26.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Demo in Köln: Flüchtlinge erheben schwere Vorwürfe gegen Sicherheitsdienst

170216demo_fuechtl43

Übergabe eines offenen Briefes an das Bundesamt für Migration.

Foto:

Michael Bause

Köln -

Die Menschen aus der Flüchtlingsunterkunft Westerwaldstraße in Gremberg erheben schwere Vorwürfe gegen den dortigen Security-Dienst und die für die Unterkunft zuständige Stadt Köln.

„Für uns ist die Turnhalle keine Notunterkunft. Sie ist ein Gefängnis“, schreiben Flüchtlinge in einem offenen Brief, der dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt. In der Halle der Gemeinschaftsgrundschule und des Georg-Simon-Ohm-Berufskollegs sind 200 Menschen untergebracht.

Auf Fotos ist zu sehen, dass die Feldbetten dort ohne Sichtschutz eng nebeneinander stehen. In den Gängen liegt Müll. Die Menschen prangern an, dass sie mangelhaft ernährt würden, es gebe keine Übersetzer, kaum Hilfe bei gesundheitlichen Problemen, nur jeweils sechs Toiletten und zwei Duschen für Frauen und Männer – und damit nicht genug.

Frauen beklagen sexuelle Übergriffe

Die Flüchtlingsfrauen bezichtigen Mitarbeiter des zuständigen Sicherheitsdienstes Adler-Wache in einem Brief der sexuellen Übergriffe. Frauen würden beim Duschen und Stillen fotografiert und gefilmt, die Sicherheitsleute lauerten den Frauen auf und versuchten, sie zum Geschlechtsverkehr zu überreden.

„Mich hat ein Mann gefragt, ob ich mit ihm kommen würde, er würde gern mit mir zusammen sein“, erzählt eine junge Syrerin, die seit 40 Tagen in der Unterkunft lebt. „Als ich ihm sagte, dass ich liiert und nicht interessiert sei, hat er gesagt, dass ich dann bald hier rausflöge.“

Die Frau steht am Donnerstagnachmittag vor dem Bundesamt für Migration und überreicht mit 70 anderen Flüchtlingen aus der Gremberger Unterkunft zwei offene Briefe. In dem einen fordern die Menschen eine schnellere Abwicklung ihrer Asylanträge, eine Verbesserung der Zustände in der Turnhalle und eine sofortige Ablösung des Sicherheitsdienstes.

In dem anderen Brief richten allein sich die Frauen sich gegen „sexuellen Missbrauch und Belästigung seitens der Security-Crew“. Die junge Syrerin sagt wie viele andere Menschen, die in der Kälte stehen, dass sie nicht in die Unterkunft zurückkehren werde. „Ich habe Angst.“

Polizei ermittelt

Die Polizei, mit neun Streifenwagen vor Ort, sagt der Frau und anderen Demonstranten, dass sie eine Anzeige aufgeben müssen. Dies ist bis dahin noch nicht geschehen.

Unterstützer der Flüchtlinge geben den Beamten die Briefe – ab dem späten Nachmittag wird ermittelt. Polizeipräsident Jürgen Mathies und Oberbürgermeisterin Henriette Reker befinden sich zeitgleich in einem Gespräch – und erfahren dort von den Vorwürfen.

Die Polizei fährt sogleich zur Turnhalle in der Westerwaldstraße und ermittelt. Es besteht ein Anfangsverdacht – es geht auch um sexuellen Missbrauch. „Ich bin entsetzt über die Vorwürfe“, sagt Bernhard Deschamps, Projektmanager der für den Sicherheitsdienst in der Turnhalle zuständigen Adler-Wache, „ich bin mir sicher, dass sie völlig haltlos sind.“

Demonstration am Roncalliplatz

Rund 50 Demonstranten ziehen am späten Nachmittag zum Roncalliplatz, um weiter zu demonstrieren, kehren aber dann doch bald in ihre Unterkunft zurück. Noch am Abend führt die Polizei dort mehrfach Befragungen durch.

Die Stadt hat angekündigt, die Vorwürfe „dezidiert zu prüfen“. Claus-Ulrich Prölß vom Flüchtlingsrat spricht von „einer Katastrophe, falls sich die Vorwürfe bewahrheiten“. Es brauche dringend ein unabhängiges Beschwerdemanagement in den Unterkünften. „Sonst weiß niemand, was drinnen passiert.“