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Grippewelle: Köln hustet und schnieft

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Ansteckungsgefahr in der U-Bahn: Wo viele Menschen zusammenkommen, steigt die Infektionsgefahr. Foto: michael bause
Mediziner sprechen zwar von einer „ganz normalen Grippewelle“, doch in diesem Jahr sind besonders viele Kölner betroffen. Die Personaldecke bei Polizei, Feuerwehr, Stadt und Kölner Unternehmen wird dünn, die Arztpraxen sind voll.
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„Das ist eine ganz normale Grippe mit der einzigen Besonderheit, dass es diesmal besonders viele erwischt hat“, sagt Dr. Hermann Rummel-Scheschonk, Allgemeinmediziner aus Lindenthal. „Man fühlt sich schlapp, ist erschöpft, muss husten und niesen.“ Die letzte derartige Welle habe es vor vier Jahren gegeben. „Die Praxis ist voll, aber in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle kann ich Entwarnung geben und brauche auch keine Antibiotika zu verschreiben.“ Die klassischen Hausmittel seien völlig ausreichend, man solle sich Ruhe gönnen und die Grippe einfach auskurieren. „Nach acht bis zehn Tagen klingt sie wieder ab.“ Für Grippe-Impfungen sei es jetzt zu spät, sie würden aber auch nicht in allen Fällen helfen. Er selbst sei bisher verschont geblieben, „aber wir hätten um ein Haar einige Vorstellungen des Karnevals-Divertissementchens im Opernzelt absagen müssen. Der halbe Chor war krank. Der Hauptdarsteller auch.“

Das hätte sich noch verschmerzen lassen, aber bei 400 erkrankten Polizisten wird die Personaldecke dünn, das ist fast jeder zwölfte Beamte – „mehr als sonst“, sagt ein Behördensprecher. Bei der Feuerwehr gingen 94 Krankmeldungen ein. Neun Prozent aller Mitarbeiter fielen aus. Zum Vergleich: Über das gesamte Jahr verteilt, sind sieben Prozent krank. Mögliche Engpässe seien durch Kollegen ausgeglichen worden, die in Rufbereitschaft standen oder die freihatten und freiwillig eingesprungen sind, berichtet Feuerwehrsprecher Jens Müller. Wie viele Mitarbeiter bei der Stadt insgesamt an Grippe erkrankt sind, kann Stadtsprecherin Inge Schürmann nicht sagen, „aber es gibt so gut wie keine Dienststelle, die nicht betroffen ist“. Lange lasse sich der volle Service für die Bürger mit der reduzierten Belegschaft nicht aufrechterhalten.

Kein Gezanke um Spielgeräte

Auch Schulen und Kindergärten bleiben nicht verschont. In der Kindertagesstätte Saalestraße in Chorweiler brauchen sich die Kinder derzeit nicht um die Spielgeräte zanken. 27 von 57 liegen zu Hause flach, drei von zwölf Erziehern hat es ebenfalls erwischt. Am Ossendorfer Weg ebbt die Grippewelle hingegen schon wieder ab. Vor Karneval fehlte ein Drittel der Kinder, „aktuell sind es von 73 noch 20“, sagt Leiter Uwe Strauß. „Vor allem die Kleinen hatten lange mit Fieber zu kämpfen.“ Die einzig gute Nachricht für Köln: Weil das Personal sich als sehr flexibel erweist, musste noch keine Einrichtung geschlossen werden.

Das gilt auch für die Schulen. Karsten Möring, Direktor des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums in Porz, muss ziemlich jonglieren, um bei einem Krankenstand von 20 Prozent bei den Lehrern den Ganztagsbetrieb aufrechtzuerhalten. Was deshalb recht gut klappt, weil auch ein Großteil der Schüler fehlt. „So viele Erkrankungen innerhalb kürzester Zeit habe ich noch nicht erlebt.“ Immerhin: Die erkrankten Lehrer schicken Aufgaben für die Vertretungsstunden per E-Mail. In den Klassen 5 bis 7 gelingt es bisher, den Ganztagsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Niedrige Krankenzahlen in Nippes

Nahezu grippefrei ist die Gemeinschaftsgrundschule Steinbergerstraße in Nippes. Am Freitag fehlten von 489 Schülern nur 17 Kinder. Auch die Lehrer sind alle putzmunter. „Niedrige Krankenzahlen“, sagt die Schulleiterin gut gelaunt, „sind bei uns normal.“ Ob das am Schulobstprogramm NRW der Europäischen Union liegt, an dem die Schule seit zwei Jahren teilnimmt? So weit will Marie-Theres Flock nicht gehen, aber sie ist davon überzeugt, dass „ein freier Zugang zu frischem Obst und Rohkost“ zur Gesundheit beiträgt.

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Die Angestellten der Kölner Messe scheinen der Virenwelle weitgehend zu trotzen. „In den ersten Februarwochen waren sogar weniger krank als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum“, sagt Pressesprecher Guido Gudat. Die Rhein-Energie hat zwar auch Grippefälle zu verzeichnen, allerdings liege die Zahl nicht höher als in den Vorjahren, sagte ein Sprecher. Gleiches gilt für den Versicherer Axa und die Handelsgruppe Rewe. (adm, cos, kat, pb, ts)

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