25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Kindertagesstätte: Noch immer fehlen Kita-Plätze
17. December 2012
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Kindertagesstätte: Noch immer fehlen Kita-Plätze

Bis die Kinder in Neuehrenfeld so spielen können wie diese Kleinen, dauert es noch Monate.

Bis die Kinder in Neuehrenfeld so spielen können wie diese Kleinen, dauert es noch Monate.

Foto:

Schäfer

Neuehrenfeld -

Es wäre wohl zu schön gewesen, um wahr zu sein: ein Kindergartenplatz ganz in der Nähe. „Noch dazu in einer integrativen Gruppe, denn genau das haben wir gesucht“, sagt eine 38 Jahre alte Mutter aus Neuehrenfeld. Doch im Sommer wurde klar, der Neubau auf dem Vereinsgelände des SC West an der Apenrader Straße wird so schnell nicht fertig. Eltern, die hier einen Betreuungsplatz für ihre Kinder haben wollten, mussten sich anderswo umschauen. Im schlecht versorgten Neuehrenfeld ist das aber ein Glücksspiel.

Derweil liegt die zur Hadersleber Straße ausgerichtete Baustelle komplett still. Ungewiss ist derzeit, wann hier eine Kindertagesstätte eröffnet wird. Sechs Gruppen soll sie einmal beherbergen. Darunter eine, wo auch Kinder mit Behinderungen in das Betreuungsangebot integriert sind. Zudem sollte die Kindertagesstätte aufgrund ihrer Nähe zur Sportanlage einen Schwerpunkt auf Bewegungsangebote legen. Als Träger steht die gemeinnützige Gesellschaft Köln-Kitas bereits fest.

Betondecke abgesackt

Grund für die Stilllegung der Baustelle ist eine abgesackte Betondecke zwischen dem ersten Obergeschoss und dem darüber liegenden Stockwerk des Rohbaus. Die beiden Bauvertragsparteien – der Fußballverein SC West Köln als Bauherr und das Kölner Bauunternehmen Langemann – befinden sich derzeit in Verhandlungen darüber, wer die Verantwortung trägt für Arbeiten, die nicht fachgerecht ausgeführt worden sein sollen. Das zumindest ist die Mutmaßung von Thomas Rollewitz-Hambach,Vorstandsmitglied des Klubs. Er plante als Architekt den Neubau, der außer der Kinder-Einrichtung auch Umkleiden und Sanitärräume für die Vereinsfußballer beherbergen soll.

Dieter Langemann, Geschäftsführer des Bauunternehmens, stritt im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ die Vorwürfe ab. Die komplette Stilllegung der Baustelle sei nicht nötig gewesen. Den vermeintlichen Schaden an der halbfertigen Betondecke beurteilt er als nicht so gravierend. Die Absackung sei „im Toleranzbereich“.Was war passiert? Ende Juni wurde die Decke über dem ersten Obergeschoss betoniert. Nach Angaben des Bauherrn wurden nach Ablauf der sogenannten Schalfrist Ende Juli jedoch Stützelemente entfernt, bevor – so Thomas Rollewitz-Hambach – ein zwingend notwendiger Balken im Bereich der Außenwand hergestellt worden war. „Als Folge ist die noch unfertige Betondecke um bis zu fünf Zentimeter nach unten gesackt“, behauptet der Architekt. Laut Dieter Langemann sollen es jedoch „höchstens 20 Millimeter“ sein. Rollewitz-Hambach ordnete Sicherungsvorkehrungen an, damit sich der Schaden nicht vergrößert. Jetzt droht eine längere Auseinandersetzung. Wegen der unterschiedlichen Auffassungen der Bauvertragsparteien über die Ursachen und damit die Haftung müssen Beweise für die Schadensursache gesichert werden. „Auch wir möchten, dass das Gebäude so schnell wie möglich fertiggestellt wird, aber weil hier einmal eine Kindertagesstätte einziehen soll, bin ich verpflichtet, absolut sicher zu gehen, was die Behebung des Schadens angeht“, sagt Rollewitz-Hambach.

Zu wenig Kita-Plätze in Neuehrenfeld

Das Bauaufsichtsamt der Stadt sieht für sich keine Möglichkeit, auf einen Weiterbau zu drängen. „Es handelt sich um ein privates Bauvorhaben“, erläutert der kommissarische Amtsleiter Lothar Buntenbroich. Weil es sich aber um eine öffentliche Kindertagesstätte handelt, habe er einen Bausachverständigen beauftragt, einen Bericht zur Situation auf der Baustelle anzufertigen.

Nicht glücklich über den Baustopp ist auch Agnes Klein, die Dezernentin für Bildung, Jugend und Sport. „Wir sind auf die Kindergartenplätze angewiesen. Aber das gilt für alle Stadtteile.“ Wie sehr sich das Fehlen auswirkt, verdeutlichen Zahlen: Die Versorgung der unter Dreijährigen im Einzugsbereich der Kindertagesstätte würde mit den 32 geplanten Plätzen an der Apenrader Straße bei 24 Prozent liegen. Ohne kommt man nur auf 19 Prozent. Von der Mindestversorgungsquote von 30 Prozent ist man in Neuehrenfeld ohnehin noch ein Stück entfernt. Zudem sind 53 Plätze für Über-Dreijährige vorgesehen. Hierdurch würde eine Versorgungsquote von 96 Prozent erreicht. Ohne diese Plätze kommt man auf 88 Prozent.

Im Frühjahr bezugsfertig?

Trotz der Probleme kann Agnes Klein dem Bauvorhaben positive Aspekte abgewinnen. „Eine Kindertagesstätte zu bauen, ist ein sehr komplexes Vorhaben“, so Agnes Klein. Es sei eine Vielzahl von Bauvorschriften und bauordnungsrechtlicher Auflagen zu beachten. Zudem müsse das Raumkonzept stimmen. „Es verdient Anerkennung, wenn sich ein Bauherr für den Bau einer derart besonderen Immobilie entscheidet“, macht Agnes Klein dem Verein Mut. Der will im Frühjahr sein Gebäude bezugsfertig haben.