Die Deutsche Bahn bezeichnet Eva Kreienkamp am liebsten als „großen Mitbewerber“. Zwar ist die Chefin des Hamburg-Köln-Express (HKX) weit davon entfernt, diesen das Fürchten zu lehren. Doch ein wenig ärgern will sie ihn schon. Ab Montag will das kleine Eisenbahnunternehmen HKX mit überschaubaren 40 Mitarbeitern von der Geschäftsführerin bis zum Zugbegleiter unter Beweis stellen, was in Deutschland bisher noch niemandem gelungen ist: der DB im Fernverkehr Konkurrenz zu machen.
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Dass die Wahl auf die Verbindung zwischen Hamburg und Köln fiel, ist das Ergebnis intensiver Marktanalysen. „Zwei große Wirtschaftsräume, zwei touristische Zentren, in denen viele Menschen leben“, sagt die HKX-Chefin. Das gelte selbstverständlich auch für das Rhein-Main-Gebiet oder den Großraum Berlin, dort sei der „große Mitbewerber“ wegen der Schnellstrecken aber klar im Vorteil. „Unsere Züge können maximal 160 fahren. Zwischen Köln und Hamburg ist die DB auch nicht schneller unterwegs.“ Ein wenig schon, doch weil der HKX statt über Dortmund und Bremen über Wanne-Eickel und Gelsenkirchen Richtung Norden fährt, ist die Fahrzeit gleich. Gut vier Stunden braucht der HKX für die rund 450 Kilometer von Köln bis Hamburg-Altona.
So sieht er aus - der Hamburg-Köln Express.
Foto: dpaZwischen 20 und 60 Euro wird die Fahrt mit HKX kosten. DB-Kunden, die im Besitz einer Bahncard sind, erreichen zwar auch für 41,50 Euro das Ziel, aber das ist für die HKX-Chefin kein Problem. „Wir haben eine Zielgruppe im Blick, die eher selten mit der Bahn fährt, zeitlich flexibel ist und auf den Preis achtet.“ Als eine Art Ryanair auf Schienen will sie den Zug dennoch nicht verstanden wissen. „Bei uns kann man das Gepäck umsonst mitnehmen.“
Der Hamburg-Köln-Express (HKX) entstand im Oktober 2009 als Joint Venture zwischen dem deutschen Ableger der Railroad Development Corporation (RDC), der als Hauptgesellschafter fungiert, der Locomore Rail GmbH&Co. KG und dem britisch-kanadischen Eisenbahninvestor Michael Schabas.
Knapp drei Jahre sind vergangen, seit der HKX gegründet wurde. Hauptinvestor ist die Railroad Development Corporation (RDC) aus dem amerikanischen Pittsburgh, die dort eine profitable Güterbahn betreibt. Bislang hat RDC rund 16 Millionen Euro in das Projekt investiert und allen Schwierigkeiten getrotzt, die mit dem HKX bisher verbunden waren. Erst gab es Probleme bei der Zulassung der Züge durch das Eisenbahn-Bundesamt, dann musste das neue Unternehmen eine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur gegen die DB-Tochter Station & Service einlegen, weil deren neues Preissystem für die Nutzung der Stationen eine Steigerung von 135 Prozent auf 500 000 Euro jährlich bedeutet hätte. Jetzt dürfen die Stationspreise auch für den HKX wie für die DB nur um 18 Prozent steigen.
Die 18 Waggons für drei Züge, die das Unternehmen aus alten Beständen der Österreichischen Bundesbahnen gekauft hatte und die in einem polnischen Schienenfahrzeugwerk auf den technisch neuesten Stand gebracht werden sollten, sind auch nicht rechtzeitig fertig geworden. Die Zusammenarbeit wurde beendet, jetzt haben die Juristen das Wort. Das kleine Bahnunternehmen sucht gerade einen neuen Dienstleister, um bis zum Frühjahr 2013 die eigenen Züge flott zu kriegen. Um den Start, der schon für August 2010 geplant war, nicht noch einmal zu verschieben, „werden wir zunächst mit gemieteten Zügen fahren“, so Kreienkamp. Dabei hat der HKX Fahrzeuge an Land gezogen, bei denen Eisenbahnfreunde aufhorchen werden.
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Der Hauptzug besteht aus fünf alten Erster-Klasse-Wagen des Rheingold aus den 1970er Jahren. „Wir haben sie bei der Vogtland-Bahn gemietet. Dort wurden sie als Reserve vorgehalten.“ Um an den Wochenenden, zwischen Freitag und Sonntag, drei Verbindungen täglich anbieten zu können, kommen zusätzlich Regionalbahn-Wagen der Veolia-Tochter Nord-Ostsee-Bahn zum Einsatz. Die seien zwar weniger komfortabel, „aber dafür können Reisende ihre Räder mitnehmen“.
Der Erfolg des HKX wird im wesentlich davon abhängen, wie lange die Investoren durchhalten. Im ersten Jahr rechnet man mit einem Umsatz von zwei bis drei Millionen Euro. Ursprünglich sei das Dreifache geplant gewesen, doch durch den verspäteten Start sei das nicht mehr realistisch. „Gewinne werden wir vorerst nicht erzielen“, sagt die HKX-Chefin.
Bis zur letzten Minute wird am HKX noch gearbeitet, bevor der erste reguläre Zug am Montagmorgen um 6.35 Uhr Hamburg-Altona verlassen wird. Die Test- und Schulungsfahrten seien zwar zufriedenstellend verlaufen, der Teufel stecke aber im Detail. „Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass es in den Wagen zu wenig Steckdosen gibt. Wenn wir unseren Kunden einen heißen Kaffee anbieten wollen, müssen wir den auch kochen können.“ Der Start eines Bahnunternehmens sei nicht viel anders als jede Neueröffnung eines Geschäfts. Die Mitarbeiter des „großen Mitbewerbers“ müssten ab Montag wissen, wann und wo der HKX fährt. Auf den Bahnsteigen müssen die Anzeigen stimmen. Kreienkamp: „Das alles muss reibungslos funktionieren, schließlich zahlen wir auch dafür.“
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In den Reisezentren der DB wird es keine Fahrkarten für den HKX geben. „Das ist sehr schade, aber wir haben uns leider nicht einigen können“, so Kreienkamp. Deshalb gibt es die Tickets nur im Internet oder direkt im Zug. Der „große Mitbewerber“ scheint doch ein klein wenig Respekt zu haben.


