26.07.2016
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Stromtrasse: 380.000 Volt sorgen für Anspannung

Strommasten Rhein-Energie

Hausverwalter Schlesinger auf dem Brachgelände neben den Gleisen in Merkenich.

Foto:

Philipp Haaser

Merkenich -

Norbert Schlesinger zieht den Straßenverkehr zum Vergleich heran, um sein Problem zu beschreiben. "Man muss sich das in etwa so vorstellen, als würde aus einer normalen Hauptverkehrsstraße plötzlich eine Autobahn", erläutert er. Vor den Häusern, die Schlesinger für seine Kinder und andere Miteigentümer verwaltet, soll in Zukunft aber nicht mehr Verkehr fließen, sondern mehr Strom.

Schließlich plant die Rhein-Energie AG, die bestehende 110-Kilovolt-Leitung durch Merkenich auf 380 Kilovolt umzurüsten. Zum Teil verläuft die Trasse, die vom Umspannwerk in Merkenich aus nach Norden und über den Rhein führt, unmittelbar an Wohnhäusern vorbei. Schlesinger glaubt, dass die Belastung für Anwohner enorm sein wird und die Planer das nicht ausreichend berücksichtigen.

"Uns stört, dass bei mehr als dreifacher Leistung der Abstand zu den Häusern der gleiche bleibt", ärgert er sich. Diesen Einwand wird der Hausverwalter in der kommenden Woche bei einem Termin mit der Bezirksregierung vortragen und eine Alternative vorschlagen. Die Behörde entscheidet über die Pläne für den Ausbau und will sich deshalb auch nicht zum laufenden Verfahren äußern.

Neue Masten sollen nach derzeitigem Stand die bisherigen ersetzen. Sie werden die alten um sechs Meter überragen und auch breiter sein. Einige Bäume müssten der Trasse weichen. Die Höchstspannungsleitung soll das Netz der Rhein-Energie AG effizienter mit dem bundesdeutschen Netz verbinden. In Opladen trifft die geplante 380.000-Volt-Verbindung auf das überregionale Netz der Firma Amprion, die derzeit auch den Ausbau einer weiteren Leitung auf Kölner Gebiet plant, vorbei an Meschenich und Weiden.

Stadt kritisierte mangelnden Abstand

In einer Stellungnahme der Stadtverwaltung zum Genehmigungsverfahren der Leitung im Kölner Norden haben Fachleute die zu erwartenden Auswirkungen für Anwohner aufgezählt: Beschränkung der Eigentumsrechte, prasselnde Entladungen, Störung von elektrischen Geräten im Haus und Wertverlust der Grundstücke. Auch der laut Erlass des NRW-Umweltministeriums bei Bebauungsplänen vorgesehene Schutzabstand von 40 Metern würde zum Teil unterschritten, hatte die Stadt damals kritisiert.

Schlesinger liegen vor allem die Häuser am Alexander-von-Wacker-Platz am Herzen - nicht nur, weil seine Kinder zu den Miteigentümern gehören. Er arbeitet zugleich für die Hausverwaltung, die weitere Gebäude in der Straße betreut. Er stellt klar, dass er den Ausbau "nicht torpedieren" möchte.

Doch mit einer Änderung, die leicht zu bewerkstelligen sei, ließe sich die Belastung der Anwohner verringern, meint er. Hinter dem Haus mit der Nummer 14 stehen bisher schon zwei Masten. Dahinter verlaufen die Gleise der Straßenbahn. Auf der anderen Seite wiederum erstreckt sich eine Brachfläche, die laut Schlesinger im Besitz der Stadt sei. Würde dort der neue Mast errichtet, wären keine weiteren Anwohner betroffen, und der Abstand zu den Häusern am Alexander-von-Wacker-Platz wäre erheblich größer, wie er erläutert.

Die Eigentümer der Häuser acht bis 14 haben gemeinsam eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, derzufolge nichts gegen eine Verlegung der Metallkonstruktion auf die andere Seite der Gleise spricht. Die Leitung werde dadurch weder verlängert noch würde mehr Fläche verbraucht. Außerdem entspreche das der Vorgabe, die Kabel vorrangig über Grundstücke im städtischen Besitz zu führen, gebündelt mit anderen Trassen wie etwa Stadtbahngleisen.

"Vielleicht ist man bei der ersten Planung einfach nicht auf die Idee gekommen", vermutet Schlesinger, der guter Dinge ist, dass sich die Beteiligten von der Kraft seiner Argumente überzeugen lassen. Falls nicht, will er vor Gericht ziehen und so dafür sorgen, dass der Abstand zwischen den neuen Masten und den Wohnhäusern vergrößert wird. "Wir sind bereit, das auch auf dem Klageweg durchzufechten", kündigt er an.


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