25.08.2016
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Religion und Kultur: Zum Beten ins Versammlungshaus

Selahatin Göktürk (v.l.) und Fadime Tonsun beantworteten Fragen des Moderators Martin Stankowski (r.).

Selahatin Göktürk (v.l.) und Fadime Tonsun beantworteten Fragen des Moderators Martin Stankowski (r.).

Foto:

Wischgoll

Seeberg -

Wie leben die Aleviten in Deutschland? Und woran glauben sie? „Gespräch der Religionen und Kulturen: Zu Gast bei der „Alevitischen Gemeinde Köln e.V.“ hieß die Veranstaltung, die jetzt im Seeberger Zentrum der Gläubigen stattfand. Es war der Auftakt einer neuen Reihe, die der Beirat des Bürgerzentrums Chorweiler in Zukunft mit verschiedenen Religions- und Kulturgemeinschaften organisieren will.

Die Premiere zumindest war ein Erfolg. Das Interesse an den Aleviten war groß, der Saal des Hauses am Alpenrosenweg restlos gefüllt. Unter Moderation von Journalist Martin Stankowski stellte sich die Alevitische Gemeinde Köln e.V. zunächst vor – vertreten durch ihren Vorsitzenden Selahattin Göktürk und die alevitische Lehrerin Fadime Tosun. Anschließend sollten die Besucher in Gruppen über verschiedene Themen diskutieren – etwa über Sprache, Integration und Bildung.

30 000 Aleviten in Köln

Die Aleviten sind Mitglieder einer aus dem schiitischen Islam entwickelten Glaubensrichtung. Rund 30 000 leben laut Göktürk in Köln, in der ganzen Bundesrepublik geschätzte 800 000 Aleviten. Gut ein Drittel ist in Gemeinden oder Vereinen organisiert. „Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Aleviten stammt aus der Türkei“, erläuterte Göktürk. Weitere kommen unter anderem aus Syrien, dem Irak, Iran, Albanien und Ägypten.

Aleviten sehen ihren Glauben als eigenständige Religion und leben nicht nach den fünf Säulen des Islam – grundlegenden Praktiken wie Fasten, Almosen geben, Pilgerreise und rituelles Pflichtgebet; der Koran wird von den Aleviten nicht als Gesetzbuch verstanden, sondern als Niederschrift von Offenbarungen, die kritisch gelesen werden dürfen. Die Gläubigen beten nicht in einer Moschee, stattdessen treffen sie sich zu Kulthandlungen, genannt Cem. „Wir suchen uns nicht im Islam“, erklärte Fadime Tosun und beantwortete damit die Frage eines Vertreters der Deutsch-Islamischen Union der Anstalt für Religion zu Chorweiler e.V. (Ditib). Tosun unterrichtet alevitische Religion an der Grundschule Merianstraße. „Ich hatte als Kind in der Türkei dieses Recht nicht, etwas über meine Religion zu erfahren. Das war verboten“, so die Lehrerin, „erst als Erwachsene habe ich sie besser kennengelernt.“

Während der Tischgespräche diskutierten die Besucher weiter. So erinnerte sich ein älterer Migrant aus der Türkei, dass es kaum Deutschkurse gab, als er hierher kam. Vieles musste er sich selbst beibringen. Auch sei die Hilfsbereitschaft untereinander früher größer gewesen als heute. Und gleichgültig, ob er in Deutschland oder in der Türkei sei, er werde in „beiden Ländern als Ausländer gesehen“, sagte er.

Nächste Termine im Sommer

Der nächste Besuch bei einer Religions- oder Kulturgemeinschaft soll voraussichtlich nach den Sommerferien erfolgen. „Es gibt noch kein Datum“, erläuterte Ute Weber vom Bürgerzentrum Chorweiler.