28.07.2016
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Inklusion: Die Magie der Maske

Die Masken betonen die Individualität ihrer Träger.

Die Masken betonen die Individualität ihrer Träger.

Foto:

Roesgen

Neuehrenfeld -

„Ich habe meiner Maske ein lachendes Gesicht gemacht, weil ich schlechte Laune nicht mag“, sagt die elfjährige Betül. Sie besucht die Eichendorff-Realschule. Dort drehte sich in zwei fünften Klassen eine Woche lang alles um Gesichter und Masken. Zum Abschluss dieses Kunstprojekts führten die Schülerinnen und Schüler ein kleines Stück über Inklusion auf, das war auch das Thema der gesamten Kunstaktion. Und Masken können deutlich machen, worum es dabei geht. Sie betonen die Individualität und die Unterschiede derer, die sie tragen. Masken schaffen ein Gefühl der Gleichheit und der Zusammengehörigkeit. Es sind die Grundgedanken der Inklusion: gemeinsamer Unterricht von Kindern ohne und mit Behinderungen. In der Eichendorff-Realschule gehört er seit Beginn des Schuljahres zum Alltag. Sie nennt sich nun stolz „Eine Schule für alle“.

Mit einem einwöchigen Kunstprojekt wurde das Thema in den beiden fünften Klassen vertieft, in denen auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet werden. Organisiert wurde diese Maskenwerkstatt von der Jugendkunstschule Köln. Eine Woche lang stand somit ausschließlich Kunst auf dem Stundenplan.

Die Künstlerinnen Julia Seidensticker und Bettina Harperath erprobten mit den Schülern verschiedene Materialien und Techniken. Collagen mit eigenen Porträtfotos wurden angefertigt, Masken, die nur die Augen bedecken, Tütenmasken und schließlich die Masken, mit denen zum Abschluss der Woche die kleine Aufführung gestaltet wurde. Dafür wurde zunächst eine Tonform gefertigt, in der mit Gipsbandagen das jeweilige Gesicht entstand. Die farbige Gestaltung kam ganz zum Schluss.

Ganz nebenbei lernten die Schüler viel über Gesichter und die Wirkungen unterschiedlicher Gesichtsausdrücke, Nasenlängen und Mundgrößen. Dass dabei auch viel gelacht wurde, versteht sich von selbst. Für die Schule war es eine gute Gelegenheit, weitere Erfahrungen auf dem Gebiet der Inklusion zu sammeln. „Wir stehen noch ganz am Anfang mit diesem Projekt“, erklärt Schulleiter Wolfgang Biederstädt. Ein Jahr lang wurde innerhalb des Kollegiums dieser Schritt zur Aufnahme von insgesamt zehn Schülern mit Förderbedarf vorbereitet. Dazu gehörte auch, dass das Kollegium durch Lehrer mit spezieller Ausbildung erweitert wurde.

Gemeinsamer Unterricht als Normalität

Jeweils fünf Schüler mit Förderbedarf gehen in die Klassen 5a und 5c. „Wir haben sie natürlich nicht gesondert vorgestellt. Wir wollen, dass der gemeinsame Unterricht als völlige Normalität empfunden wird“, betont Wolfgang Biederstädt. Gleichwohl: Bei den Klassenarbeiten bekommen die Förderschüler mit Lernschwierigkeiten gesonderte Aufgaben, die vereinfachter formuliert und weniger umfangreich sind. Am Ende des Schuljahres erhalten die Mädchen und Jungen neben dem Zeugnis mit den Noten auch eines, in dem die Beurteilungen in einem Bericht zusammengefasst sind.

Die Schüler mit emotionalem und sozialem Förderbedarf schreiben dagegen die Klausuren mit, die der gesamten Klasse gestellt werden.