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Gericht: Teure Sehnsucht nach einer Frau

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Vor dem Kölner Amtsgericht ist ein teurer Streit über einen Brillen-Rabatt ohne Urteil ausgegangen. (Symbolbild) Foto: Archiv
Mit einem Freispruch ist ein Verfahren gegen ein Heiratsinstitut zu Ende gegangen, dem ein 79-jähriger Rentner Betrug vorgeworfen hatte. Das Institut hatte von dem heiratswilligen Mann eine hohe Vermittlungsgebühr verlangt.  Von
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Heinrich S. (Name geändert) ist noch rüstig für sein Alter und wirkt deutlich jünger als 79.

Der Ex-Berufssoldat ist seit Jahren Witwer und wollte nicht länger allein bleiben. Der Wunsch nach einer Frau führte ihn schließlich zu einem Heiratsinstitut, dem jetzt vorgeworfen wurde, ihn „über den Tisch gezogen“ zu haben – zwei Mitarbeiter der Agentur saßen wegen versuchten Betruges auf der Anklagebank des Amtsgerichts.

9520 Euro für eine Vermittlung

Der Senior war nicht stutzig geworden, als schon einen Tag nach seinem Telefonanruf in der Agentur ein gut situiert wirkender Mann in Anzug und Krawatte vor seiner Tür stand – mit einem Vertrag in der Hand. „Er machte einen vornehmen, gediegenen Eindruck“, erinnerte sich der Senior an jenen Angeklagten, der den Beruf eines Betriebsschlossers erlernt hat und bei der Agentur als „freiberuflicher Finanzberater“ tätig ist.

War am Telefon noch von 150 Euro einmaliger Verwaltungsgebühr die Rede, so tauchte im persönlichen Gespräch auf einmal diese Zahl als monatliche Rate auf. Dennoch war der Rentner nach kurzem Nachdenken gewillt, diesen Betrag „bis an mein Lebensende“ zu zahlen – in der Hoffnung, „vielleicht schon nach vier, fünf Monaten eine Frau im Haus zu haben“, erklärte er vor dem Richtertisch und fügte hinzu: „Dann hätten sich die Zahlungen doch ohnehin erledigt.“

Das Kleingedruckte nicht gelesen

Doch er hatte offenbar das Kleingedruckte nicht gelesen. 9520 Euro waren nämlich als „einmalig fällige Gebühr für eine Vermittlung“ angegeben. Bei Vertragsabschluss habe der Mitarbeiter diese Zahl „mit dem Finger abgedeckt“, behauptete der Senior. Er hatte unterschrieben, und bereits am nächsten Tag habe der zweite Angeklagte vor ihm gestanden und ihm deutlich gemacht: „Das Geld muss gezahlt werden, in bar, als Überweisung oder auch in Raten.“

Daraufhin war der Renter gemeinsam mit dem Agentur-Mitarbeiter zu seiner Bank gegangen. Er habe seinen Dispositionskredit in fünfstelliger Höhe durchaus dafür ausschöpfen wollen, erklärte er der Richterin. Eine Mitarbeiterin der Sparkasse war angesichts des hohen Betrages allerdings stutzig geworden und hatte die Polizei alarmiert.

Und die klärte den Senior auf: Ermittlungen im zuständigen Kommissariat hätten ergeben, dass gegen die Partneragentur bereits mehrere Verfahren wegen des Verdachts auf Betrug anhängig waren.

An Seriosität des Unternehmens geglaubt

Daraufhin kündigte der Rentner den Vertrag und zeigte die Agentur an. Allerdings konnte er im Prozess nicht überzeugend darlegen, dass er über die Höhe des zu zahlenden Betrags tatsächlich nicht aufgeklärt worden sei. Immerhin hatte er gegenüber dem Polizisten erklärt, er sei durchaus gewillt gewesen, das Geld zu zahlen. „Er glaubte an die Seriosität des Unternehmens“, erinnerte sich der Polizist, der dem Rentner von seinem Vorhaben abgeraten hatte.

Bei dieser Beweislage stand für das Gericht wie für die Anklagevertretung fest: Eine Täuschungshandlung kann nicht „zweifelsfrei“ nachgewiesen werden. Es stehe Aussage gegen Aussage, hieß es einstimmig. Einig waren sich beide Seiten auch über die Konsequenz: „Da kommt nur Freispruch in Frage.“

Dennoch konnte sich die Richterin im Urteil den Hinweis nicht verkneifen, dass „hier einiges zum Himmel stinkt. Ein makelloses Geschäftsgebaren war das jedenfalls nicht“.

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