24.08.2016
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Brandanschlag auf Kölner Moschee: „Der Mann war voll bis obenhin“

Ein Mann hat am Montagmorgen einen Gegenstand vor der Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld angezündet und eine Scheibe der Eingangstür eingeschlagen.

Ein Mann hat am Montagmorgen einen Gegenstand vor der Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld angezündet und eine Scheibe der Eingangstür eingeschlagen.

Foto:

Arton Krasniqi

Köln/Rhein-Erft-Kreis -

Ein offenbar unter Drogeneinfluss stehender Mann hat am Montagmorgen einen Brandanschlag auf die Zentralmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld verübt. Verletzt wurde niemand, es entstand lediglich Sachschaden. Vermutlich ist der 31-Jährige auch für Sachbeschädigungen an islamischen Gotteshäusern in Hürth und Wesseling verantwortlich. Dort soll er in den Morgenstunden mit einem Auto mehrere Bänke an der Moschee in Hürth beschädigt haben.

Zeugen konnten genaue Angaben zum Fahrzeug machen, so dass die Fahndung nach dem Mann schnell anlief. Die Beamten wussten dann auch, dass sie es mit einem polizeibekannten Hürther zutun haben. Der Mann soll von Hürth aus weiter nach Wesseling gefahren sein, wo er auf dem Moschee-Gelände an der Hubertusstraße einen Mülleimer angezündet haben soll. Anschließend steuerte er offenbar sein Ziel in Köln-Ehrenfeld an.

Gegen 9.15 Uhr hatte der mutmaßliche Brandstifter seinen schwarzen BMW vor dem Eingangsportal der Moschee an der Venloer Straße abgestellt und einen Wäschekorb und einen Schulranzen zur gläsernen Eingangstür getragen. Dort übergoss er den Ranzen vermutlich mit Benzin und zündete ihn an. Das alles scheinbar in Seelenruhe − ein Zeuge berichtete hinterher, der Mann habe ihn sogar nach einem Feuerzeug gefragt, schließlich aber mit dem eigenen Feuerzeug den Brand gelegt.
Auch die Anwesenheit von Polizisten, die einige Meter weiter Verkehrskontrollen durchführten, störten den Täter offensichtlich nicht. Zu guter letzt nahm er einen Stein und schlug auf die Glastür ein.

Von Polizei gestoppt

Es gelang ihm noch, wieder in seinen Wagen zu steigen und loszufahren. Nach wenigen Metern wurde er jedoch von der Polizei gestoppt und festgenommen. Die Polizei geht von der Aktion eines Einzeltäters aus. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ erfuhr, ist der Mann wegen Betäubungsmitteldelikten schon mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten. Nach seiner Festnahme wurde wegen des Verdachts des Drogenkonsums eine Blutprobe angeordnet. Das Ergebnis wird Mitte der Woche erwartet. Es wird aber vermutlich niemanden mehr überraschen: „Der Mann war voll bis obenhin“, sagte ein Ermittler am Montag. Der 31-Jährige ist türkischer Staatsbürger.

Der polizeiliche Staatsschutz untersucht den Fall. Die Beamten werden eingeschaltet, wenn eine politisch oder religiös motivierte Tat möglich ist. Ein politischer Hintergrund wird aber nicht angenommen. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte ein Polizeisprecher. Zu diesem Zweck werden auch Videoaufnahmen ausgewertet. Darauf wird man vermutlich auch sehen, wie derselbe Mann in der Nacht mit seinem Auto zweimal in das Tiefgaragentor der Moschee rast.
Die Türkisch Islamische Union DITIB als Hausherr zeigte sich geschockt: „Das ist eine schreckliche Tat, die man ernst nehmen muss“, sagte ein DITIB-Sprecher.