Die Überraschung dürfte gelungen sein: Am Freitagmorgen klingelte Scala-Regisseur Walter "Wally" Bockmayer an der Tür von Gigi Herr und hielt ihr einen Strauß mit "70 von mir handverlesenen roten Rosen" entgegen. Denn am 28. Dezember wird die Schauspielerin 70. Jahre alt. Bockmayer sang auch ein Ständchen und schenkte ihr "eine Magnumflasche Grappa - den trinkt sie so gern", wie der Regisseur weiß, in dessen aktuellem Stück "Puddelrüh durch die Prärie" Herr als Indianer-Mutti Anneliese Kolvenbach mit derben Sprüchen durchs Scala-Theaters wirbelt. Bockmayer arbeitet seit fast 20 Jahren mit Herr zusammen.
An ihrem Ehrentag wird Gigi Herr auf der Bühne ausnahmsweise von ihrer Zweitbesetzung Sophie Russel vertreten. Erst am Sonntag wird sie wieder spielen. An Zweitbesetzungen war zu Beginn von Herrs Karriere natürlich nicht zu denken. Mit unschuldigen vier Jahren trat sie erstmals auf; damals spielte sie im Millowitsch-Theater ein kleines Heinzelmännchen an der Seite von Trude Herr. Mit ihrer berühmten Tante machte Gigi auch die weiteren Schritte in der Schauspielerei. Später hatte sie Gastrollen in verschiedenen TV-Produktionen, war im Kölner Karneval zu sehen, tourte mit einem Solo-Programm durchs Land. "Und dann trat vor knapp 20 Jahren Wally Bockmayer in mein Leben", sagt Herr. In Bockmayers Theaterstücken feierte sie große Erfolge. Die provokanten, anzüglichen, derben, klamaukigen Inszenierungen sind passgenau für die laute, schrille Herr. "Sie ist eine Irre: Sobald der Vorhang aufgeht, ist sie nicht mehr zu halten. Sie ist ein Ausnahmetalent", huldigt Bockmayer, der ihr zum Geburtstag wünscht, "dass sie noch 70 Jahre draufpackt". Im nächsten Stück, das ab September 2013 aufgeführt werde, dessen Inhalt aber noch nicht feststehe, werde Herr wieder einen Platz bekommen. "Wenn der Wally sich benimmt, bleibe ich auch bei ihm", sagt die Schauspielerin kokett.
Den 70. wird Herr am Freitag in kleinem Rahmen mit ihrem Lebensgefährten feiern. "Und ich kaufe eine Leberwurst, falls einer spontan vorbeikommt. Mehr nicht", erzählt die Jubilarin ungewohnt zurückhaltend. Mindestens Bockmayer wird also ein Stückchen von Herrs Geburtstagswurst abbekommen. Ihr vor wenigen Jahren entdecktes Faible für Tätowierungen werde sich nicht weiter verfolgen, sagt Herr. Tattoos auf Knöchel und beiden Armen seien genug. Dafür werde sie und ihr Partner im Frühjahr wieder mit dem eigenen Wohnmobil nach Griechenland in den Urlaub fahren - mit einem Bötchen und zwei Motorrädern im Gepäck.



