26.09.2016
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Deutsche DHL: Geht in Ehrenfeld bald die Post ab?

In den Zustellbasen werden die Sendungen über Laderampen auf die Zustellfahrzeuge verteilt.

In den Zustellbasen werden die Sendungen über Laderampen auf die Zustellfahrzeuge verteilt.

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Deutsche Post

Ehrenfeld -

Es soll Menschen geben, die schreien vor Glück, wenn ihnen ein Paket gebracht wird. Die Branche wächst, durch zunehmende Bestellungen im Internet – und vielleicht bald auch in Ehrenfeld. Einer der Großen in diesem Geschäft, das Logistik-Unternehmen Deutsche Post/DHL, plant ein bundesweites Ausbau-Programm für moderne Paketverteilungszentren. Einer von insgesamt 25 neuen Standorten könnte im Kölner Westen liegen. Gut möglich ist es, dass in ein paar Jahren täglich eine noch unbekannte, aber gewiss nicht unerhebliche Zahl gelblackierter Paketlaster zur Oskar-Jäger-Straße rollen. Von dort aus werden die Sendungen dann mittels Kleintransportern an die Empfänger im Stadtgebiet gebracht.

Die Deutsche Post/DHL hat ein Auge auf ein ehemaliges Gelände der Deutschen Bahn an der Oskar-Jäger-Straße 173 geworfen. Hier hat sich bereits unter dem Namen „Kontrastwerk“ ein ungewöhnlicher Mix aus Gewerbebetrieben angesiedelt. Eine Kletterhalle, Filmproduktionsfirmen, aber auch Automobilwerkstätten und Firmen aus der Modebranche gehören dazu. In direkter Nachbarschaft zum Vulkangelände, zum ehemaligen Güterbahnhof und zum Alten Gaswerk könnte auf einem fast 23 000 Quadratmeter großen Areal das neue Paketverteilungszentrum entstehen. Politiker und Bürger fordern allerdings, dass ihnen das Projekt detaillierter vorgestellt wird und dass dabei auch die Auswirkungen auf den Verkehr im Stadtteil dargestellt werden.

Noch viele Schritte nötig

„Es gibt eine Bauvoranfrage, aber noch ist kein Vertrag unterzeichnet“, wiegelt Dirk Dratsdrummer, Pressesprecher der Grundstückseigentümerin Aurelis Real Estate, allerdings noch ab. Ähnlich klingt es bei Achim Gahr, dem Pressesprecher der Deutschen Post. „Wir können uns gut vorstellen, so etwas in Ehrenfeld zu bauen, aber noch befinden wir uns im Planungsstadium und haben noch viele Schritte vor uns“, stellt er klar.

Einer dieser Schritte wird die Projektbeteiligten – Grundstückeigentümer und Vorhabenträger – in den Beirat zur Rahmenplanung Ehrenfeld/Braunsfeld/Müngersdorf führen. Dieses Gremium aus Bürgern, Politikern und Gewerbetreibenden wurde 2004 gebildet. Es hat beratende Funktion für die Bezirksvertretungen und den Stadtentwicklungsausschuss zu allen Vorhaben im ehemaligen Industriegebiet, das sich über Müngersdorf und Braunsfeld bis nach Ehrenfeld erstreckt. Dem Beirat soll das Vorhaben in der Sitzung am 5. März präsentiert werden. Er hat in seiner jüngsten Sitzung ebenso wie tags zuvor die Bezirksvertretung Ehrenfeld Kritik daran geübt, dass die Stadtverwaltung den politischen Gremien einen bereits überarbeiteten Bebauungsplanentwurf lediglich in Form einer Mitteilung zur Kenntnis gab. Bei vielen entstand der Eindruck, dass das Vorhaben schon recht weit fortgeschritten sei, ohne dass die Politik bislang beteiligt war.

Keine Genehmigung bis zur Beiratssitzung

Wie wohlwollend die Verwaltung das Projekt beurteilt, zeigt die Vorprüfung in Bezug auf Verkehrs- und Lärmentwicklung. Dabei kam sie zu dem Schluss, dass es allenfalls „marginale Erhöhung der Verkehrsmenge“ geben werde. Ohnehin sei vorgesehen, mehrere Kreuzungen im Bereich des Plangebietes auszubauen. Dies aber sei den teilweise schon laufenden Bauvorhaben in der näheren Umgebung geschuldet.

Ziemlich exakt wurden bereits die Gebäudemaße (175 mal 45 Meter), die Verkehrserschließung des Grundstücks und sogar die geplanten Einfriedungen mit Hecken beschrieben. Zudem hieß es in der Mitteilung, es werde erwogen, das Paketverteilungszentrum zu genehmigen, noch bevor der überarbeitete Planentwurf der Öffentlichkeit vorgestellt sei. Man wolle lediglich die Träger öffentlicher Belange um Stellungnahme bitten. Davon rückte eine Vertreterin des Stadtplanungsamtes inzwischen ab. Nachdem es im Rahmenplanungsbeirat massive Kritik an dieser Absicht gegeben hatte, sagte sie zu, dass es bis zur Beiratssitzung Anfang März keine Genehmigung gebe.