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Frommes Festival: Großer Gottesdienst zum Schluss

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Mit einem feierlichen Gottesdienst und viel Applaus ist an diesem Sonntag der Eucharistische Kongress in Köln zu Ende gegangen. Foto: Max Grönert
Mit einem feierlichen Gottesdienst ist am Sonntag in Köln der Eucharistische Kongress der katholischen Kirche in Deutschland zu Ende gegangen. An dem Pontifikalamt im RheinEnergieStadion nahmen mehrere Tausend Gläubige teil.  Von
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Zwei Stunden lang ist an diesem frühsommerlichen Samstagvormittag die für Traditionalisten seit dem Konzil aus den Fugen geratene katholische Welt wieder in Ordnung. Das Pontifikalamt „in der außerordentlichen Form des römischen Ritus“ ist eine Verbeugung vor den extrem Konservativen vom rechten Rand, denen Benedikt XVI. ohne Gegenleistung die Hand zur Versöhnung gereicht hat. Vielleicht zweihundert fromme Abtrünnige sind nach St. Kunibert geströmt. „Wir sind ja keine Sekte, die in die Katakomben gehört“, sagt ein Arzt aus Neuss.

Es ist die selbstbewusste Heerschau eines Katholizismus einer vergangenen Zeit. Chormäntel, Spitzenrochetts und ärmellose Messgewänder verleihen dem liturgischen Gepränge etwas Museales. Frauen, die ihr Gesicht wie Spanierinnen bei der Papst-Audienz auf dem Petersplatz hinter Schleiern verhüllen, knien beim Ein- und Auszug des Klerus, angeführt vom früheren Kölner Weihbischof Klaus Dick, demonstrativ nieder. Alles was im Zuge der liturgischen Reformen vor 50 Jahren abgeschafft oder verändert wurde, wird geradezu genussvoll gefeiert – etwa die alte „Opferung“ statt der vermeintlich „protestantischen“ Gabenbereitung – alles natürlich auf Latein. Hinter alldem aber steht mehr: Man stemmt sich dem „Zeitgeist“ entgegen.

Am Sonntag ist das viertägige fromme Festival mit einem Gottesdienst im Rhein-Energie-Stadion zu Ende gegangen, zu dem 20 000 Menschen gekommen waren. Immer wieder konnte man in den vergangenen Tagen erleben, dass Katholizismus auch in seiner eher konservativen Ausprägung viele Spielarten kennt. Gregorianik und Gospel, Taizé-Gesänge und Sakropop. Theologisch war die von den Veranstaltern gerühmte Bandbreite allerdings sehr viel kleiner als bei der Musik und bei den unterschiedlichen Ausdrucksformen des Glaubens.

Es ist nur ein Katzensprung von St. Kunibert zur Minoritenkirche, aber zwischen der strengen Liturgie der katholischen Ultras und der lockeren Art, wie die „neuen geistlichen Gemeinschaften“ sich präsentieren, liegen Welten. Bei ihnen spielt das persönliche Bekenntnis eine entscheidende Rolle. Da gibt es durchaus Anklänge an die Zeltmission der 50er und 60er Jahre. Drinnen in der „Grabeskirche des Gesellenvaters“ Kolping berichtet ein Laienprediger frei von der Leber von Bekehrungs-Erfahrungen und animiert die Besucher in den gut gefüllten Bänken zu persönlichen Zeugnissen. „Traust du dem lebendigen Gott was zu?“ ruft der Mann im T-Shirt der Gruppierung „Totus Tuus“ den Leuten zu. „Was hat sich bei dir verändert seit deiner letzten Kommunion? Haben deine Freunde gesehen, dass du innerlich gestrahlt hast, weil du den Herrn empfangen hast?“

Zweieinhalbtausend bei der Nacht des Lichtes

Kaum einer der Zuhörer, die sich beim „Jugendfestival“ im viel zu kleinen Saal von St. Maria im Kapitol drängen, ist jünger als Anfang 20, als es um Schwierigkiten mit dem „Geheimnis des Altarsakraments“ geht. Praktiker gestehen offen, dass nicht bloß religiös entfremdeten Jugendlichen manches in der Messe wie „Magie und Hokuspokus“ erscheine. Der Bonner Dogmatik-Professor Karl-Heinz Menke bekennt, als Junge habe er bei der „Eucharistischen Anbetung“ ständig auf die Uhr geschaut, die ausgerechnet zu Karneval angesetzt worden sei - „zur Sühne.“ „Man kann da reinwachsen, glauben Sie es mir.“ Es bedürfe der „Einübung und Gewöhnung“, sekundierte der Essener Bischof Franz Josef Overbeck. Liebespaare verstünden sich ja auch nicht immer gleich auf Anhieb gut.

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Vier Stunden später im Rheinpark. Zweieinhalbtausend Teilnehmer haben sich zur „Nacht des Lichtes“ versammelt. „Die Finsternis ist nicht finster vor dir, die Nacht wie der Tag“, betet der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki. Der Tanzbrunnen ist in changierende leuchtende Farben getaucht. „Christus ist das Licht, das nie verlöscht“, ruft Woelki aus. Und als die Kerzen der Besucher entzündet sind, wendet der frühere Kölner Weihbischof sich direkt an die Menge: „Ihr seid die eigentlichen Kölner Lichter, wenn ihr in die Welt hinausstrahlt.“

Der Himmel über Köln ist jetzt fast schwarz. Auf der Bühne wird die Geschichte eines amerikanischen Todeskandidaten erzählt, der sich als Henkersmahlzeit statt eines saftigen Steaks die „unscheinbare Hostie“ gewünscht habe. „Spendet die Kommunion in der Todeszelle Trost oder ist sie bloß Vertröstung?“ fragt der Mann am Mikrofon ins stille weite Rund. Am Ende erlebt das Festival einen seiner emotional stärksten Momente.

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