24.07.2016
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Marlon H.: Viele Fragen im Totschlag-Prozess

Mord Ehrenfeld

Der Täter flüchtete, wurde jedoch kurze Zeit später in unmittelbarer Nähe des Tatortes gefasst.

Foto:

Krasniqi

Ehrenfeld -

Ein Messerstich hat den 15-jährigen Marlon im April dieses Jahres das Leben gekostet. Auf einem Wohnwagenplatz in Neuehrenfeld wurde der Sohn einer Schaustellerfamilie von einem anderen Bewohner offenbar im Streit wegen eines Hundes getötet. War es Notwehr oder ein Akt sinnloser Gewalt? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Prozesses gegen Klaus P. (60), der ursprünglich wegen Mordes angeklagt wurde und jetzt wegen Totschlags auf der Anklagebank sitzt.

Das Mordmerkmal der Heimtücke hatten die Richter bereits zum Prozessauftakt vor zwei Wochen verneint. Der Angeklagte schweigt, doch ist der Akte zu entnehmen, dass er sich von der Familie des Opfers angegriffen fühlte.

Schwierige Beweisaufnahme

Die bisherige Beweisaufnahme entwickelt sich nach Ansicht Prozessbeteiligter schwierig. „Jeder sagt etwas anderes, teilweise widersprechen die Zeugen einander“, heißt es im Gerichtssaal. Die Verteidigung sagt sogar: „Der Sachverhalt ist unklarer denn je.“

Immer wieder sagen Augenzeugen etwas ganz anderes aus, als in den polizeilichen Ermittlungsakten steht. Deshalb steht der Verdacht einer Absprache im Raum. Unter Ausschluss des Angeklagten wurde am Donnerstag die 14-jährige Schwester des getöteten Jungen als Zeugin gehört. Ein Psychiater hatte dieses Vorgehen gefordert, um der Schülerin als Augenzeugin der Bluttat „erhebliche seelische und körperliche Beeinträchtigungen“ zu ersparen.

Schwester bestreitet Aussage

Unter Tränen erinnerte Scarlet sich an jenen Abend, da ihr Vater mit Marlon und weiteren Verwandten den Angeklagten dafür zur Rechenschaft ziehen wollte, dass er mehrfach ihren schwangeren Hund getreten habe. Auch die Schilderung der Schülerin brachte Widersprüche zutage. Bei der Polizei hatte sie ausgesagt, Klaus P. habe ihren Vater und erst danach ihren Bruder mit dem Messer bedroht.

Im Prozess sagte sie jetzt nicht nur, es habe keinen Messerangriff auf ihren Vater gegeben, sondern bestritt, am Tatabend überhaupt mit der Polizei gesprochen zu haben. Früher hatte sie zudem gesagt, der Angeklagte habe sich über das Gebell sowohl ihres Yorkshire Terriers als auch ihrer Dogge empört. Im Prozess war nur noch von einem Hund die Rede.

Über den Angeklagten ist bekannt, dass er gesundheitlich angeschlagen ist. Ein Polizist hat ein Schild am Wohnwagen fotografiert, auf dem der 60-Jährige um Rücksicht bat: „Achtung, herzkranker Bewohner. Bitte nicht laut oder aggressiv verhalten.“