28.08.2016
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St.-Tönnis-Platz: Frieden statt Schlacht von Worringen

Das Markus-Reinhardt-Ensemble spielte in St. Pankratius.

Das Markus-Reinhardt-Ensemble spielte in St. Pankratius.

Foto:

Max Grönert

Worringen -

Es war ein feierlicher Moment. Mit den beiden Künstlern Carmen Dietrich und Gregor Merten hob eine Gruppe von Kindern vorsichtig den „Engel der Kulturen“ von der Stellwand am Rednerpult herab – und versenkte die mit blauem Spezialbeton ausgegossene Stahlscheibe in einer Bodenplatte auf dem St.-Tönnis-Platz. Mehr als 150 Besucher, die sich in einem Halbkreis aufgestellt hatten, zündeten ihre Kerzen an und setzten sie sodann auf Sandbahnen ab, die sternförmig vom Engel ausgingen. Ein stimmungsvolles Bild auf dem Kirchplatz vor St. Pankratius in der Dämmerung. „Unser Engel soll ein Zeichen setzen gegen jede Form der Gewalt, Unterdrückung und Intoleranz“, so der katholische Diakon Matthias Gill in seiner Ansprache. Neben Gill und dem evangelischen Pfarrer Volker Hofmann-Hanke waren auch Vertreter einer muslimischen Gemeinde aus Chorweiler bei der „Worringer Friedensnacht“ zu Gast, die beide Kirchengemeinden organisiert hatten.

Deren Anlass war die Schlacht von Worringen, die sich morgen zum 725. Mal jährt. Das Gefecht in der Fühlinger Heide, bei dem mehr als 1000 Menschen ihr Leben ließen, ist das bei weitem bedeutendste Ereignis der Stadtteilgeschichte. „Der Name Worringen wird nur mit der Schlacht und mit Krieg verbunden. Das wollen wir durch unsere Aktion aufbrechen“, erläuterte Gill. „Unsere besondere Herausforderung war, das Programm zugleich so ansprechend zu gestalten, dass es Leute anzieht.“

Fünf Stunden buntes Programm

Neben der Engels-Verlegung als Höhepunkt gaben in dem übrigen fünfstündigen Programm außerdem der 50-köpfige „Projektchor“ mit seinen Liedern des Friedens, das Markus-Reinhardt-Ensemble sowie Rolly Brings & Bänd ein Konzert in der Kirche. Hauptfeldwebel Thorsten Steinbach schilderte darüber hinaus seine Eindrücke und Gefühle während seines Afghanistan-Einsatzes.

Ihr Engel sei quasi zufällig entstanden, erläuterte Dietrich die Geschichte des Kunstwerks. „Als wir ein Logo mit Kreuz, Stern und Halbmond – den Symbolen von Christen-, Judentum und Islam – entwarfen, fiel uns hinterher auf, dass der verbleibende Raum in der Mitte wie ein Engel aussieht.“

Den nächste Engel verlegen sie am 30. Juni vor Schloss Morsbroich – den Metallrahmen hierfür schweißten die Gäste der Friedensnacht aus einer Stahlscheibe aus.