29.07.2016
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Hochhäuser: Zwangsversteigerung wird verschoben

Auch diese Häuser in der Osloer Straße werden zwangsversteigert.

Auch diese Häuser in der Osloer Straße werden zwangsversteigert.

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Peter Rakoczy

Köln -

Im Zusammenhang mit der Zwangsversteigerung eines Hochhaus-Riegels in Chorweiler hat die Stadt einen wichtigen Teilerfolg errungen. Das Kölner Amtsgericht ordnete am Donnerstagmorgen die Verschiebung der Versteigerung an und gab damit einem Antrag des Insolvenzverwalters statt. Die 1199 Wohnungen in den Häuserblocks an der Stockholmer Allee und in einem Hochhaus in der Osloer Straße sollten eigentlich am kommenden Freitag unter den Hammer kommen.

"Wir sind hoch erfreut über diese Entscheidung", kommentierte Stadtsprecherin Inge Schürmann die Gerichtsentscheidung. "Wir haben dadurch einen wichtigen Zeitgewinn errungen." Eine Versteigerung könne nun frühestens in drei Monaten stattfinden. Angesichts der Arbeitsbelastung des Gerichts werde es voraussichtlich aber noch länger dauern.

Hintergrund der Aktion: Die Stadt will Zeit gewinnen, um ein eigenes Konsortium von Unternehmen zusammenzustellen, das bei der Versteigerung mitbieten kann. "Das ist unser Versuch, die Häuser nicht Immobilienhaien zu überlassen, die sich in keiner Form für die Mieter interessieren und nur möglichst viel Geld herausholen wollen", so Schürmann.

Die NRW-Bank betreibt als Gläubigerin die Zwangsversteigerung. Erst vor einigen Tagen hatte die Stadt ihrerseits als Gläubiger Insolvenzantrag gestellt und über diesen Weg die Verschiebung ausgelöst. Das passiere automatisch, wenn ein neuer Gläubiger auftritt, so Schürmann.

Das Amtsgericht sagte zur Begründung der Entscheidung, dass es dem Insolvenzverwalter bislang nicht möglich gewesen sei, den Umfang der Insolvenzmasse aufzuklären. "Durch eine etwaige Versteigerung könne die Insolvenzmasse auseinandergerissen und so die bestmögliche Verwertung im Rahmen des Insolvenzverfahrens vereitelt werden."

Die NRW-Bank, die als Gläubigerin die Zwangsversteigerungen betreibt, möchte mindestens 28 Millionen Euro für die stark sanierungsbedürftigen Häuser haben. Sie ist im Grundbuch mit mehreren Forderungen als Gläubiger eingetragen und versucht, sich das Geld zurückzuholen, das sie verliehen hat. Sie könnte mit einem deutlich niedrigeren Mindestgebot in die Zwangsversteigerung gehen. Gutachter haben den Wert der Häuser auf 23 Millionen geschätzt.

Weiterer Gläubiger ist die Immobilienfirma Talos in Berlin. Sie wurde in den vergangenen Wochen auch als Interessent für die anstehende Zwangsversteigerung genannt. Bei den Verantwortlichen der Stadt und bei den Mietern in Chorweiler ist die Firma nicht allzu gern gesehen.

Am Donnerstag versammelten sich auf dem Pariser Platz rund 150 Demonstranten, die gegen die Zwangsversteigerung protestierten. Zum Protest hatte die Initiative „Wir sind Chorweiler“ aufgerufen.

(mit fra)


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