25.07.2016
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Schock-Werner zur Geißbockheim-Erweiterung: Ex-Dombaumeisterin warnt 1. FC Köln Ausbaupläne durchzuziehen

Die Tribüne des Franz-Kremer-Stadions.

Die Tribüne des Franz-Kremer-Stadions.

Foto:

Rakoczy

Köln -

Preisfrage, liebe Leserinnen und Leser: Was ist das größte Denkmal Kölns? Der Dom, sagen Sie? Also, nein, so einfach würde ich es Ihnen doch nicht machen!

Die richtige Antwort lautet: der Grüngürtel. Er wurde als historische Parkanlage 1980 unter Denkmalschutz gestellt.

In der Tat ist der Grüngürtel etwas ganz Besonderes – und etwas sehr Kölnisches. Er folgt dem Verlauf des äußersten Befestigungsrings der Stadt, der – in preußischer Zeit angelegt – noch bis zum Ersten Weltkrieg militärisch genutzt wurde.

Deswegen verlangte der Versailler Vertrag, die gesamte Anlage zu schleifen und das Gelände als Brache zu belassen. Doch OB Konrad Adenauer erreichte in Verhandlungen mit den englischen Besatzungsbehörden ein doppeltes Zugeständnis: Erstens brauchten einige Teile der Festung nicht niedergelegt zu werden, und zweitens durfte das Areal neu gestaltet werden.

Zusammen mit dem Hamburger Stadtplaner Fritz Schumacher (1869 bis 1947) und dem berühmten Kölner Gartenbaudirektor Friedrich August Encke (1861 bis 1931) hatte Adenauer dann die Idee, entlang dem Halbkreis der ehemaligen Stadtbefestigung eine Grünanlage um Köln zu legen und die verbliebenen Forts des Mauerrings als Sportstätten mit Umkleideräumen zu nutzen. Das Ganze war als Erholungsraum für die Bewohner der Innenstadt gedacht, die dort in drangvoller Enge lebten.

Gärten, Weiher, Wald

Bis heute ist entlang der Militärringstraße, die an den Äußeren Grüngürtel grenzt, das Prinzip der Steigerung erkennbar: grün, grüner, am grünsten. Mit halb privatem, halb städtischen Grün beginnt die Gestaltung des Grüngürtels: Schrebergärten, Friedhöfe, Parkanlagen, dann vereinzelt die Sportstätten.

Als nächstes folgen große Wiesenflächen, durchsetzt mit künstlichen Seen wie dem Decksteiner Weiher, und schließlich bildet der Stadtwald den krönenden Abschluss.

Das war seinerzeit die Grundidee, die auch mit Hilfe der vielen Arbeitslosen in der Nachkriegszeit verwirklicht wurde. Mit dem Aushub für die Seen wurden übrigens Hügelchen angelegt, die die riesigen Freiflächen nicht gar so topfeben erscheinen lassen. Auch ohne kölsche Übertreibung darf man sagen: Ein solches Areal in diesem Erhaltungszustand und in dieser Größe ist ein Alleinstellungsmerkmal.

Nun hatte schon Adenauer – wie erwähnt – in der Gestaltung des Grüngürtels auch an Sportanlagen gedacht. Es sollte, salopp gesagt, Bolzplätze geben, auf denen die Kölner kicken könnten, benutzbar für jedermann. Sie sollten in großen Abständen verteilt sein, dazwischen Wiesen. Seit der Zeit Adenauers haben sich die Bedürfnisse der Sportler gehörig verändert, genau wie die Bedürfnisse der Sportvereine. Im Lauf der Jahrzehnte verschob sich so das Verhältnis zwischen den Flächen für den Breiten- und für den Leistungs- oder Profisport ständig zugunsten der Letzteren.

Mit dem SUV zum Fußballtraining

Und heute nun hat der Verein der Vereine, der 1. FC Köln, ambitionierte Erweiterungspläne: Drei ganze Fußballplätze will er bauen, dazu mehrere Gebäude, teils Leistungszentrum, teils Funktionsbauten wie Umkleidekabinen oder Abstellräume.

Und natürlich Parkplätze, denn die sportbeflissenen jungen Leute kommen heute ja nicht mehr mit dem Fahrrad zum Trainieren, sondern werden von Mama im SUV chauffiert, oder sie haben ihr eigenes Auto.

Für all das ist rund um das Geißbockheim nur im Grüngürtel Platz. Gegen den Zugriff darauf aber erhebt eine Bürgergemeinschaft Einspruch, und die Stadt muss jetzt die jeweils berechtigten, aber leider widerstreitenden Interessen gegeneinander abwägen.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt: Was Schock-Werner zur Lösung des Interessenkonfliktes vorschlägt.

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