26.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Firmengruppe : Investor Adani springt ab

Dieser Häuserriegel an der Stockholmer Allee kann am 18. Januar im Amtsgericht ersteigert werden.

Dieser Häuserriegel an der Stockholmer Allee kann am 18. Januar im Amtsgericht ersteigert werden.

Foto:

stefan worring

Chorweiler -

Der Investor Erez Adani will sich nicht mehr an der Zwangsversteigerung von 1199 Wohnungen in Chorweiler beteiligen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat der Geschäftsmann das über seinen Anwalt Jürgen Wilhelm in einem Brief an den Landesbauminister Manfred Groschek (SPD) mitgeteilt. Adani sehe seinen Ruf beschädigt, soll es in dem Brief heißen. In der öffentlichen Debatte sei er bloßgestellt und diffamiert worden. Deshalb ziehe er sich zurück.

Die Firmengruppe des Investors sieht sich seit Wochen in der Kritik, vor allem weil sie sich in ihren Häusern in Porz-Finkenberg nicht genug engagiere. Nachdem klar geworden war, dass die Gruppe auch in Chorweiler kaufen will, hatten Stadt und Landespolitiker die dort verantwortliche Firma KPL Immo aus der Adani-Gruppe aufgefordert, auf die zunehmenden Mieterproteste zu reagieren. Sonst beweise der Investor in Finkenberg, dass man ihm nicht vertrauen könne, sagte Andreas Kossiski, SPD-Landtagsabgeordneter aus Chorweiler und DGB-Kreisvorsitzender.

Verdienstmöglichkeiten unklar

Zudem war innerhalb der SPD massive Kritik am SPD-Politiker und Präsidenten der Landschaftsversammlung, Jürgen Wilhelm, geübt worden, weil der ein Mandat von Adani übernommen hatte. Auch diese Zusammenarbeit ist nach dem Rückzug Adanis wohl beendet. Oberbürgermeister Jürgen Roters nannte das am Donnerstag „eine kluge Entscheidung“ von Wilhelm. Der Investor selbst wollte sich nicht äußern.

Unklar bleibt unterdessen, wie ein privater Investor Geld mit den maroden Häusern verdienen will. Zumindest aus Sicht mancher Initiativen, die sich in Chorweiler und Finkenberg für die Stadtteile und die Bewohner der Häuser engagieren, ließen sich solche Immobiliengeschäfte nur machen, wenn man die staatlich gesicherten Mieten kassiere und außer den nötigsten Reparaturen nichts in die Häuser investiere. In einem Brief an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) warnt etwa die katholische Pfarrgemeinde in Chorweiler vor „Heuschrecken“ auf dem Immobilienmarkt. Als Beispiel verweist man auf den Wohnungsbestand der Firma BGP Norddeutschland, der in Chorweiler 600 Wohnungen gehören.

Absolut heruntergekommene Wohnungen

Hier könne man sehen, „welche Folgen solche Liegenschafts-Übernahmen“ hätten. „Zu besichtigen sind absolut heruntergekommene Wohnungen, gesundheitsgefährdende Schimmelbildung, menschenunwürdiges Wohnen, Vandalismus aus Verzweiflung, Verfall von Sozialverhalten sowie die Auswirkungen im gesamten Stadtteil.“ Das Sozialbüro Chorweiler hat eine Mieterbefragung durchgeführt. Das Ergebnis: In den Häusern der BGP wird noch mehr über Mängel und deren nicht erfolgte Beseitigung geklagt als in den zwangsverwalteten Häusern nebenan, die im Januar versteigert werden sollen.

Nach dem Rückzug des potenziellen Investors ist offen, ob sich ein anderes internationales Unternehmen an der Zwangsversteigerung beteiligen wird. Auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ lässt die BGP über ihre Hausverwaltung Hermes ausrichten, dass auch sie kein Interesse an der Zwangsversteigerung habe. „Unsere Eigentümerin wird nicht mitbieten, da sie die aufgerufenen Preise für den Zustand der Objekte, den Instandhaltungsstau von circa 30 Jahren und die Mietpreisbindung für nicht marktkonform hält“, sagt Hermes-Bereichsleiter Kay Jany.

Mindestgebot: 28 Millionen Euro

28 Millionen Euro werden als Mindestgebot gefordert. Hinzu kommen die hohen Kosten für die Sanierung der Häuser. Oberbürgermeister Roters nannte auch die verstärkte Intervention der Stadt als Grund für das schwindende Interesse. Am Rückzug Adanis könne man sehen, dass „sich Finanzinvestoren vom Acker machen, wenn Anforderungen an Mindeststandards gestellt werden“, so Roters.

In Chorweiler hofft man darauf, dass Stadt und Land zusammen mit einem Firmenkonsortium und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft doch noch Zugriff auf die Häuser bekommen. Im Chorweiler-Zentrum, in Seeberg oder Chorweiler-Nord könne man sehen, „dass ein gut gepflegtes Hochhaus mit einem lebenswerten Zuhause möglich ist“, heißt es im Brief der Pfarrgemeinde. „Ganz offensichtlich sind diese Häuser mit einer ethisch hochwertigen Geschäftsgrundlage und mit betriebswirtschaftlicher Klugheit kostendeckend und sogar gewinnbringend zu betreiben.“


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?