27.09.2016
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Großfahndung der Polizei: Verurteilter Vergewaltiger nach Ausflug in Köln weiter auf der Flucht

Das Kölner Brauhaus Früh.

Das Kölner Brauhaus Früh.

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Privat

Köln -

Die Polizei fahndet weiter nach einem gefährlichen Gewalt- und Sexualverbrecher. Dem 58 Jahre alten Peter B. gelang Mittwoch bei einem begleiteten Ausgang aus der Justizvollzugsanstalt Aachen in der Kölner Altstadt die Flucht. Wer den Mann erkennt, sollte ihn nicht ansprechen, sondern sofort den Notruf wählen, warnt die Polizei.

Im März 1991 war Peter B. vom Landgericht Köln wegen mehrfacher Vergewaltigung sowie schweren Raubes und sexueller Nötigung zu neun Jahren Gefängnis mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Seit 1991 saß er in der JVA Aachen ein.

Vier Ausgänge pro Jahr

Gesetzlich stehen einem Gefangenen in Sicherungsverwahrung vier begleitete Ausgänge pro Jahr zu. Die können ihm nur verweigert werden, wenn Fluchtgefahr oder eine erneute Straftat drohen.

Achtmal wurde Peter B. in der Vergangenheit schon ausgeführt, jeweils begleitet von zwei Justizbeamten. Und jedes Mal ließ er sich anstandslos zurückbringen. „Es gab bei ihm keine Hinweise auf Fluchtgefahr“, sagte JVA-Chefin Reina Blikslager dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Beim neunten Mal am Mittwoch allerdings nutzte der 58-Jährige offenbar eine günstige Gelegenheit und entkam.

Ob die Flucht spontan geschah oder ob er sich einen Plan zurecht gelegt hatte, ist noch unklar.

Auf dem Weg zur Toilette verschwunden

Gegen 13.30 Uhr kehrten die Justizbeamten mit ihrem Gefangenen zum Mittagessen im Brauhaus Früh am Dom ein. Gefesselt war Peter B. nicht. „Das war er bei den acht Ausgängen zuvor auch nie, es war ja auch nie etwas vorgefallen“, sagte Blikslager. Dann wollte Peter B. auf die Toilette.

Einer der Justizbeamten begleitete Peter B. auf die Toilette, wo sich der Straftäter in eine Kabine begab. Der Beamte sei dann jedoch selbst auf die Toilette gegangen, habe nach Informationen des nordrhein-westfälischen Justizministeriums von den Urinalen aber weder die Toilettenkabinen noch die Toilettentür einsehen können. So konnte sich der Verurteilte unbemerkt davonschleichen.

Die Polizei leitete sofort eine Fahndung ein. Beamte suchten die Umgebung ab, Ermittler fuhren zur Anschrift einer Verwandten des Kölners. Fehlanzeige. Der Mann blieb verschwunden.

Sozialtherapie verweigert

Um 18 Uhr entschied sich die Staatsanwaltschaft dann zu einer Öffentlichkeitsfahndung. Sie gab den Namen und ein Foto des Schwerverbrechers heraus. Die Polizei informierte zudem Apotheken und Krankenhäuser in der Stadt, denn Peter B. ist Diabetiker, er ist auf Insulin angewiesen.

Polizeibeamte auf allen Wachen kennen sein Foto, seine Beschreibung und halten bei ihren Streifenfahrten Ausschau nach ihm. Der 58-Jährige ist etwa 1,88 Meter groß, schlank und trägt einen Oberlippenbart. Er war bekleidet mit schwarzen Springerstiefeln, einer khakifarbenen Cargohose, einem blauen Bundeswehrpullover ohne Emblem und einer hellblaue Weste.

Grundsätzlich hätte Peter B. durchaus Chancen gehabt auf eine Freilassung, berichtet JVA-Chefin Blikslager. Voraussetzung wäre allerdings gewesen, dass er sich im Gefängnis einer Sozialtherapie unterzogen hätte. „Und dagegen hat er sich geweigert“, sagte Blikslager.

2009 war die JVA Aachen zuletzt in die Schlagzeilen geraten, als den Schwerverbrechern Peter Paul M. und Michael Karl H. die Flucht gelang. Ein Justizbeamter wurde wegen des Verdachts der Gefangenenbefreiung verhaftet. Die beiden Ausbrecher wurden nach drei und fünf Tagen Flucht wieder gefasst.


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