25.07.2016
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Venloer Straße: Weniger Werbung am Straßenrand

Weil die Straße auch stark von Verkehr geprägt ist, sind bewegliche oder blinkende Werbeanlagen verboten.

Weil die Straße auch stark von Verkehr geprägt ist, sind bewegliche oder blinkende Werbeanlagen verboten.

Foto:

Roesgen

Ehrenfeld -

Einzelhandel, Dienstleistungen, Kultur, Freizeitangebote und natürlich Kneipen und Restaurants prägen seit Jahrzehnten die Venloer Straße. Reklame an den Hausfassaden ist hier zwar eine Selbstverständlichkeit, doch erlaubt ist damit längst nicht alles.

Seit Mitte 2010 regelt eine eigene Werbesatzung der Stadtverwaltung, wie auf der Venloer Straße im Bereich zwischen der Inneren und der Äußeren Kanalstraße Reklame betrieben werden darf. Wer vorsätzlich gegen diese Satzung verstößt, indem er eine Werbeanlage anbringt, ohne zuvor eine Genehmigung einzuholen, riskiert eine Geldbuße bis zu 50 000 Euro.

Zusätzlich zu diesem recht komplizierten Regelwerk, an das sich Hausbesitzer und Mieter von Ladenlokalen halten müssen, gibt es jetzt auch einen Leitfaden. Diese Handreichung hatte die Bezirksvertretung Ehrenfeld gewünscht, damit mehr Klarheit darüber herrscht, was geht - und was nicht.

Wie schon in anderen Quartieren - etwa auf der Neusser Straße in Nippes oder auf den Ringen in der Innenstadt - gaben die aus Sicht der Verwaltung "negativen Entwicklungen" den Anstoß für die Satzung. Eine wachsende Anzahl von Werbeanlagen an Gebäuden und im öffentlichen Straßenland habe dazu geführt, dass die architektonische Gliederung von Gebäuden sowie die städtebauliche Charakteristik der Straße gestört werde. Wörtlich heißt es: "Eine zunehmende Degradierung von Einzelgebäuden zu Werbeträgern führt zu einer schleichenden Entwertung des Straßenzugs." Langfristig, so die Befürchtung, könne dies negative Folgen auf die Qualität der Geschäfte und mögliche Mieteinnahmen haben.

Bestandsschutz für viele Werbeschilder

Schon vor vier Jahren, als die Werbesatzung in der Bezirksvertretung Ehrenfeld erstmals diskutiert wurde, war diese Entwicklung Thema. Höchste Zeit sei es - so der damalige Tenor - allzu aggressiver Werbebeschriftung an den Gebäuden einen Riegel vorzuschieben. Werner Binz, Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Ehrenfeld, kann dem nur zustimmen. "Die Werbesatzung ist bestimmt sinnvoll, allerdings kommt sie 40 Jahre zu spät", sagt der Bäckermeister, dessen eigene Firmenreklame mit dem Wort "Bäckerei" zwar alles andere als aggressiv wirkt, jedoch den heute geltenden Größen-Maßstäben nicht mehr entsprechen würde. Sie genießt aber Bestandsschutz, wie zahlreiche vorhandene Anlagen.

Daher wird das Regelwerk, in dem unter anderem Buchstabengrößen (maximal 75 Zentimeter hoch) und Befestigungsorte vorgeschrieben werden, auch nicht von heute auf morgen das Erscheinungsbild der Straße verändern. Vieles, was im Paragrafenwerk der Werbesatzung noch als "überdimensioniert" bezeichnet wird, weil es beispielsweise die maximal zulässige Fläche von 1,5 Quadratmetern überschreitet, prägt schon seit langem das Straßenbild.

Für neue Werbeanlagen gilt dagegen, dass sie das Ortsbild nicht beeinträchtigen dürfen, etwa indem sie große Teile eines Hauses verdecken. Die Reklame der Geschäfte ist der architektonischen Gestaltung unterzuordnen.

„Akustische Vermüllung“ ist untersagt

Weil auf der Straße viel Verkehr und somit Bewegung herrsche, sind Werbeanlagen, die sich bewegen oder blinken ebenso verboten, wie Projektionen von Werbebotschaften oder Firmenlogos auf den Bürgersteig. Nicht gestattet ist es außerdem, einen Reklameschriftzug mit Lampen anzustrahlen. Leuchtreklamen dürfen nur selbst leuchten oder durch eine hinter dem Schriftzug angebrachte Lampe hervorgehoben werden. Ebenfalls grundsätzlich untersagt ist eine "akustische Vermüllung". Lautsprecheranlagen, die Passanten mit Werbeslogans oder Musik beschallen, darf es daher nicht geben. An öffentlichen Straßen gibt es nur ausgewählte Stellen, wo Werbevitrinen oder beschriftete Fahrradständer zugelassen sind.

Grundsätzlich erlaubt sind großformatige Werbetransparente, die nur vorübergehend angebracht werden. Etwa an Baugerüsten. Weil es sich um zeitlich begrenzte Anlagen handele, so der Satzungstext, "stören sie das Erscheinungsbild eines Gebäudes oder eines Straßenzugs auch nicht dauerhaft".

Bedürfnis nach Eigendarstellung

Werner Binz kritisiert allerdings, dass es keine einheitliche Regelung für die gesamte Stadt gebe. "Dadurch wird es Filialisten unnötig schwer gemacht. Sie müssen ihre Werbeanlagen je nach Stadtviertel immer neu anpassen", sagt Binz. Lothar Buntenbroich, kommissarischer Leiter des Bauaufsichtsamtes, hält dagegen: "Wir haben ja historisch ganz unterschiedlich gewachsene Bereiche in der Stadt. Deswegen ist es sinnvoll, mit jeweils eigenen Satzungen auf die örtlichen Gegebenheiten einzugehen." Buntenbroich zieht den Vergleich zu Bebauungsplänen. Es sei nicht denkbar, einen Plan für die ganze Stadt aufzustellen. Auch bei Bebauungsplänen für Gebäude werde die jeweilige Umgebung mit einbezogen.

Im Satzungstext wird betont, dass die Bedürfnisse von Gewerbetreibenden nach Eigendarstellung gewahrt bleiben. Die klaren Grenzen garantierten Chancengleichheit. Von einer gestalterischen Aufwertung der Straße könnten sowohl Hauseigentümer als auch Gewerbetreibende langfristig profitieren.


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