29.09.2016
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Altkleidermarkt: Stadt baut illegale Container ab

Die Stadt Köln will in den Markt mit Altkleidern einsteigen.

Die Stadt Köln will in den Markt mit Altkleidern einsteigen.

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Peter Rakoczy

Ehrenfeld -

Die Stadt wird am 19. August damit beginnen, alle illegal aufgestellten Altkleider-Container im Stadtbezirk Ehrenfeld zu entfernen und eigene aufzustellen. Sie folgt damit einem Beschluss des Umweltausschusses von Anfang Juni. Das Modell soll zunächst in Ehrenfeld ein halbes Jahr lang getestet werden. „Wir werden in Ehrenfeld 65 Container entfernen und durch 43 städtische ersetzen“, sagt Hans Peter Winkels, Betriebsleiter der Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB). Sie werden neben den Glascontainern platziert. Weitere fünf wird es an den Wertstoffcentern geben.

Prinzipiell seien derzeit alle Sammler im öffentlichen Straßenland nicht genehmigt. Die AWB wird sie mit Aufklebern und der Aufforderung versehen, dass sie binnen fünf Tagen entfernt werden müssen. Wenn die Eigentümer dieser Aufforderung nicht nachkommen, werden die Behälter sechs Wochen lang eingelagert und danach verschrottet. Private Sammeldienste dürfen sie künftig nur noch auf Privatgeländen aufstellen. Dabei müssen sie so platziert werden, dass der Einwurfschacht nicht von öffentlichem Straßenland erreichbar ist.

Der Altkleidermarkt in Köln ist nahezu undurchschaubar. Wie viele Firmen im Stadtgebiet sammeln, ist der Stadtverwaltung nicht bekannt. „Wir haben die Container mal gezählt und sind auf knapp 600 gekommen, die illegal aufgestellt wurden“, sagt Winkels. Sollten die betroffenen Unternehmen versuchen, neue Behälter zu platzieren, droht ihnen ein Bußgeld zwischen 200 und 10 000 Euro pro Standort.

Keine Konkurrent zu gemeinnützigen Organisationen

Die Stadt will selbst ins Altkleidergeschäft einsteigen, ohne den gemeinnützigen Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz oder der Caritas in die Quere zu kommen. Deshalb wird es auf den städtischen Containern Aufkleber geben, die auf die Haussammlungen der Träger hinweisen. „Wir wollen vermeiden, dass deren Annahme-Mengen schwinden. Deshalb wird es auch weniger städtische Container geben“, sagt Winkels. Sollte sich der Test bewähren, soll das System auf die gesamte Stadt ausgedehnt werden.

Der Altkleidermarkt in Deutschland ist ein lukratives Geschäft. Experten schätzen, dass die Bürger jährlich bundesweit 750 000 Tonnen Altkleider sammeln, Mitte der 90er Jahre waren es nicht einmal die Hälfte. Zehn Prozent davon landen im Müll, 50 Prozent werden recycelt – beispielsweise zu Putzlappen für die Autoindustrie, sagt Thomas Ahlmann vom Dachverband Fairwertung. Nur 40 Prozent des Sammelguts seien hochwertig und könnten als Kleidung wiederverwertet werden.

Manches davon lande in Kölner Kleiderkammern, vieles werde über Verwertungsgesellschaften weltweit transportiert. Bessere Ware wird bevorzugt nach Osteuropa gebracht, schlechtere Ware oft nach Afrika. Dort gilt die Second-Hand-Kleidung als Segen und Fluch zugleich. Second-Hand-Kleidung werde dringend benötigt, so Ahlmann. In Ländern wie Tansania trügen mehr als 50 Prozent der Menschen gebrauchte Kleidung. Auf den Märkten in Daressalam oder Nairobi würden Jeans und gebrauchte Designer-Jacken für umgerechnet zehn Euro das Stück angeboten, Hemden für nur ein bis zwei Euro.