28.09.2016
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Heliosgelände: Streit um Gifte und Delikatessen

Die Gebäude des Delikatessenhandels an der Heliosstraße wollen die Bezirksvertreter gerne erhalten.

Die Gebäude des Delikatessenhandels an der Heliosstraße wollen die Bezirksvertreter gerne erhalten.

Foto:

Rösgen

Ehrenfeld -

Kann ein Delikatessenladen erhalten bleiben, während unmittelbar daneben der Boden aufgebaggert und Erdreich abgetragen wird, das mit hochgiftigen Chlorkohlenwasserstoffen verseucht ist? Diese Frage beschäftigte die Bezirksvertretung Ehrenfeld. Dieses Szenario ist auf dem Heliosgelände denkbar.

Vor dem Hintergrund, dass der Eigentümer des Heliosgeländes Abbruchanträge gestellt und dies mit einer dringend notwendigen Bodensanierung begründet hat, wollte die Bezirksvertretung Ehrenfeld mehr zu den Altlasten auf dem Gelände erfahren. Dabei wurde von den Fraktionen der SPD und der Grünen der Vorwurf geäußert, dass der Bauunternehmer offensichtlich „Fakten schaffen will“ noch bevor feststehe, was überhaupt an Bebauung auf dem Gelände verwirklicht werde. SPD-Bezirksvertreter Andreas Pöttgen behauptete: „Der Investor führt uns an der Nase herum.“ Es sei nicht ersichtlich, wieso die Bodensanierung zum jetzigen Zeitpunkt vordringlich sei. Von der Verwaltung verlangten die Bezirksvertreter einen detaillierten Bericht zu den Altlasten sowie ein Sanierungskonzept anhand der konkreten Baupläne.

Grundwasser ist bereits belastet

Alexander Jacobi, Geschäftsführer des in der Kritik stehenden Investor-Unternehmens Bauwens-Development, weist den Vorwurf zurück, Aktionismus zu betreiben. „Auch wir würden mit der Sanierung gerne noch warten und stattdessen weiter Mieten für die Gebäude erzielen“, sagte Jacobi. Er verweist auf die Absicht der Stadtverwaltung, Teile des Geländes von Bauwens kaufen zu wollen, um dort eine Schule zu errichten. „Wir gehen davon aus, dass die Stadt ein Grundstück ohne giftige Substanzen im Boden haben will. Daher wollen wir möglichst bald Klarheit über die Sanierung haben“, erklärte Jacobi.

Zudem dränge das Umweltamt auf die Sanierung, weil die Chlorkohlenwasserstoffe bereits in das Grundwasser eindringen. Die Kosten hierfür gibt Jacobi mit vier bis fünf Millionen Euro an. Es sei aber unter wirtschaftlichen Aspekten absurd, den Erhalt einer alten Halle zu fordern, die direkt an das vergiftete Bodenareal angrenze. Es sei vielleicht technisch möglich, stehe aber in keinem Verhältnis zum Wert des Gebäudes, das nicht unter Denkmalschutz stehe.

„Mit Überraschungen muss man rechnen“

Zur von der SPD-Fraktion beantragten „Aktuellen Stunde“ kamen Rainer Liebmann und Bernd Thomas vom Umweltamt. Rund 20 Jahre beschäftigt sich das Amt bereits mit dem teils hochgiftigen Hinterlassenschaften früherer Industriebetriebe auf dem Areal. „Wir haben etwa 30 Gutachten, weil es immer wieder mal Bauvorhaben gab, für die auch Bodengutachten vorgelegt werden mussten“, erläuterte Bernd Thomas. Trotzdem glaubt Thomas, dass immer noch nicht alles erforscht sei und man „mit Überraschungen rechnen muss“. Zu den Substanzen, die im Untergrund zwischen Ehrenfeldgürtel und Heliosstraße nachgewiesen wurden, gehören unter anderem die Schwermetalle Arsen und Blei sowie Nitroaromate und Chlorkohlenwasserstoffe.

Chlorkohlenwasserstoffe wurden im Bereich der ehemaligen Helios-Kraftwerkshalle entdeckt, in der sich heute ein Geschäft für italienische Delikatessen befindet. Als Verursacher wird eine chemische Reinigung vermutet, die zuvor dort ihre Adresse hatte.

Die Nitroaromate befinden sich im Untergrund des Eckgrundstücks Vogelsanger Straße/Ehrenfeldgürtel. Dort stand bis 1911 die Chemische Fabrik Weilerter Meer. Vor sechs Jahren hatte die Stadt, der dieser Grundstücksteil damals gehörte, für etwas mehr als eine halbe Million Euro Bodensanierungen vornehmen lassen. Noch immer in Betrieb ist eine Aktivkohle-Filteranlage zur Reinigung des Grundwassers. Sie besteht aus grünen Metalltanks. „Diese Anlage wird noch auf Jahre hinaus auf dem Gelände stehen müssen“, sagte Bernd Thomas.


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