27.08.2016
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Lebensmittel: Muslimisch essen leicht gemacht

Geschäftspartner: Bäckermeister Engelbert Schlechtrimen (l.) mit Nurten und Adem Devecioglu.

Geschäftspartner: Bäckermeister Engelbert Schlechtrimen (l.) mit Nurten und Adem Devecioglu.

Foto:

Roesgen

Ehrenfeld -

Auf den ersten Blick ist es ein normaler Supermarkt. Doch das Sortiment des Lebensmittelgeschäfts Halalkauf wird nach ganz bestimmten Regeln zusammengestellt. In den Regalen und Theken finden Kunden nur Ware, die muslimischen Speisevorschriften entspricht und entsprechend zertifiziert ist.

Inhaber sind Nurten und Adem Devecioglu. Der neue, eigene Laden an der Venloer Straße 350a ist für die türkischstämmigen Geschwister eine Existenzgründung. Der Name ist Programm: „Halal“ ist arabisch und bedeutet „erlaubt“. Geschäftsführer Adem Devecioglu versichert: „Bei uns gibt es ausschließlich halal-zertifizierte Ware.“ Laut der PR-Agentur, die die Geschäftseröffnung kommuniziert, ist es deutschlandweit der erste Laden mit einer solch konsequenten Firmenphilosophie.

Wie in vielen anderen Religionen gibt es nämlich auch im Islam Vorschriften, was bei den Gläubigen aufgetischt werden darf und was nicht. Die sind nicht nur streng, sondern auch sehr weitreichend. Die Liste reicht von der Schlachtmethode über Inhaltsstoffe bis zu Bestandteilen der Verpackung. Für streng gläubige Muslime gestaltete sich der Lebensmittelkauf daher entsprechend schwierig. „Angesichts der Lebensmittelskandale und der zunehmend globalisierten Produktion wächst die Verunsicherung bei muslimischen Verbrauchern“, sagt Anya Schlie, die sich mit ihrer Agentur auf den muslimischen Lebensmittelhandel spezialisiert hat.

Zertifikate, die im Laden aushängen und Prüfsiegel auf den Produktverpackungen sollen den Halalkauf-Kunden helfen, ohne Gewissensbisse einzukaufen. Genau hingeschaut werden muss aber auch hier. „Es gibt keinen einheitlichen Prüfstandard“, erklärt Anya Schlie. Die verschiedenen Institute bewerten nach unterschiedlichen islamischen Glaubensrichtungen – wie etwa schiitisch oder sunnitisch. „Dank der Zertifikate kann der Kunde aber stets entscheiden, ob er den Kauf und den Verzehr eines Produkts mit seinem Gewissen vereinbaren kann“, sagt Anya Schlie.

Backwaren nach islamischen Vorschriften

Bäckermeister Engelbert Schlechtrimen aus Kalk ist Backwaren-Lieferant für Halalkauf. Er hatte einen Imam vom Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog zu Gast in seiner Backstube. Dieser überprüfte die Einhaltung der Halal-Vorschriften für die Produkte, die er nun nach Ehrenfeld liefert. „Diese Vorschriften einzuhalten fiel uns nicht allzu schwer. Schließlich haben wir schon das „Slow Baking-Gütesiegel“, sagt Schlechtrimen. Dabei wird überprüft, ob die Rezepturen, die Herstellungsweise und die Qualität dem traditionellen Bäckerhandwerk entsprechen. Bei der Halal-Zertifizierung wurde auch untersucht, ob – etwa bei den Backpinseln oder Enzymen in Backzutaten – tierische Produkte eingesetzt wurden, die nicht den Vorschriften entsprechen.

www.halalkauf.com

www.schlechtrimen.de