26.07.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Wertstoff-Center: Endstation für die Spaß-Elektronik

Nicht verwandt: Heinz Esser (l.) mit AWB-Mitarbeiter Dieter Esser vor dem Elektroschrott.

Nicht verwandt: Heinz Esser (l.) mit AWB-Mitarbeiter Dieter Esser vor dem Elektroschrott.

Foto:

Goyert

Ossendorf -

Freitagmittag, am Wertstoff-Center der Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) in Ossendorf herrscht Hochbetrieb. Der Publikumsmagnet ist ein unscheinbarer, zerkratzter Container: Hier kommt der Elektromüll hinein. Vor dem großen Metallkasten steht, in den Kofferraum seines Kombis gebeugt, Heinz Esser. „Der muss weg“, sagt der Kölner und wuchtet einen riesigen Röhrenfernseher aus dem Auto. Defekt? „Nein, nein, der funktioniert sogar noch“, sagt Esser. Doch die alte Kiste hat ausgedient, das Bild ist zu blass, der Stromverbrauch zu hoch. An Weihnachten stand für Esser und seine Frau ein neuer Fernseher unter dem Tannenbaum. „40 Zoll misst der Flachbildschirm, so ein Weihnachtsgeschenk macht Spaß“, sagt Esser, holt aus – und verabschiedet seinen Palladium in die Tiefen des Müllcontainers.

In den Wochen nach Weihnachten findet noch mehr Elektroschrott den Weg zur Butzweilerstraße 50 als ohnehin schon im ganzen Jahr. Bis zu 2200 Fahrzeuge rollen täglich an. In den vollgepackten Kofferräumen tummeln sich Fernseher, Computer, DVD-Player, Drucker, Scanner. Oft sind sie voll funktionstüchtig. Doch darum geht es ihren Besitzern nicht. „Die Leute wollen mit aller Gewalt etwas Neues“, sagt Dieter Esser von der AWB. Er stapelt den Schrott mit System, es wird nämlich eng im Container und bis zum Feierabend vergehen noch einige Stunden – am Morgen war der Behälter noch so gut wie leer.

Elektrobranche erfindet sich ständig neu

Der Markt macht Lust auf Nachschub. Wer im Wohnzimmer auf dem neuesten Stand sein will, muss einkaufen: Ständig erfindet sich die Elektrobranche neu, Modelle übertrumpfen sich gegenseitig, bieten hohe Auflösungen, Internetzugänge, 3-D. Auch AWB-Mann Dieter Esser hat sich vor zwei Monaten einen Flachbildfernseher gegönnt, sein altes Gerät landete neben den anderen auf dem Schrott. „Aber mit der Neuanschaffung habe ich so lange gewartet, bis mein alter Fernseher auch wirklich den Geist aufgab.“

Viele haben dafür nicht mehr die Geduld, berichten Bernd und Gisela Brückmann. Auch sie wollen sich von Altlasten befreien, tragen ein Gerät nach dem anderen über den Parkplatz der AWB. „Wir haben unsere Fernseher lange aufbewahrt, aber die will niemand haben – nicht einmal geschenkt“, sagt Bernd Brückmann. „Die alten Dinger?“, haben Freunde ihn nur gefragt und dankend abgelehnt. „Mir tut es leid, denn die Geräte sind noch brauchbar“, sagt er und hält mit einem Scanner in der Hand inne. Fast unbenutzt sei der, murmelt Brückmann. „Man darf eben nicht darüber nachdenken“, sagt er und reicht seiner Ehefrau als Nächstes einen kleinen schwarzen Kastenfernseher an. Der ist quadratisch, praktisch – nur findet ihn niemand mehr gut.

Unterhaltungselektronik ist kein Luxus mehr: Flachbildfernseher mit Bildschirmdiagonalen von 40 Zoll gibt es ab 200 Euro, vor einigen Jahren waren die Preise vierstellig. Viele greifen zu, bevor die Geräte kaputt sind. „Aber es sieht ja auch viel schicker aus“, erklären Meggi und Hansi Boose. Sie sind die Dritten in wenigen Minuten, die sich ihres schweren TV-Klotzes entledigen wollen. „Der neue kommt an die Wand“, sagt Hansi Boose noch, dann macht er den Container-Parkplatz frei, wendet und braust davon. Die Autos hinter ihm warten schon.