29.08.2016
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Helmholtzplatz: Schutz für die Ehrenfelder Mischung

Das Areal südlich des Helmholtzplatzes: In den ehemaligen Fabrikgebäuden wird vor allem künstlerisch-kreativ gearbeitet.

Das Areal südlich des Helmholtzplatzes: In den ehemaligen Fabrikgebäuden wird vor allem künstlerisch-kreativ gearbeitet.

Foto:

Christoph Hennes

Ehrenfeld -

Künstler wohnen in ihren Ateliers, Musiker in ihren Tonstudios. Dass Arbeit und Privatleben miteinander verschmelzen, ist ein Phänomen der Globalisierung. Im ehemaligen Arbeiterviertel Ehrenfeld wohnen und arbeiten die Menschen seit vielen Jahrzehnten nebeneinander. In dieser Hinsicht ist das Gebiet südlich des Helmholtzplatzes in gewisser Weise Avantgarde: Hier stehen Gewerbehallen neben Wohnhäusern, auf dem Gelände der ehemaligen Maschinenfabrik Kolb sind Wohnhäuser entstanden, auf dem Areal, auf dem einst eine Kartonagenfabrik ihren Sitz hatte, leben nun vor allem Künstler und Musiker.

Sie stehen wohl für jene „neuen Formen von Wohnen und Arbeiten“, die Andreas von Wolff, stellvertretender Leiter des Planungsamts, meint, wenn er von tiefgreifenden Veränderungen des Lebens in der Großstadt spricht.

Damit die Mischung erhalten bleibt, sich das Gebiet zwischen Hospeltstraße, Helmholtzstraße und Vogelsanger Straße aber weder in ein reines Wohngebiet noch in ein Gewerbegebiet verwandelt, hat das städtische Planungsamt ein Konzept für die künftige Nutzung entwickelt. Die Essenz lautet: Gewerbe und Wohnhäuser sollen hier weiterhin ineinander übergehen – mit klaren Vorgaben, wo welche Art der Bebauung möglich ist.

Jüngst hat das Amt die Pläne im Jugendzentrum „Offene Tür Nonni“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Kritik gab es in erster Linie von Yves Netz. Der hat das Areal Vogelsanger Straße 280-286 sowie Hospeltstraße 65-69 samt Hinterland, auf dem bis in die 1990er Jahre die Kartonagenfabrik siedelte, vor zwei Jahren gekauft. Netz möchte nach eigenem Bekunden „ein kreatives Zentrum mit Arbeiten und Wohnen“ auf dem ehemaligen Fabrikgelände entwickeln und rund 8800 Quadratmeter neuen Wohnraum schaffen, einen kleineren Teil (Vogelsanger Straße 280) würde er gern als sozialen Wohnungsbau realisieren.

Um die Gewerbeflächen wie von der Stadt gewünscht in ähnlicher Größe wie bisher zu erhalten, will der Unternehmer einige Gebäude höher bauen – bis zu viergeschossig im äußeren Bereich des ehemaligen Fabrikgeländes, bis zu dreigeschossig im Innenbereich. Die Stadtverwaltung hat Netz’ Pläne abgelehnt – die gewerblichen Betriebe sollten dort gestärkt werden, daher sei „eine massive Erweiterung der Wohnnutzung in diesem Bereich nicht wünschenswert“, hieß es zur Begründung. In ihren Plänen hat die Verwaltung nur kleine Teile des früheren Fabrikgeländes für Wohngebäude ausgewiesen – der größere Teil soll Gewerbebetrieben vorbehalten bleiben.

„Was die Stadt haben will, wird zu Konflikten führen, weil es am Bedarf vorbei geht“, sagte Netz vor rund 60 Anwohnern im Jugendzentrum. „Ich bekomme jede Woche Anfragen von Interessenten, die Arbeit und Wohnen kombinieren wollen. Diese Menschen machen 80 Prozent der Anfragen aus.“ Würde der Vorschlag der Stadtverwaltung umgesetzt, ergäbe sich ein Ungleichgewicht auf dem Gelände, meint Netz: „Im nördlichen Teil hätten wir dann 95 Prozent Wohnen, im südlichen höchstens 30 Prozent Wohnen.“ Statt einen Bebauungsplan als Basis zu nehmen, schlägt der Unternehmer einen Rahmenvertrag vor, der einen ausgeglichenen Gewerbe- und Wohnmix garantiere.

Einige Diskussionsteilnehmer stimmten den Argumenten von Netz zu – Andreas von Wolff verteidigte die Position der Stadtverwaltung: Ohne klare Vorgabe, wo Wohnhäuser oder Gewerbebetriebe entstehen dürfen, habe „man es nicht in der Hand, wie sich das Gebiet entwickelt“.

Grundsätzlich waren sich die Ehrenfelder einig, dass die Wohn-Gewerbe-Mischung bleiben soll. Ein Anwohner kritisierte den Lärm durch den nahen Schrottplatz – ein Aspekt, der bei der nun anstehenden Umweltprüfung untersucht wird.

Neben Lärmpegel und Luftverschmutzung wird auch die Bodenqualität überprüft – auf dem ehemaligen Fabrikgelände könnten sich Giftstoffe in der Erde befinden. Die so genannte „frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit“ war mangels Fragen oder Kritik nach 45 Minuten beendet.