26.09.2016
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Fahrradstadt Köln: Pedal schlägt PS

Praktisch und schnell: Räder in der Stadt

Praktisch und schnell: Räder in der Stadt

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stefan worring

Köln -

Ist es der Brückenstau-Frust? Gesteigertes Gesundheits-, Umwelt- und Kostenbewusstsein? Wahrscheinlich führt eine Mischung aus allem dazu: Der Radverkehr in Köln nimmt stetig zu. Wurden vor sechs Jahren erst 12,1 Prozent aller Wege per Pedalkraft zurückgelegt, sind es heute bereits 15 Prozent. Und jährlich kommen drei bis fünf Prozent hinzu.

Damit erreicht die Stadt zwar noch lange nicht die europäischen Spitzenwerte von Pedal-Paradiesen wie Münster (37,6 Prozent), Kopenhagen (35 Prozent) oder Amsterdam (30 Prozent), die über ein sehr viel besseres Radwegenetz verfügen. Doch immerhin liegt Köln vor Düsseldorf (12,5 Prozent), Berlin (13 Prozent) und Hamburg (12 Prozent). Bis 2025 soll der Anteil des Radverkehrs auf 33 Prozent gesteigert werden.

Doch schon heute gibt es stadtweit 25 Straßen, auf denen in Teilbereichen mehr Fahrräder als Autos unterwegs sind. Das ergaben Messungen durch die sechs Dauerzählstellen in der Stadt, die mit im Boden versenkten Kontaktschleifen Räder und Pkw registrieren, sowie punktuelle Handzählungen. Die meisten Achsen befinden sich in der Innenstadt wie am Eigelstein, der kürzlich für Radfahrer neu gestalteten Hohe Pforte und auf der Severinstraße. Zudem sind drei Wälle vertreten (Gereonswall, Kartäuserwall, Eifelwall), die durch den Abbau von zehn Ampelanlagen Mitte der 90er Jahre zur allerersten Veloroute der Stadt ausgebaut wurden. Der Abbau der Ampeln machte die Strecke auch für Autofahrer attraktiv als Alternative zu den Ringen.

Aber auch in Ehrenfeld (Leostraße, Körnerstraße), Sülz (Palanterstraße, Nikolausstraße, Sülzburgstraße, Leybergstraße, Zülpicher Straße), Lindenthal (Rautenstrauchstraße) und Deutz (Deutzer Freiheit) sind Radfahrer teilweise schon in der Mehrheit. Mancherorts kommen bemerkenswerte acht Radfahrer auf einen Autofahrer wie auf Teilen der Maybachstraße. Unter Fettenhennen schlagen die Unmotorisierten die Motorisierten mit 4:1. Drei Räder kommen auf ein Auto am Weidenweg in Poll südlich der Alfred-Schütte-Allee. Annähernd zwei sind es auf der Deutzer Freiheit.

Neue Idee aus den USA

Und die Stadt will gemeinsam mit Düsseldorf ganz neue Wege bei der Förderung des Radverkehrs gehen. Nach Vorbildern aus den USA sollen in einem bundesweit einmaligen Pilotprojekt sogenannte „Shared Bike Lines“ eingerichtet werden, erläutert der städtische Fahrradbeauftragte Jürgen Möllers. Auf Straßen mit zwei Fahrspuren in jeder Richtung könnte die jeweils rechte als „Mischspur“ ausgewiesen werden. Dann könnte beispielsweise auf der linken Spur Tempo 50, auf der rechten Tempo 30 als Höchstgeschwindigkeit gelten. Entsprechende Schilder oder Symbole würden den Radfahrern die Nutzung der gesamten rechten Spur erlauben. Sechs Straßen sind laut Möllers für einen solchen Modellversuch ausgeguckt: Teile der Ringe, Roonstraße, Viktoriastraße, Tel-Aviv-Straße, Kyotostraße und Luxemburger Straße.

„Die Straßenverkehrsordnung lässt eine solche Regelung eigentlich nicht zu“, sagt der Fahrradbeauftragte. Daher wolle man zusammen mit Düsseldorf eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Eine Entscheidung darüber erwartet Möllers 2015. Fällt sie positiv aus, könnten die Strecken 2016 starten.

Die Frage der Mischspuren wird im Zuge des Radverkehrskonzeptes Innenstadt diskutiert, das derzeit unter Beteiligung der Bürger erarbeitet wird. Der Entwurf eines Netzes von Hauptrouten, auf denen der Radverkehr dominiert, und Straßen mit mal besseren, mal schlechteren Bedingungen für Radler liegt vor. Laut Möllers sieht dieses auch vor Lücken im Radwegenetz wie etwa auf den Bächen, der Riehler Straße, der Ulrichgasse oder der Roonstraße zu schließen. Es geht aber auch die Nord-Süd-Fahrt und den Rheinufertunnel und die heikle Frage, ob in den Tunneln eigene Radwege eingerichtet werden. Anregungen zum Radverkehrskonzept nimmt die Stadt bis zum 1. Dezember entgegen.

Infos und Kontakt finden Sie hier.


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