden Parkplätzen über den Asphalt schieben – das würde nach Ansicht der Chorweiler Bezirkspolitiker so gar nicht in dieses Bild passen.

Das aber plant offenbar ein Investor. Im Jahr 2011 erkundigte sich die Josef Schoofs Immobilien GmbH mit einer Bauvoranfrage bei der Stadt, ob auf dem Gelände ein 799 Quadratmeter großer Markt mit 67 Autostellplätzen errichtet werden kann. Aufgeschreckt reagierte die Verwaltung prompt mit dem Beschluss, einen Bebauungsplan aufzustellen, der festlegt, was künftig auf dem Grundstück geschehen soll. Das Ziel der Stadt: Die Weide soll eine private Grünfläche werden, Bauprojekte hätten keine Chance mehr. „Wir möchten den historischen Ortskern mit Hof und Baumbestand erhalten“, sagt die Leiterin des Stadtplanungsamts, Anne Luise Müller: „Das Gelände prägt das Ortsbild; wir wollen verhindern, dass dort gebaut wird.“

Kritik der Immobilienfirma

Die Stadt stellte die Anfrage des Investors darüber hinaus zurück und verhängte für das Gebiet eine Veränderungssperre – damit können für einen bestimmten Zeitraum alle Entwürfe, die den gerade entstehenden Bebauungsplan gefährden, abgelehnt werden. Anfang des Jahres 2012 lehnte die Stadt die Bauvoranfrage der Schoofs Gruppe endgültig ab. Unterdessen hatte die Immobilienfirma bereits vor dem Verwaltungsgericht Köln geklagt, in einem Urteil vom Februar wurde die Klage zurückgewiesen (Aktenzeichen 2K 2740/11).

Derzeit prüft das Oberverwaltungsgericht in Münster, ob eine Berufung zugelassen werden kann. Die Entscheidung steht noch aus. Eigentümerin des Areals ist die Herzogin von Urach aus Rheinberg. Ihr Ehemann, Herzog von Urach, wollte sich gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ nicht zum Thema äußern. Josef Schoofs, Inhaber der Immobilienfirma, findet dagegen deutliche Worte: „Es handelt sich um ein privates Grundstück inmitten der Stadt. Das gilt als bebaubares Land“, sagt der Unternehmer. „Wer die Wiese in eine private Grünfläche verwandeln möchte, muss den Eigentümer fragen, ob er sie verkaufen will.“

Ortskern erhalten

Die Bezirksvertretung Chorweiler jedoch schloss sich den Plänen der Stadt an. „Der Ortskern von Esch soll bleiben, wie er ist“, sagt Bezirksbürgermeisterin Cornelie Wittsack-Junge. „Wir wollen dort keinen Discounter.“ Allerdings kritisierten einige Lokalpolitiker die städtische Verfahrensweise. „Wurde der Eigentürmer über die Änderung informiert?“, fragt Michael Birkholz von der FDP. „Und was bedeutet das für den Pächter? Muss er befürchten, dass weitere Kosten auf ihn zukommen?“ Laut Verwaltung wurde der Eigentümer nicht angeschrieben – was auch unnötig sei, da die Nachricht zum Bebauungsplanverfahren im Amtsblatt der Stadt veröffentlicht worden sei. Dies reiche als Information aus. Der Pächter müsse zudem keine weiteren finanziellen Belastungen fürchten. Für eine private Grünfläche könnten keine Anliegerkosten erhoben werden.