28.08.2016
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Veedelsmanagerin: Fantasie kann man lernen

Märchenerzählerin Kathrin Sonza-Reorda leitet das Projekt "Zauberland der Wörter".

Märchenerzählerin Kathrin Sonza-Reorda leitet das Projekt "Zauberland der Wörter".

Foto:

Rösgen

Bocklemünd -

Mit ihren langen rotblonden Haaren sieht Kathrin Sonza-Reorda aus wie eine Fee. Als Märchenfee hat sie ein Dreivierteljahr lang Bocklemünder Schul- und Vorschulkinder bezaubert. Einmal pro Woche durften Mädchen und Jungen aus der katholischen Kindertagesstätte Christi Geburt sowie Erst- und Zweitklässler aus der Gemeinschaftsgrundschule Kunterbunt das „Zauberland der Wörter“ besuchen. Hinter der wohlklingenden Bezeichnung verbirgt sich ein Projekt zur Sprachförderung. Die Kinder lernten durch Erzählen, sich besser auszudrücken. Die „Fee“ Kathrin Sonza-Reorda ist nämlich Märchenerzählerin.

„Ich habe lange gesucht, bis ich sie gefunden hatte, sie entspricht genau meinen Vorstellungen“, sagt Karin Piesch, die Ehrenfelder Veedelsmanagerin. Der Verein ist Träger des Projekts. Piesch, deren Aufgabe es ist, mit Kultur- und Bildungsprojekten den Menschen im Stadtbezirk bessere Zukunftschancen aufzuzeigen, lernte in Aachen und Berlin ähnliche Sprachförderprojekte kennen. Die rund 12 000 Euro, die das Projekt kostete – vor allem, um die „Fee“ zu bezahlen – besorgte Piesch aus öffentlichen Fördermitteln und aus Spenden. Lange dauerte es allerdings, bis sie den nötigen Geldbetrag zusammen hatte.

Wöchentliche Rituale

Die Mühe zahlte sich aus, da sind sich Karin Piesch und Kathrin Sonza Reorda sicher. Auch Christiane Küster-Scholzen, Leiterin der Kindertagesstätte, in der das Projekt durchgeführt wurde, sagt: „Man kann sich nicht mehr vorstellen, wie schwer der Start war, wenn man sieht, wie jetzt die jüngsten Erzählstunden abliefen.“

Lustlos und gelangweilt, desinteressiert und zum Teil auch aggressiv seien die meisten Kinder während der ersten Stunden gewesen. Märchen erzählt zu bekommen, das war etwas völlig Fremdes, Ungewohntes. „Leider wird in vielen Familien kaum noch erzählt oder zumindest vorgelesen“, sagt Kathrin Sonza-Reorda. Anfangs habe sie nur erzählt, dann habe sie begonnen, die Kinder zu animieren, die Geschichten nachzuerzählen oder zu malen. Bei der Abschlusspräsentation zeigten die Kinder sogar den Froschkönig als kleines Spiel.

Der behutsame Aufbau zeigte mit der Zeit Erfolg. Es wurde ruhiger und die Kinder freuten sich auf das wöchentliche Ritual in einem Raum in der Gemeinschaftsgrundschule oder im Mehrzweckraum der Kindertagesstätte. Dazu gehört ein geheimnisvoller Tisch, auf dem eine goldschimmernde Wunschkugel, eine Laterne und eine Schatzkiste stehen, um die Fantasie der Kinder anzuregen.

Fortsetzung unklar

„Fantasie kann man trainieren wie einen Muskel. Aber man muss es erst lernen“, sagt Karin Piesch. Nebenbei wurden aber auch Ausdrucksvermögen und die Konzentrationsfähigkeit geschult. Christiane Küster-Scholzen sagt stolz: „So eine gute Vorschulklasse hat noch nie unsere Kita verlassen.“

Das tröstet sie ein wenig darüber hinweg, dass das Projekt nun beendet ist. „Wir werden aber sicher in den Gruppen weiter vorlesen und erzählen“, sagt Küster-Scholzen. Doch mit einer professionellen Erzählerin, die nicht zum Team gehöre, erreiche man die Kinder auf ganz andere Weise.

Karin Piesch wünscht sich ebenfalls eine Fortsetzung: „Wenn uns jemand 12 000 Euro geben würde, wäre das toll.“ Für sie als Veedelsmanagerin war es das letzte Projekt ihrer Amtszeit. Ihre Stelle wird vom Verein Veedelsmanagement nach zweieinhalb Jahren neu ausgeschrieben.