26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Cologne Pride: ProKöln fährt CSD in die Parade
16. May 2013
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Cologne Pride: ProKöln fährt CSD in die Parade

Auch diese Bunnys lassen sich die gute Laune nicht vom Regen verderben.

Auch diese Bunnys lassen sich die gute Laune nicht vom Regen verderben.

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stefan worring

Köln -

Die rechtsextreme Partei „Pro Köln“ hat sich für die Parade zum Christopher Street Day  am 7.Juli angemeldet und damit die Organisatoren der alljährlichen, schrillen Demonstration für die Rechte von Schwulen und Lesben in ein kaum lösbares Dilemma gestürzt. Weil die Parade nach den Regeln des Demonstrationsrechts abläuft und keine private Veranstaltung ist, kann niemand ausgeschlossen werden.  „Ich habe mit allem gerechnet, aber nicht damit“, reagierte Zugleiter Jörg Kalitowitsch geschockt. Die Teilnahme der Rechtsextremen am „Cologne Pride“ sei nicht erwünscht.

Hinter den Kulissen wird offenbar seit einigen Tagen darüber diskutiert, wie man mit der rechten Provokation umgehen will. Bei einem Gespräch mit Polizeipräsidenten Wolfgang Albers war verabredet worden, erst einmal keine öffentliche Diskussion über das Thema führen zu wollen. Das schien angesichts der Brisanz kaum möglich. Die rechtsextreme Partei hatte einen „Paradewagen“ angekündigt, um „mehr Toleranz gegenüber Minderheiten“ zu fordern. Man nehme am CSD teil, weil „die Positionen von Pro Köln auch vielen Homosexuellen aus dem Herzen“ sprechen würden.

Dass die Partei selbst in der Vergangenheit immer wieder gegen Minderheiten und Andersdenkende agitiert hat, passt nicht zur rechten Propaganda. Im Zusammenhang mit den CSD-Paraden war von  „Maskerade-Umzügen“ die Rede, für die „Berufsschwule und Eiferer von Stadt zu Stadt reisen um in freizügiger Kleidung für angebliche Rechte von Homosexuellen zu werben“. Im Rat der Stadt wurden Zuschüsse für Selbsthilfeprojekte abgelehnt. Angemeldet wurde die Parade-Teilnahme vom offen schwul lebenden Schauspieler Michael Gabel. Er sitzt für die Rechtsextremen im Kulturausschuss und ist offizielles Mitglied der „Kölner Stadtarbeitsgemeinschaft der Lesben, Schwulen und Transgender". Bisher machte Gabel in der Gleichstellungsdebatte in erster Linie mit Hetzparolen gegen Andersdenkende und Ausländer („Hier kommt keiner rein, weder in meinen Arsch noch in dieses Land“) von sich reden. Auf einem Internet-Video sieht man ihn, wie er brüllend gegen den schwulen Bundestagsabgeordneten der Grünen, Volker Beck, hetzt, während ihm die Kölner Führungsriege von Pro Köln applaudiert. Mit der Anmeldung zum CSD verbinden die Rechtspopulisten geschickt das Thema Minderheitenschutz mit ihrem populistischen Feindbild, dem Islam. Man wolle sich für die Sicherheitsinteressen Homosexueller im öffentlichen Raum einsetzen - die leider immer wieder von islamistischen Fanatikern bedroht würden.

„Wir aber wollen Gleichstellung für alle Menschen - nicht nur die Gleichstellung deutscher Minderheiten“, erklärt Kalitowitsch, den es angesichts solcher Äußerungen „schüttelt“. Kalitowitsch' Sorge gilt in erster Line nun der Sicherheit aller CSD-Teilnehmer, auch der muslimischen. Diese Sicherheit ist in seinen Augen nicht mehr gewährleistet, wenn Pro Köln-Vertreter an der als Demonstration angemeldeten Kölner Parade, übrigens dem zweitgrößten Kölner Umzug nach dem Rosenmontagszug, teilnähmen.

Dass sich Pro Köln auf die Seite der Schwulen stelle sei „völlig daneben und absurd“, sagte Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes, die sich für den CSD engagiert und nun weitere Gespräche mit Stadt und Polizei vermitteln will. Eine Idee: Der Wagen der Rechtspopulisten wird ans Ende der Parade gehängt. Aber auch so könnte es ungemütlich beim lustvollen Fest werden. Wie das Publikum am Straßenrand reagieren wird, ist völlig offen. Scho-Antwerpes appelliert schon heute, friedlich Ablehnung zu demonstrieren, indem man den Rechten den Rücken zudreht.

Im Umfeld des CSD sehen sich dagegen viele in ihrer Haltung gestärkt, aus der Demonstration eine privat organisierte öffentliche Veranstaltung zu machen. Dann kann man entscheiden, wer mitgehen darf und mehr inhaltlichen Einfluss auf die Gestaltung nehmen. Der Nachteil: Die Organisatoren müssten deutlich mehr Auflagen erfüllen und Gebühren bezahlen. Das Geld dafür ist nicht da. Scho-Antwerpes macht deutlich, dass sich keiner Hoffnungen machen sollte, dass städtische Zuschüsse helfen könnten. Der CSD werde wohl eine Demo bleiben müssen.


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