24.08.2016
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Chorweiler-Nord: Zeichen gegen die Zerstörungswut

Jetzt hängen die restaurierten Bilder wieder an den Wänden der Haltestelle Chorweiler-Nord.

Jetzt hängen die restaurierten Bilder wieder an den Wänden der Haltestelle Chorweiler-Nord.

Foto:

Görtz

Chorweiler -

Es ist gerade mal ein Jahr her, da wurden in der unterirdischen S-Bahn-Haltestelle Chorweiler-Nord große, bunte Kunstwerke an den Wänden befestigt. Die 16 Tafeln galten als künstlerischer Abschluss einer langen Umbauphase und sollten die triste Station aufwerten. Die Freude währte kurz: Keine zwei Monate später hatten unbekannte Täter die Folie abgerissen und einige Werke angekokelt. Neun der insgesamt 16 Bilder trugen Blessuren davon, eines wurde komplett zerstört – obwohl die Objekte damals eine besondere Beschichtung erhielten, um beispielsweise Graffiti zu verhindern. Die Täter konnten nie gefasst werden.

Jetzt wurden die ramponierten Abzüge ersetzt und erneut in der Bahnstation angebracht. Oberbürgermeister Jürgen Roters erschien sogar persönlich, um die fast mannshohen Tafeln der Öffentlichkeit zu übergeben. Damit sie nicht erneut zerstört werden, hat die Stadt nach eigenen Angaben ein „sehr beschädigungsresistentes“ Verfahren angewendet. Dank einer neuen Drucktechnik seien die Bilder nun widerstandsfähiger. „Jetzt kann man sie nicht mehr so leicht beschädigen“ sagt Klaus-Martin Ellerbrock, Sozialraumkoordinator für Chorweiler und einer der Initiatoren für die Verschönerung der Haltestelle. Wenn Passanten erneut versuchten, die Collagen zu demolieren, aber merken, dass dies nicht so einfach ist, könnten sie schnell die Lust an der Zerstörung verlieren – das hoffen zumindest alle Beteiligten. „Es ist auch gut, dass sich die Stadt an den Kosten beteiligt. Es ist eine Botschaft an die Menschen hier in der Umgebung: Die Stadt lässt euch nicht allein“, sagt Ellerbrock. Insgesamt 17000 Euro kostete die Restaurierung, 14.000 davon übernahm die Stadt, den Rest zahlte die Deutsche Bahn.

Kein schöner Ort

Vor der Neugestaltung war die Station Chorweiler-Nord kein Ort, an dem sich Fahrgäste besonders gern aufhielten. Den finsteren Bahnsteig betraten viele Bahn-Kunden mit einem mulmigen Gefühl und der Hoffnung, so schnell wie möglich den nächsten Zug zu erwischen. Die damalige Dachkonstruktion über den Zugängen rostete, und in ihrem Gestänge nisteten viele Tauben. Eine Studie der Deutschen Bahn krönte die Station zu einer der tristesten im gesamten Netz der Bundesrepublik. Immer wieder hatten sich Anwohner, Lokalpolitiker und andere Einrichtungen über den maroden Zustand beschwert, der immer schlimmer wurde. „Ich war 2002 einmal hier“, erinnert sich Oberbürgermeister Roters. „Da habe ich einen richtigen Schreck bekommen Alles war grau, dunkel, runtergekommen. Es war ein Angst-Raum.“

2004 begann der „Initiativkreis S-Bahn“ Gespräche mit der Stadt und der Deutschen Bahn, um die Haltestelle sicherer und schöner zu machen. 2006 starteten die lang ersehnten Umbauarbeiten: Bahnsteig und Wände wurden saniert, eine neue Rolltreppe gebaut und ein neues Dach installiert. Allerdings gab es auch hier ein Problem: Neu aufgestellte Dachstützen hatten den Weg zu den Rolltreppen so verstellt, dass die Fahrgäste nicht sicher daran vorbei kamen. Mehr als zwei Jahre konnte die Rolltreppe nicht genutzt werden. Im Sommer 2011 kamen dann die Tafeln hinzu.

Vandalismus ist zurückgegangen

Jetzt hoffen alle Beteiligten, dass die Kunstwerke nicht mehr beschädigt werden. „Seit der Umgestaltung ist der Vandalismus an der Haltestelle zurückgegangen“, sagt Sozialraumkoordinator Ellerbrock. „Bis auf die Tafeln natürlich. Aber wir hoffen, das kriegen wir auch noch in den Griff.“

Bezirksbürgermeisterin Cornelie Wittsack-Junge reichen die schicken neuen Abzüge nicht. Sie fordert, dass die Haltestelle behindertengerecht umgebaut wird. Da die Station keinen Aufzug oder eine Rampe anbietet, hätten vor allem Rollstuhlfahrer, ältere Menschen und Eltern mit Kinderwagen Probleme, die Züge zu erreichen. „Damit die Haltestelle richtig perfekt ist, muss sie barrierefrei werden“, sagt Wittsack-Junge. „Dann können wirklich alle Menschen die tollen Bilder sehen.“


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