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Etatpläne: Kampf um den Erhalt der Vielfalt

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Von den Kürzungen wäre unter anderem auch das Bürgerhaus Stollwerck betroffen. Foto: Peter Rakoczy
Der Zusammenschluss der Kölner Bürgerzentren „Kölner Elf“ will die geplanten Etatpläne der Verwaltung nicht hinnehmen. Rund 1,1 Million Euro sollen den 13 Bürgerzentren bis 2017 gestrichen werden. Die Einrichtungen gehen in die Offensive.  Von
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Während im einen Raum Schüler betreut werden, üben sich im anderen Frauen im rhythmischen Ausdruckstanz. „Vielfalt“ ist ein Wort, das im Gespräch mit Mitarbeitern der Kölner Bürgerzentren über die sozialen, pädagogischen und kulturellen Angebote mehr als einmal fällt. Doch genau dieses Merkmal sehen die Verantwortlichen akut bedroht. Die Verwaltung beabsichtigt, den 13 Bürgerzentren bis 2017 pro Jahr 1,1 Millionen Euro weniger an Zuschüssen zu zahlen als bislang. Das wäre aus Sicht der Mitarbeiter ein drastischer Einschnitt, den der Zusammenschluss der Kölner Bürgerzentren „Kölner Elf“ nicht ohne Gegenwehr hinnehmen will.

Mit dem Künstler Cornel Wachter wurde nun die „Tour de Bürgerhäuser“ gestartet, um auf die drohende Kürzung der städtischen Zuschüsse aufmerksam zu machen. Die Rundfahrt im Mannschaftsbus des SC Fortuna Köln führte stellvertretend zum Bürgerhaus Stollwerck in der Südstadt, dem Bürgerzentrum Engelshof in Porz-Westhoven, dem Quäker-Nachbarschaftsheim in Ehrenfeld sowie dem Bürgerzentrum Alte Feuerwache im Agnesviertel. Unterstützt wird die Aktion von zahlreichen Prominenten wie Hartmut Priess, Kafi Biermann und Bömmel Lückerath von den Bläck Fööss, Schriftsteller Frank Schätzing, den Kabarettisten Jürgen Becker und Wilfried Schmickler, Sänger Gerd Köster, Schauspieler Ralf Richter sowie Fortuna-Präsident Klaus Ulonska. Sie protestieren gegen eine Kürzung der Zuschüsse und appellieren an die Politik, dem Vorschlag der Verwaltung nicht zuzustimmen.

Drastische Folgen

„Wenn wir wirklich 1,1 Millionen Euro weniger bekommen sollten, rechne ich damit, dass sieben bis acht der Bürgerzentren in Köln schließen müssen“, sagt Klaus Wyschka, Leiter des Bürgerhauses Stollwerck. Die Zentren seien auf die Unterstützung angewiesen, um überleben zu können.

Zudem hätten die steigenden Energie- und Personalkosten die finanzielle Situation ohnehin schon drastisch verschärft. Wyschka: „Wir stehen am Limit.“ Erst vor zwei Jahre habe es für die Bürgerzentren eine Kürzung von 200 000 Euro gegeben. Gerade die für den Stadtteil wichtige Jugendarbeit sei gefährdet.

An der Tour beteiligten sich auch Schauspieler, Musiker, Künstler und Autoren.
An der Tour beteiligten sich auch Schauspieler, Musiker, Künstler und Autoren.
Foto: Peter Rakoczy

Heinz Sieke vom Bürgerzentrum Vingst beklagt, dass deutlich zu wenig bekannt sei, welchen Wert die Bürgerzentren als sozialer Mittelpunkt eines Stadtteils haben: „Wir bieten den Jugendlichen, denen sonst nur die Straße bliebe, eine Struktur und tragen zu einer Befriedung bei.“ Gerade in Vingst gebe es nach Jahren des mühsamen Aufbaus gewachsene Strukturen und ein Vertrauensverhältnis. Sieke: „Das kann man nicht einfach so ersetzen.“

Die Bürgerzentren in Köln
Die Bürgerzentren in Köln

Auch im Bürgerzentrum Engelshof in Porz-Westhoven steht die offene Kinder- und Jugendarbeit im Mittelpunkt. Hinzu kommen unter anderem Künstler, die auf dem Gelände für geringe Gebühren an ihren Werken arbeiten können. „Wir erhalten derzeit einen Zuschuss von 88 000 Euro pro Jahr“, sagt Hermann Menke, Vorsitzender des Trägervereins. Damit handele es sich zwar um das von der Stadt am geringsten bezuschusste Bürgerzentrum, eine Kürzung sei aber dennoch nicht verkraftbar. „Das kann für uns existenzbedrohend werden“, erklärt Menke. Rund 200 000 Euro pro Jahr verdient der Engelshof unter anderem durch die Vermietung für Veranstaltungen, um die Kosten decken zu können. Menke: „Es wäre sehr schwierig, da noch mehr rauszuholen.“

Ohne Zuschuss droht die Schließung

Eine Betreuung für Kinder, die Schulen ohne einen Offenen Ganztag besuchen, bietet das Quäker-Nachbarschaftsheim in Ehrenfeld an. Die Stadt schießt dort jährlich 230 000 Euro zu. „Ohne das Geld könnten wir uns nicht finanzieren“, sagt Geschäftsführerin Marita Dockter. Die 48 festen Mitarbeiter seien bei einer drastischen Kürzung nicht haltbar, wie auch das Angebot der Schülerbetreuung. Was das für ihn bedeuten würde, erklärt der elfjährige Jakob so: „Ich würde nach dem Unterricht direkt nach Hause gehen und dort allein sein, weil meine Mutter tagsüber arbeiten muss.“ Ein vernünftiges Mittagessen würde ihm ebenso fehlen wie eine Hausaufgabenbetreuung.

Im Bürgerzentrum Alte Feuerwache droht bei einer Etatkürzung ebenfalls eine Streichung im Angebot, schildert Vorstand Klaus Stein. „Die Stadt spart am falschen Ende, wenn sie das wirklich macht“, meint Carmela Zito, die selbst schon als Kind das Bürgerzentrum im Agnesviertel besucht hat und mittlerweile ihre eigenen Kinder dort betreuen lässt. „Für mich ist das ein Stück Köln, und es gehört zur Familie“, sagt sie.

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