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Gamescom: Moderner Gangster mit Smartphone

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Nur mit großen auffälligen Ständen können Zuschauer angelockt werden. Foto: Max Grönert
Die Spielemesse beeindruckt mit neuen Spielen und immer aufwendigeren Ständen. Warteschlangen wirken indes bei den Spielern als auch bei den Ausstellern als Qualitätssiegel für die wirtschaftliche Zukunft.  Von 
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Freie Hotelbetten sind in Köln quasi nicht mehr zu finden, die Computerfachwelt ist in der Stadt. Und ab sofort stürmen auch die Spielebegeisterten in die Messehallen. Unsere Reporter waren schon da.

Die Warteschlange

Eine khakifarbene Jacke, ein bis unter die Augen gezogenes Halstuch, dazu in der rechten Hand eine Pistole, in der linken ein Smartphone – so stellt sich das französische Spieleunternehmen Ubisoft den Internetgangster der Zukunft vor. Mit seinem Mobiltelefon gelingt es ihm spielend, seine Umwelt zu manipulieren, Daten auszuspionieren oder Kameras anzuzapfen. Sein Double sah man am Mittwoch eifrig für Fotos auf der Spielemesse Gamescom posen. Entworfen wurde Aiden Pearce für das Spiel „Watch Dogs“. Wüsste man nicht um die lange Entwicklungszeit moderner Computerspiele, man könnte meinen, der Titel sei ein direkter Kommentar des Unternehmens zum Datenskandal rund um die US-Spähprogramme.

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Die Marktführer

Die mit bahnbrechenden Grafikmöglichkeiten und interaktiven Zusatzfunktionen beworbenen neuen Konsolen von Microsoft (Xbox One) und Sony (Playstation 4) haben die Anziehungskraft von Europas größter Spielemesse noch einmal enorm gesteigert.

Beide Firmen belohnen das Interesse anders als noch in den Vorjahren mit handfesten Neuigkeiten, die exklusiv in Köln enthüllt werden. Sony präsentierte auf der eigenen Pressekonferenz im Staatenhaus der Weltöffentlichkeit 15 neue Spielprojekte, Microsoft enthüllte Details zum Entwicklerkit der Xbox One für kleine Studios und Hobbyprogrammierer. Auf der Messe selbst sind sie allerdings noch recht spärlich anzutreffen. Viele Anbieter wie Electronic Arts setzten nur herkömmliche PCs ein.

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Die Glamourösen
Dass es der neuen, voraussichtlich zwischen 399 Euro und 499 Euro teuren Gerätschaften noch nicht zwingend bedarf, um bestens unterhalten zu werden, belegt eine der letzten exklusiven Produktionen für die bereits sieben Jahre alte Playstation 3. Zur Realisierung von „Beyond: Two Souls“ verpflichtete Quantic Dream – ebenfalls ein Studio aus dem diesjährigen Partnerland Frankreich – mehrere Hollywoodstars wie Ellen Page und Willem Dafoe. Dank der Technik des Motion Capturing (Digitale Bewegungserfassung) verhelfen sie dem Medium mit der traurig-düsteren Geschichte um eine junge Frau, die übernatürliche Kräfte besitzt, zu einem erzählerischen Höhepunkt.

Die Gamescom – Spielen in der Halle, feiern auf dem Ring

Die größte Messe für Computer- und Videospiele findet noch bis 25. August statt. Mehr als 600 Aussteller und mehr als 275 000 Besucher werden insgesamt erwartet. Ab heute sind die Hallen für alle Spieler geöffnet. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass man mit langen Wartezeiten rechnen muss.

Bereits ausverkauft sind die Karten für den Samstag. Hier werden an der Tageskasse nur noch Karten für den Eintritt ab 14 Uhr verkauft – allerdings ist hierbei mit Wartezeiten vor den Eingängen zu rechnen. Karten an der Tageskasse kosten Donnerstag und Freitag 14 Euro (ermäßigt 9 Euro), Sonntag 17 Euro (14 Euro). Das Familienticket (nur Sonntag) für zwei Erwachsene und maximal drei Kinder bis 17 Jahren kostet 22 Euro.

Geöffnet ist die Messe Donnerstag und Freitag von 10 bis 20 Uhr, Samstag von 9 bis 20 Uhr und Sonntag von 9 bis 18 Uhr.

In der Innenstadt findet parallel das Gamescom-Festival statt. Der Eintritt ist frei. Auf der Hauptbühne auf dem Ring treten viele bekannte Künstler und Musikgruppen auf, unter anderem Tocotronic und Kasalla. Auch auf dem Rudolfplatz und am Neumarkt gibt es Unterhaltungsprogramm.
www.ksta.de/gamescom
www.gamescom.de

Die Gigantischen
Höhepunkte, wenn auch anderer Art, setzte die Arena von Electronic Arts, die mit ihren acht Meter hohen Aufbauten und riesigen Roboterstatuen fast wie eine eigene kleine Stadt wirkt. Auch der Ego-Shooter „Call of Duty: Ghosts“ in Halle 8 protzt mit einem Kino so groß wie der halbe Cinedom. Wer beim Weihnachtsgeschäft verdienen will, muss auffallen – um jeden Preis. Neben den Absperrgittern kauert ein verschwitzter Mann mittleren Alters. Der allgegenwärtige Rummel und das lange Stehen in den Schlangen fordern ihren Tribut – und das bereits in den Mittagsstunden. Hier zeigt sich die Kehrseite, die mit dem Erfolg und dem steten Wachstum der Messe einhergeht. In ihrem fünften Jahr ist die Gamescom vor allem auch ein Ereignis geworden, das all jene überfordert, die mit einem zu ambitionierten Wunschzettel durch die Gänge spurten. Dabei bleiben viele Wünsche unerfüllt: Gespräche mit Entwicklern und Designern waren am Mittwoch kaum möglich. Und auch die riesigen Werbe-Tüten, die eigentlich mit Shirts, Spielen und Postern gefüllt werden sollen, waren zum Großteil leer.

Die Verlierer
Warteschlangen wirken indes bei den Spielern als auch bei den Ausstellern als Qualitätssiegel. Bleiben sie plötzlich aus, verheißt dies für die wirtschaftliche Zukunft meist nichts Gutes. Das muss vor allem Nintendo bei seinem Gamescom-Comeback in Halle 9 bitter zur Kenntnis nehmen: Die Stände zum neuen „Legend of Zelda“-Teil, „Super Mario Kart 8“ und „Donkey Kong: Tropical Freeze“ locken nur wenige Besucher vor die WiiU. Was sich spätestens an den Hauptbesuchertagen, Donnerstag und Samstag, als Segen für Familien erweisen wird, könnte auch als klares Desinteresse der Kunden interpretiert werden.

Gamescom 2013 gestartet

Erst ab 18
Ein Soldaten-Trupp, die Gewehre geschultert, macht Werbung für „Warface“, in den Hallen warten Helikopter und Panzer auf die Besucher – der Kampf ist omnipräsent auf der Gamescom. Ein rotes Schild mit dem Hinweis „ab 18“ verwehrt Minderjährigen den Eintritt zu vielen Testspielen. Martialische Neuerscheinungen wie „Battlefield 4“ oder „Call of Duty: Ghosts“ sorgen dennoch – oder gerade wegen der aus guten Gründen erhobenen Altersbeschränkung – für Andrang. Der 26-jährige Harald Mayrhofer liebt den Wettkampf: „Es geht ums Duellieren, darum, wer der Beste ist.“ Kein großer Unterschied zu einem Rennspiel, findet er. „Nur, dass es hier um Präzision geht.“ Die geschätzt zwei Stunden Wartezeit bis zum Battlefield-Test nimmt der Schweizer mit seinen Freunden ganz gelassen – sie haben vorgesorgt und Klappstühle mitgebracht.

AUTOR
Martin Boldt
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