29.07.2016
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Flaschensammler in Köln: Kein Pfandring - auch nicht auf Probe

Pulverbeschichteter Edelstahl: Pfandring probeweise an einem Kölner Müllbehälter

Pulverbeschichteter Edelstahl: Pfandring probeweise an einem Kölner Müllbehälter

Foto:

KETZ

Ehrenfeld -

Zahlreiche Clubs, Kneipen, Konzerte und Theateraufführungen machen Ehrenfeld attraktiv, wenn es ums Ausgehen geht. Viele, die den Stadtteil deswegen besuchen, gönnen sich dabei einen Schluck auch wenn sie unterwegs sind. Im besten Fall werden die leeren Flaschen – meist Pfandflaschen – in Müllbehältern entsorgt. Meist landen sie auf der Straße, wo sie nicht selten als Scherbenhaufen enden.

Das Problem ist da. Eine mögliche Lösung auch. Doch der sogenannte Pfandring kommt vielleicht gar nicht zum Einsatz. Nicht einmal auf Probe, denn die Stadtverwaltung und die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) stellen sich quer. Ein Antrag aus der Bezirksvertretung Ehrenfeld für ein Pilotprojekt mit dem Pfandring im Bereich um die Kreuzung Venloer Straße/Gürtel wurde jetzt mit der Begründung abgewiesen, die Bezirksvertretung sei nicht zuständig und habe außerdem keinen Finanzierungsvorschlag vorgelegt. Bittere Ironie: Der Pfandring wurde in Ehrenfeld erfunden. Designer Paul Ketz konstruierte ihn während seines Studiums an der Design-Hochschule Ecosign. Sogar die ersten Exemplare wurden in Ehrenfeld produziert. Bei der Arbeitslosen-Initiative Jack in the Box.

Es geht um eine kranzförmige Metallvorrichtung, die rund um die öffentlichen Abfallbehälter montiert werden kann. In diesem Ring können Flaschen oder Dosen abgestellt werden. So können Sammler von Pfandflaschen leichter an die Flaschen gelangen. Vor allem, ohne dabei im Unrat herumwühlen zu müssen.

Mehr Menschenwürde

Den Ehrenfelder Politikern ging es in erster Linie um ein Zeichen für mehr Menschenwürde, als sie Ende 2013 den probeweisen Einsatz des Pfandrings verlangten. Die Aussicht auf mehr Sauberkeit und weniger Ärger und Verletzungsgefahr wegen der Glasscherben wäre ein begrüßenswerter Nebeneffekt gewesen.

„Die Antwort der Verwaltung hat uns schon mächtig geärgert. Nicht zuletzt, weil darin die Frage der Zuständigkeit der Bezirksvertretung aufgeworfen wurde“, sagt Andreas Pöttgen von der SPD-Fraktion, die den Antrag eingereicht hatte. Zunächst gehe es nur um einen kleinen Bereich in Ehrenfeld. „Für das Pilotgebiet bieten sich aus Sicht der Bezirksvertretung der Ehrenfeldgürtel zwischen Subbelrather- und Vogelsanger Straße an, die Straßenzüge rund um das Heliosgelände, der Ehrenfelder Bahnhof und die Lichtstraße, wobei auch Erfahrungen der AWB berücksichtigt werden sollen“, erinnert Pöttgen noch einmal an den Antragstext, der im Dezember 2013 formuliert wurde. Die offizielle Antwort gab es kurz vor Karneval, als Mitteilungstext zur gestrigen Sitzung der Bezirksvertretung Ehrenfeld.

Jetzt zu schmollen, bringe aber nichts. „Wir möchten das Ziel mit einer konstruktiven Lösung mit Hilfe von Sponsoren erreichen“, kündigt Pöttgen an. Zur Frage der Finanzierung sagt er: „Ein Ring wäre auf jeden Fall schon bezahlt, weil der SPD-Ortsverein einen stiften will.“ Das Modell soll Schule machen. Gastronomen, Veranstalter und andere lokale Unternehmen sollen angesprochen werden, um weitere Pfandringe zu finanzieren.

Der Zuspruch aus Ehrenfeld freut Fabian Ketz, Bruder des Pfandring-Erfinders, der die Idee vermarktet. „Wir haben ja inzwischen eine Menge Erfahrung damit, wie schwer sich die Kommunen tun, die Pfandring-Lösung zumindest einmal auszuprobieren“, berichtet er. Das Thema habe ökologische, ökonomische und ethische Dimensionen. Von daher bestehe die Gefahr, dass eine Diskussion entsteht, über der die praktische Umsetzung schnell aus dem Blickfeld gerät.

Mit der Stadt Bamberg gibt es bislang erst eine deutsche Kommune, die das System testen will. Immerhin gebe es aber aussichtsreiche Kontakte zu weiteren Interessenten. Zur Frage der Kosten sagt er: „Etwa 290 Euro kostet ein Ring, der auf einen Doppel-Müllbehälter passt.“ Mit steigenden Stückzahlen würde die Anschaffung günstiger.

Edelstahl die beste Wahl

Ob sich bei Material und Herstellung sparen ließe, ist für Ketz keine Frage. „Es wurde schon bei der Entwicklung sehr viel ausprobiert.“ Letztlich aber geht es auch darum, ein Produkt zu haben, das recyclingfähig und sicher vor Beschädigung sei. Daher sei die Ausführung in pulverbeschichtetem Edelstahl seiner Überzeugung nach die beste Wahl. Die Produktion sei womöglich billiger, wenn man in Indien fertigen ließe, doch das sei nicht mit der Philosophie der Nachhaltigkeit vereinbar, die hinter dem Pfandring steckt.

„Es wäre zwar schön, wenn die Idee Gewinn abwerfen würde, doch das steht nicht im Vordergrund“, stellt Fabian Ketz klar. Letztlich sei der Pfandring als Idee für ein besseres soziales Miteinander zu verstehen. Vielen Menschen bleibe nichts anderes übrig, als durch das Sammeln von Pfandflaschen ihre finanzielle Situation aufzubessern.

„Und dazu müssen die im wahrsten Sinn des Wortes in der Sch... wühlen“, sagt Ketz. Er wünsche sich mehr Mut von politisch Verantwortlichen, damit der Pfandring in der Praxis erprobt und weiter verbessert werden kann. Zudem seien dann auch darüber Studien möglich, wie sich das Wegwerfverhalten der Menschen ändert und ob tatsächlich mehr Sauberkeit erreicht wird.


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