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Das süße Köln: „Kamelle schon seit Jahren nicht mehr“

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Hermann Roos im Hoppeditz-Hüsjer, wo das Wurfmaterial seiner Gesellschaft lagert Foto: stefan worring
Nicht umsonst findet die Süßwarenmesse in Köln statt. Wir zeigen alle süßen Facetten der Stadt. Hermann Roos ist als Gruppenwart seiner Karnevalsgesellschaft für das Wurfmaterial im Zoch zuständig – und weiß genau, was geht und was nicht.  Von
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Drei Mann, drei Autos und ein Hänger. Und dann damit dreimal von Dünnwald bis nach Poll und zurück. Wenn sich Hermann Roos im Januar mit seinen Helfern zum Einkaufen in den Handelshof aufmacht, nimmt das gerne schon mal einen ganzen Tag in Anspruch. Denn dann besorgen sie zwei Tonnen Wurfmaterial für die 58 Rosenmontagszug-Teilnehmer aus der Großen Dünnwalder K. G. von 1927 e. V. „Fidele Jonge“.
Und es braucht weitere drei Tage, drei Leute und jeweils drei Stunden, bis die Geschosse alle ausgepackt, sortiert und in handliche Zwei-Kilo-Plastikbeutel umverpackt sind, so dass sie auch für das werfende Fußvolk nicht zu schwer werden. „Da gehört schon Idealismus dazu, das zu machen“, sagt der Rentner.

1000 Kilo sind das Limit

Nicht zuletzt dürfen Fest- und Bagagewagen im Zoch nicht zu schwer werden. „1000 Kilo Last schreibt das Gewichtslimit des Festkomitees vor. Da können wir nicht so, wie wir wollen.“ So ist es jedes Jahr aufs Neue ein Abwägen und -wiegen, bis die gesamte Fracht geplant und verladen ist. Kein Problem für den 70-jährigen. „Ich organisiere gern.“ Schließlich war der gebürtige Hunsrücker, der seit 1961 in Köln lebt, bis zu seiner Pensionierung Vorarbeiter im Lager der Deutz AG. „Ich hatte 40 Leute unter mir und kenn mich mit Logistik aus.“

Als er dann vor zehn Jahren das Amt des Gruppenwarts für den Rosenmontag bei der Großen Dünnwalder übernahm, wusste er nicht so recht, was auf ihn zukommt. Und auch die Vereinsmitglieder waren skeptisch, als er anfing, das Sortiment umzustellen. „Vor dem Zoch haben sie geschimpft, ich hätte zu wenig besorgt. Hinterher kamen sie und haben sich bedankt, dass es so gut hingekommen ist und sie auf nichts sitzengeblieben sind.“

Zwei Tonnen Wurfmaterial im Wert von 15 000 Euro bringt nun allein sein Verein am Rosenmontag unters Volk. Dafür bezahlt jeder Teilnehmer, der sich in einer Fußgruppe bewegt, 350 Euro. Jeder, der auf dem Festwagen mitfährt 2300 Euro. Inklusive der Verpflegung für den ganzen Tag, die der Dünnwalder Verein selbst organisiert, und der Gebühren an das Festkomitee. Damit deckt der Dachverband einen Teil der Kosten für Organisation und Sicherheit des Zuges ab, auch werden Kostüme und Kapellen sowie eine Versicherung für jeden gestellt. „Und das deckt unsere Kosten bei weitem nicht“, so der hauptamtliche Geschäftsführer Marcel Beyersdorf der gemeinnützigen Gesellschaft des Kölner Karnevals mbH.

Preise für Süßigkeiten steigen

So bezahlt jeder Teilnehmer zwar auch mit seinem Beitrag einen Zuschuss für die Musikkapellen in seiner Gruppe. Doch die ist bereits vom Festkomitee subventioniert. Und auch beim Wurfmaterial versuchen Ritterbach und Co. angesichts immer weiter steigender Süßigkeitenpreise neue Wege zu finden (siehe auch: „Erster Zentraleinkauf“). Für Roos kommen diese guten Absichten für dieses Jahr zu spät. „Ich habe meine drei Lieferanten, und mit denen bin ich zufrieden.“ Neben dem Handelshof ist das die Firma Ad Letics, die außerhalb des Karnevals eigentlich Sportartikel herstellt, und die Firma Schwadorf.

Gefragt sind vor allem Schokolade und Gummibärchen. Dieses Jahr hat der Gruppenwart aber auch Smileys aus Plüsch im Gepäck. 500 gepackte Büggel mit einer Mischung von allem lagern bereits im Hoppeditz-Hüsjer, dem kleinen Karnevalsmuseum des Vereins am Dünnwalder Mauspfad. Zwischen Kartons voller Schogetten, Nippon-Puffreis und Mäusespeck behält Roos den Überblick. Und die Waffellieferung ist noch nicht einmal eingetroffen. „Die erwarte ich diese Woche. Der ruft mich eine Stunde vorher an, und dann geht’s los.“ Macht noch einmal 100 Pakete à fünf Kilo. Früher kaufte Roos auch original Bounty- und Mars-Riegel für die Tüten, die sogenannte Läufer im Zoch den Werfenden nach Aushändigung eines entsprechenden Bons vom Bagagewagen holen und bringen. „Aber das ist zu teuer geworden.“ Seitdem gibt es einen günstigeren „Schokomix“, auf dessen Verpackungen Biscuit und Caramel-Bar, Nougat und Nutoka steht. „Schmeckt genauso gut und wird auch gerne angenommen.“ Nur Kamelle wirft der Verein nicht mehr. „Schon seit zehn Jahren nicht mehr. Die hebt keiner mehr auf. Vor allem nicht, wenn’s regnet. Und dafür ist das echt zu schade.“

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