27.08.2016
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Bahnhof Ehrenfeld: Künstler vertreiben die Tristesse

Graffiti am Bahnhof Ehrenfeld.

Graffiti am Bahnhof Ehrenfeld.

Foto:

Roesgen

Ehrenfeld -

Immer wieder bleiben Passanten stehen und beobachten, was sich am Gerhard-Wilczek-Platz tut. Manche blicken skeptisch und setzen kopfschüttelnd ihren Weg fort, andere rufen spontan freudig aus: „Cool, echt Klasse, endlich mal was anderes.“

Mit Farbsprühdosen, Pinseln und Quast sind Künstler dabei, eine Wand zu verwandeln. An einer tristen und schmuddeligen Mauer erschaffen sie ein Gesamtkunstwerk. Drei fahrbare Hebebühnen sind dabei im Einsatz. Denn auch in schwindelnder Höhe wird eifrig Farbe aufgetragen. Binnen weniger Arbeitsstunden wird Ehrenfeld schließlich noch ein bisschen bunter.

Der Kunst- und Kulturverein Colorrevolution hat es sich auf die Fahne geschrieben, der Kunst im Stadtbild mehr Geltung zu verschaffen – mit großflächigen Wandgemälden und künstlerisch gestalteten Fassaden.
Der Gerhard-Wilczek-Platz am Ehrenfelder Bahnhof kam als Betätigungsfeld wie gerufen. Kein besonders schöner Anblick war die Mauer unterhalb des Ehrenfelder Bahnhofs bis vor Kurzem: Meist wenig gelungene Graffiti, mehrere große Werbetafeln und eine Backsteinoberfläche, an der die Zeit nicht spurlos vorüber gegangen ist.

Der Wunsch nach Verschönerung ist an vielen Stellen rund um den Bahnhof geäußert worden – hier wird er endlich Wirklichkeit. Zwei Künstler aus Spanien – Pez und Zosen, renommiert in der Szene und eigens eingeladen für die Aktion – sind zunächst sehr erstaunt, als jemand sie hindern will, sich ans Werk zu machen. Ein Kölner Sprayer reklamiert hartnäckig die Wand für sich. Er habe sich bereits mit einem Motiv verewigt und wolle verhindern, dass andere es nun übermalen. Er droht sogar damit, die neuen Bilder wieder zu übermalen.

Die schlechte Stimmung passt zum grauen Himmel. Mit dem Kompromissvorschlag, Teil des neuen Kunstwerks zu werden, gibt er sich schließlich zufrieden. Auch an anderer Stelle gehen die Künstler behutsam vor.
Unbekannte Fußballfans haben irgendwann einmal aus rot-weißen Kacheln mit Geißbock-Motiv zwei Buchstaben an die Mauer geklebt: Ein F und ein C. „Da malen wir jetzt eine Fahne drumherum“, entscheidet Barbara Deppner, eine der Projektleiterinnen aus dem Verein Colorrevolution. Direkt nebenan erregt eine skurrile Figurengruppe die Aufmerksamkeit: Sie erinnert an Aufständische. Jemand reckt die Faust, eine Flagge weht – mittendrin thront dagegen friedlich und golden schimmernd ein Buddha.

Eine kölsche Attitüde bekommt das Bild durch Tünnes und Schäl, die sich rechts unten dazugesellt haben. Halb Bild, halb Skulpturenobjekt ist das seltsame Motiv. Die Köpfe sind aus Ton und wurden mit Dübeln an der Wand befestigt.
Die ungünstige Witterung bremst die Künstler in ihrem Schaffensdrang. Innerhalb der vergangenen Woche schafften sie lediglich die Hälfte der geplanten Flächen. Die Wand am Parkplatz des Supermarkts, wo sich auch die Zufahrt zur Polizeiinspektion befindet, ist noch gar nicht in Angriff genommen worden. Barbara Deppner kündigt an: „Das werden wir zu einem späteren Zeitpunkt nachholen müssen.“