26.08.2016
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Stadtplanung: Chorweiler als Touristenmagnet

Gewagte Installationen haben sich Studenten für Worringen ausgedacht.

Gewagte Installationen haben sich Studenten für Worringen ausgedacht.

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Uni Kassel

Chorweiler -

Touristen sitzen auf der Dachterrasse eines Hotels in Chorweiler, beobachten den Sonnenuntergang und entspannen bei einem Drink. So stellen sich Studenten der Universität Kassel Chorweiler vor: die „architektonisch einzigartigen“ Hochhäuser als Touristenmagnet.

Die Idee gehört zum „Landschaftsentwicklungskonzept Köln-Chorweiler“, das Architekturstudenten während des Sommersemesters 2012 entwickelt haben. Die Studenten sollten zunächst erfragen, wie die Menschen im Bezirk Chorweiler ihren Lebensraum wahrnehmen und beurteilen. Manche finden die Architektur in Chorweiler nicht „einzigartig“, sondern eher „einfältig“. Wie lässt sich diese Wahrnehmung mit minimalen Eingriffen in das Umfeld verändern und die Lebensqualität verbessern? Das war die Aufgabe. „Wir wollten nicht von oben herab diktieren, wie ein Wohngebiet aussehen soll“, sagt Projektleiter Boris Stemmer.

Die angehenden Landschaftsplaner pickten drei prägnante Areale des Bezirks heraus: das Erholungsgebiet Zweckverband Stöckheimer Hof, Worringen und Chorweiler. Sie untersuchten die Gegend, erstellten Fragebögen, interviewten Anwohner und entwickelten Konzepte. Diese stellten sie nun im Bezirksratshaus vor.

Stöckheimer Hof

Das Erholungsgebiet, bestehend aus Escher See, Pescher See, Baadenberger Senke, Orrer Wald und Pulheimer See, soll nach den Plänen der Studenten stärker als Freizeitoase hervorgehoben werden. In Gesprächen mit 130 Menschen kam heraus: Mehr als die Hälfte mag besonders den Pescher See. Die Gewässer sollten grüne Grenzen und Eingänge – beispielsweise mit Bäumen zu beiden Seiten des Weges – bekommen. Sichtachsen und rote Stelen aus Beton könnten die Gewässer optisch miteinander verbinden.

Worringen

Was denken die Worringer über die Industrie vor der Haustür? Viele der Befragten bezeichnen den Chemiepark als „hässlichsten Ort Worringens“. Zu den schönsten Orten zählten laut Umfrage die Rheinaue, der Worringer Bruch und der alte Ortskern. Der studentische Entwurf kombiniert die Initialen von „Worringen“, „Industrieanlage“ und „Rheinaue“ zu den Lettern WIR. Diese könnten als Installation an der Worringer S-Bahn-Station, an der Rheinaue und auf dem Parkplatz eines Discounters angebracht werden. Die Installationen sollen eine Beziehung zu den drei Landschaftsteilen herstellen.

Chorweiler

Dieser Entwurf ist ziemlich ehrgeizig: Chorweiler als Tourismusmagnet. Einige Hochhäuser werden mit bunten Platten verziert, in den obersten Etagen siedeln Hotels an, gläserne Fahrstühle fahren an der Außenwand. Aussichtsplattformen bieten Sicht auf den Dom, Aufenthaltsräume sollen Gäste und Anwohner ins Gespräch bringen. So könne die Außenwahrnehmung des Stadtteils verbessert werden, da das „schlechte Image“ das größte Problem Chorweilers sei, so die Studenten. Eine Umfrage mit 62 Anwohnern hatte ergeben, dass die meisten gerne in dem Stadtteil leben. Viele gaben allerdings an, aufgrund des schlechten Images Probleme bei der Jobsuche zu haben. Ein kleinerer Teil störte sich an den Hochhäusern, fehlender Sauberkeit, U-Bahn-Haltestelle und „Drogenszene“. Mit Hilfe ihres Konzepts, so der Traum der Studenten, könnte ein „neues Chorweiler“ mit umgekrempeltem Image entstehen. Träume müssen erlaubt bleiben.