28.09.2016
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Design-Preis: Plattentürme und Armschienen

Die Vinylskulpturen von Jens Standke imponierten der Jury am meisten. Der Designer gewann der ersten Preis.

Die Vinylskulpturen von Jens Standke imponierten der Jury am meisten. Der Designer gewann der ersten Preis.

Foto:

Peter Rakoczy

Köln -

Vinyl-Liebhaber bitte mal weghören: Jens Standke zerfräst Tausende Schallplatten, schichtet sie aufeinander und bekommt dafür einen Preis. Nun, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Der Absolvent der Kunsthochschule für Medien (KHM) hat für seine Vinylskulpturen eine spezielle Fräse – die Technofaktur – entwickelt, die während des Schneidevorgangs simultan auf einer anderen Langspielplatte mit einem Laser deren Töne aufnimmt. Mit zwei Ergebnissen: Klangcollagen und fast zwei Meter hohe Vinyltürme, die wie Tropfsteine in Höhlen aus Boden oder Decke wachsen.

Mit diesem Werk gewann der 31-Jährige den Kölner Designpreis der Prof. Dr. R. G. Winkler-Stiftung für Nachwuchsdesigner, der jetzt im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) verliehen wurde. Insgesamt war der Wettbewerb mit 19000 US-Dollar dotiert und sei damit einer der am höchsten dotierten Design-Auszeichnungen weltweit, sagen die Organisatoren. Der Preis würdigt zum einen Arbeiten von Studenten von Kölner Hochschulen mit Design-Studiengängen. Aktuell gab es 28 Nominierungen und schließlich drei Auszeichnungen plus vier Anerkennungen. Zum anderen wird eine Arbeit von Studenten ausländischer Designhochschulen prämiert.

Nutzwert gefragt

Es wurden indes auch alltagstaugliche Konzepte gekürt. Der zweitplatzierte Michael Marks von der Akademie Ecosign hat die Website beuyslab.de kreiert, die das komplexe Gesamtwerk des Künstlers Joseph Beuys anschaulich erklärt und es gesellschaftlich einordnet. Den dritten Platz belegte Marina Scheinberg (Köln International School of Design, Kisd). Sie hat eine besonders einfach und kostengünstig herzustellende Armschiene entwickelt, die bei Handgelenksverletzungen etwa in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen könnte.

Neben aller Ästhetik müsse Design auch zumindest einen gewissen Nutzwert haben, sagt Kisd-Direktor Wolfgang Laubersheimer: „Wir bilden die Leute nicht aus, um Ornamente auf Kaffeetassen zu entwerfen.“ Im Vergleich internationaler Design-Hochschulen liege Köln und seine Kisd „sehr weit vorn“. Absolventen aus der Stadt hätten es in die Chefredaktionen bedeutender Design-Publikationen geschafft und in die höchsten Produktgestalter-Etagen internationaler Unternehmen.

Aus den Klängen, die Sieger Standke erzeugt hat, veröffentlicht übrigens die Kölner Dub-House-Formation Salz in diesem Monat auf dem Plattenlabel Telrae einen Song. Wenn er auf Vinyl erscheint, sollte Standke ihn besser nicht in die Finger bekommen.

Alle Arbeiten des Wettbewerbs sind noch bis zum 24. November 2013 im Museum für Angewandte Kunst Köln, An der Rechtschule 1, zu sehen.