25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Benefiz-Aktion: Von Hilfsbereitschaft überwältigt
20. December 2012
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Benefiz-Aktion: Von Hilfsbereitschaft überwältigt

Kathleen P. sorgt dafür, dass Frida (links) und Mathilda nicht ständig an ihre Grenzen stoßen.

Kathleen P. sorgt dafür, dass Frida (links) und Mathilda nicht ständig an ihre Grenzen stoßen.

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stefan worring

Neuehrenfeld -

"Wir haben alles. Und deshalb können wir auch mal etwas abgeben." So einfach klingt Empathie aus dem Mund von Christopher Otto, Wirt der Szenekneipe Wicleff. Mit seinem Geschäftspartner Csaba Hajdu hat der Kölner Ende November eine Nikolaus-Benefizaktion für die alleinerziehende Mutter Kathleen P. und ihre beiden unheilbar kranken Kinder gestartet (der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtete). Die Resonanz: "Unfassbar", sagt Csaba Hajdu. Die Spendenbereitschaft der Gäste und Anwohner sei so hoch gewesen wie nie zuvor. "Auch außerhalb der Öffnungszeiten kamen Leute, klopften ans Fenster und drückten mir Geld in die Hand", erzählt Hajdu. Eine ältere Dame habe ihm ihre goldene Uhr übergeben, mit der Bitte, sie zu versetzen und das Geld für Frida und Mathilda zu spenden.

Die Menschen geben von Herzen gern

Die hohe Bereitschaft der Kölner, etwas vom eigenen Wohlstand abzugeben, rührt die beiden Familienväter zutiefst. Selbst Kinder hätten vom Taschengeld gespendet. Ein Arzt aus Lindenthal hinterließ neben einer Spende seine Visitenkarte. Man möge ihn anrufen, wenn das Geld nicht reiche. Er werde den Betrag dann aufstocken, stand auf der Rückseite. Doch das war nicht nötig: "An einem einzigen Abend waren allein vier Hundert-Euro-Scheine in der Spendendose", berichtet Hajdu.

Die Vorgeschichte: Weil die unheilbare Krankheit Nieman Pick Tpy C bei Frida (7) und Mathilda (4) soweit fortgeschritten ist, dass schon Fußwege von ein paar hundert Metern beschwerlich geworden sind, wünschte sich ihre Mutter eine Fahrrad-Rikscha für die Familie. Ihre Töchter sollen trotz ihres sich verschlechternden Zustands so lang wie möglich wie gesunde Kinder aufwachsen. Und dazu gehört Mobilität: Freunde treffen, ein Eis essen gehen, sich auf dem Spielplatz austoben. Das Familienauto hatte ausgedient, das Lastenfahrrad war zu instabil geworden. Eine Rikscha für Frida und Mathilda mit Gurten, Kopfstützen und einem Regendach wäre ideal, überlegte die Mutter.

Eine Freundin sorgte dafür, dass die Nikolaus-Benefiz-Aktion des Wicleff sie diesmal in ihrem Wunsch unterstützte. Mit Erfolg: Pünktlich zum 6. Dezember war genügend Geld da, um nicht nur eine Rikscha zu kaufen, sondern sie auch behindertengerecht umzurüsten. Rund 3000 Euro sind in der kurzen Zeit zusammengekommen. "Wer darüber hinaus noch spenden möchte, soll der Niemann-Pick-Selbsthilfegruppe etwas zukommen lassen", rät Csaba Hajdu. Auf deren Internetseite ist neben Informationen über die Krankheit auch ein Spendenkonto angegeben.

Kathleen P. ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft, auch wenn bei ihr teilweise das Telefon nicht mehr stillstand. "Es ist nicht so einfach, mit so viel Zuspruch klar zu kommen. Überhaupt - etwas anzunehmen, das musste ich auch erst lernen", sagt die 42-Jährige. Doch mittlerweile hat sie erkannt: "Es ist die Quintessenz des Gebens, keine Gegenleistung zu fordern. Die Menschen geben von Herzen gern. Deshalb sollte man auch von Herzen nehmen."

In einem Kasten an der Eingangstür des Wicleff hängt seit ein paar Tagen ein Dankesbrief an die anonymen Spender aus, unterschrieben und kreativ gestaltet von Frida, Mathilda und Kathleen. Ein Fernseh- und ein Radiosender meldeten sich bei der Ehrenfelderin. Sie wollen Beiträge über die Krankheit Niemann Pick zeigen, an der ihre Kinder erkrankt sind. Denn Kathleen P. geht es auch darum, die Krankheit bekannter zu machen und das Thema Behinderung stärker ins öffentliche Blickfeld zu rücken. So ernten Frida und Mathilda, denen man ihre Schwierigkeiten auf den ersten Blick nicht unbedingt ansieht, häufig unfreundliche Reaktionen. "Im Alltag wird mit Abweichungen von der Norm oft intolerant und abwertend umgegangen", so die gelernte Schreinerin. "Dabei sind wir ja alle nicht perfekt und freuen uns, wenn man uns Ungeschicklichkeit oder Fehler nachsieht."

In Neuehrenfeld kümmern sich die Wicleff-Betreiber mit der Familie nun um den Kauf einer Rikscha oder eines ähnlichen Gefährts. "Egal, welches Modell, es muss dran gebastelt werden", stellt Kathleen P. fest.

"Das einfachste wäre, jemand baut uns eins." Das ideale Transportmittel für Familie P. gibt es nicht serienmäßig - auch wenn dank der Benefiz-Aktion genügend Geld vorhanden ist.

www.niemann-pick.de