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FC-Blog: Public Viewing auf der Parkbank

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Via iPhone wurde das FC-Spiel geschaut. 
Im fernen Kärnten hat unser FC-Blogger das erste Saisonspiel des 1. FC Köln via Smartphone auf einer Parkbank verfolgt. Sein Fazit fällt gemischt aus, besonders weil ihm die offensive Spielweise von Trainer Peter Stöger begeistert hat.  Von
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Weissensee

Was ich an ersten Spieltagen mag, ist das Wetter. Ich liebe es, wenn die Sonne satt auf dem Rasen steht. Überhaupt ist immer alles sehr ansehnlich zum Saisonstart: Alle sind vom vielen Training in den Bergen fein gebräunt und in der Regel ziemlich austrainiert. Das macht dann schon tüchtig was her. Wenn ich mir im Winter die Hinrunden-Rückblicke ansehe, denke ich immer an die schönen Sommertage des Saisonbeginns zurück.

Ein kleiner Haken am Saisonauftakt ist allerdings, dass man regelmäßig Schwierigkeiten hat, rechtzeitig aus dem Urlaub zurück zu sein. In meinem Fall war es zum Spiel gegen Dynamo Dresden so, dass ich gerade an meinem geliebten Weissensee in Kärnten urlaube, wo sich die Hausgemeinschaft gegen einen Internet-Anschluss für alle entschieden hat, weshalb ich darauf verzichten musste, den Segen meines Bezahlfernsehen-zum-Mitnehmen-Abos auf dem Balkon zu genießen. Glücklicherweise reisen Teile unserer Familie seit den Fünfzigerjahren hierher, deshalb kennen wir uns gut aus im Ort und wissen nicht nur, dass der Bäckereiwagen, der um 14 Uhr das Seeufer abfährt und mit einer Glocke hungrige Kundschaft herbeiruft, den weitaus schlechteren Apfelstrudel bietet, als jener, der gegen 15 Uhr auftaucht. Sondern wir wussten auch, dass es am Weissensee-Haus im Ortskern, wo eine Brücke über den tiefblauen See führt, nicht nur Wanderkarten und allerlei nützliche Informationen zum Urlaubmachen in Kärnten gibt. Sondern auch kostenloses Internet.

Und das war gut. Ich setzte mich also um 15.25 Uhr aufs Rad, sauste zum Weissensee-Haus, wo ich mich auf eine Bank in den Schatten hockte, um auf meinem Telefon 90 Minuten Fußball zu schauen. Das ging übrigens relativ gut, obwohl sich ein paar Wanderer, die sich zur Rast auf einer der Bänke niederließen, ein wenig wunderten, weil ich wohl doch relativ oft relativ laut Luft durch die Zähne einsog und ab und an auch ein paar Flüche ausstieß.

In der Halbzeit radelte ich kurz auf die andere Seite des Sees zurück, um mir ein Eis mit zwei Bällchen zu holen. Gleichzeitig saßen ein paar meiner Freunde im Garten meines Freundes Pimkie und taten so, als wollten sie einen netten Tag mit ihren Familien verbringen. In Wahrheit saßen sie die ganze Zeit fluchend vor dem Fernseher und sprachen einander wechselseitig jegliche Ahnung vom Fußball ab. Allerdings sollen auch Planschbecken für die Kinder zum Einsatz gekommen sein. Ich weiß jedoch sehr wenig über die Vorkommnisse in Pimkies Garten, denn große Teile unserer Whatsapp-Gruppe „Fußball und Weltpolitik“ waren vor Pimkies Fernseher versammelt. Daher war das Nachrichtenaufkommen am Samstagnachmittag vergleichsweise gering, obwohl man sagen muss, dass wir uns bisweilen auch Nachrichten schicken, während wir nebeneinander auf der Couch sitzen.

Tja, das Fazit fiel gemischt aus. Der FC hätte auf jeden Fall gewinnen können, daher ist es ein bisschen doof, dass wir nicht gewonnen haben. Der FC ist relativ spät in Führung gegangen, wir waren über weite Strecken der Partie klar besser. Und obwohl mir klar ist, dass wir mit 17 Auswärts-Unentschieden und 17 Heimsiegen gut aufsteigen werden, haben wir auch in Dresden vor ausverkauftem Haus nichts zu verschenken. Das nur, weil wir erstens in die vergangene Saison mit einem Riesenspiel gegen den späteren Aufsteiger Braunschweig starteten, wofür wir uns an den folgenden Spieltagen nicht allzu viel gekauft haben. Und das andererseits eben auch, weil mein Freund O.K. schon am Sonntagmorgen zu granteln begann, „diese Schönrederei“ müsse „ein Ende haben“.

Was mal wieder typisch ist. Tatsächlich hatten wir uns alle ziemlich zusammengerissen mit unserer Euphorie. Dabei war es so: Wenn Schiedsrichter Stark konsequent pfeift, geht Kirsten mit Rot vom Platz – ferig, aus. Stattdessen kassieren wir ein Gegentor, das aus dem Spiel heraus so nicht fallen durfte. Und dann haben wir diese Riesenaktion mit Halfar am Ende, die mindestens ein Achtzigprozenter war. Es war also ein Sieg drin. Erstens.

Zweitens bleibt festzuhalten, dass Mato Jajalo, dem Pimkie und ich immer die Treue gehalten haben, womöglich vor seinem Durchbruch als Mittelfeldspieler von Weltformat steht. Ujahs Tor wäre wenigstens ohne Jajalo nicht möglich gewesen, und ich glaube ein bisschen, dass Jajalos Auftritt ohne Pimkies und meine gedankliche Unterstützung so vielleicht womöglich nicht unbedingt auf jeden Fall leistbar gewesen wäre. Weil wir uns immer besonders wünschen, dass Jajalo super spielt. Also: Wir wünschen uns, dass jeder FC-Spieler mindestens überragt. Aber bei Mato Jajalo wünschen wir es uns ein wenig intensiver, wenn man das so sagen kann. Aber vielleicht überschätze ich da auch unseren Einfluss.

Über Yannick Gerhardt will ich gar nicht groß nachdenken, denn ich sorge mich ein bisschen, dass er zu existieren aufhören könnte, wenn ich zu viel über ihn nachdenke. Wobei ich da womöglich erneut meinen Einfluss überschätze. Er scheint jedenfalls einfach fantastisch zu sein, großartig und wunderbar. Ich freue mich schon darauf, ihn am Sonntag gegen Düsseldorf aus der Nähe zu sehen. Risse ist fraglos ein Erstligaspieler. Und Golobart ist ein krasses Viech. Riesig, der Mann. Sogar auf einem klitzkleinen Telefon-Display. Halfar und Exslager waren auch mindestens interessant, aber was will man sagen nach einem ersten Spieltag in Dresden. Denn das kommt ja dazu: Vergangene Saison wusste keiner, wie gut Braunschweig war. Und am Samstagabend war ich mir sehr sicher, dass Dresden eine ziemlich gute Mannschaft beisammenhat, die bis zum Ende der Transferphase noch den einen oder anderen Spieler verlieren könnte. Und in der oberen Tabellenhälfte mitspielen wird, falls nicht.

Unser neuer Trainer will offensiv spielen lassen, das hat man gesehen und das hat mir gefallen. Zumal es ja ein Auswärtsspiel vor ausverkauftem Haus in Dresden war. Die Chancen stehen also gut, dass wir Düsseldorf daheim komplett überrennen, was mir selbstverständlich gut in den Kram passte.

Ich werde jedenfalls nun meinen geliebten Weissensee verlassen. Vielleicht schaffen wir es ja im Winter noch einmal für ein paar verschneite Tage, obwohl ich gerade noch einmal für mich beschlossen habe, dass es hier im krachheißen Sommer am schönsten ist, weil es mehr Möglichkeiten gibt. Aber ich will hier jetzt keine Ansichtskarte schreiben. Obwohl der See im Winter wunderschön zufriert und man Schlittschuh fahren kann und es natürlich auch ein kleines Skigebiet gibt. Man kann dann mit den ganzen Weihnachtsplätzchen sehr schön abends im Dachgeschoss auf der Couch sitzen. Und sich noch einmal die Hinrunden-Rückblicke anschauen – mit all dem Sonnenschein am ersten Spieltag.

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