25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Geiselnahme Köln: Kita-Geiselnehmer schweigt weiter
06. April 2013
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Geiselnahme Köln: Kita-Geiselnehmer schweigt weiter

SEK-Einsatzkräfte kommen aus der Kindertagesstätte in Chorweiler.

SEK-Einsatzkräfte kommen aus der Kindertagesstätte in Chorweiler.

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Getty Images

Chorweiler -

Nach dem Geiseldrama in einer Kölner Kindertagesstätte bleibt das Motiv für die Tat weiterhin unklar. Der beim Polizeizugriff angeschossene Verdächtige habe sein Schweigen bisher nicht gebrochen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montag. Der 47 Jahre alte Mann sei immer noch in einem Gefängniskrankenhaus. Die Kita blieb am Montag geschlossen, wurde aber im Laufe des Vormittags von der Polizei freigegeben. Nach Angaben einer Stadt-Sprecherin wird sie nun gereinigt und soll so bald wie möglich wieder öffnen.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Samstag Haftbefehl wegen erpresserischen Menschenraubes und gefährlicher Körperverletzung gestellt, der Geiselnehmer sitzt seither in Untersuchungshaft. Inzwischen zeichnet sich ein mögliches Motiv für die Tat ab: Der 47 Jahre alte Täter, Mehmet D., hatte wohl Schulden. Dies bestätigte Staatsanwalt Alf Willwacher.

Im Stadtteil kursieren Gerüchte, der zweifache Vater habe „oft an Automaten gezockt“, sei spielsüchtig gewesen. Ob seine Schulden tatsächlich daraus resultieren, ist unklar. Sinan I. (26), der mit seinen Eltern einen kleinen Supermarkt an der Osloer Straße führt, sagt: „Ich habe ihn dauernd hier in der Spielhalle gesehen.“ Der Täter lebte mit seiner Frau und zwei kleinen Söhnen (3 und 5 Jahre) im Norden Chorweilers. Er soll zum zweiten Mal verheiratet sein. „Er ist ein guter Mann“, sagt sein Nachbar Rasit D. Der 72-Jährige wohnt in der Wohnung unter Familie D. Das Sechs-Parteien-Haus in einer verkehrsberuhigten Straße ist gepflegt, vor dem Haus stehen Bänke um einen Sandkasten. Gleich gegenüber ist ein Kindergarten, in den auch Mehmet D.s Söhne gehen. Von Spielsucht weiß der Nachbar Rasit D. nichts. „Nein, das glaube ich nicht. Ich habe nie mitbekommen, dass Mehmet gespielt oder getrunken hat.“

Der arbeitslose Mehmet D., der aus Anatolien stammt, soll aber herz- und nierenkrank sein. „Einer seiner Söhne hat auch Probleme mit dem Herzen“, sagt Rasit D. „Ich kann mir einfach nicht vorstellen, warum er das gemacht hat ­– er war ein vorbildlicher Familienvater.“ Er habe auf ihn nie verzweifelt gewirkt. „Die Familie lebt in einer Vier-Zimmer-Wohnung. Es geht ihnen gut, ich hatte überhaupt nicht den Eindruck, dass sie bedürftig sind.“

Staatsanwaltschaft und Polizei teilten mit, dass der 51 Jahre alte Leiter der Kita inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte. Mehmet D. hat ihm nicht nur einen tiefen Messerstich in den Oberschenkel zugefügt, sondern zahlreiche weitere Schnittverletzungen an den Händen und am Oberkörper.

Mehmet D. ist bislang nicht wegen Gewaltdelikten in Erscheinung getreten, er scheint Ulrik W., den Kita-Leiter, auch nicht gekannt zu haben. Auch seine Familie hatte keinerlei Verbindung zu der städtischen Einrichtung an der Osloer Straße.

Der mit einem Messer bewaffnete Täter kam am Freitagmorgen gegen 8.50 Uhr unter dem Vorwand in die Kita, sein Kind dort anmelden zu wollen. Im Büro kam es zu einem lautstarken Streit und Handgemenge, er fügte dem Leiter die erste Stichverletzung zu. Nach stundenlangen Verhandlungen meldeten SEK-Beamte kurz vor 19 Uhr eine Zuspitzung der Lage für das Opfer und die Polizisten stürmten das verschlossene Büro des Leiters. Ein SEK-Beamter schoss Mehmet D. gezielt in die rechte Schulter, um sicherzugehen, dass der Täter Ulrik W. nicht noch einmal mit dem Messer angreift.

Mehmet D. lässt sich durch einen Rechtsanwalt vertreten und macht bisher zum Tatablauf keine Angaben.