30.07.2016
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Hochwasserschutz: Stadt lässt Schutzwände errichten

Arbeiter errichten am am Freitag eine Hochwasserschutzwand.

Arbeiter errichten am am Freitag eine Hochwasserschutzwand.

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dpa

Köln -

Mit der schönen Aussicht auf den Rhein ist es für Familie Senff im Kölner Stadtteil Rodenkirchen vorerst vorbei.

Arbeiter zogen am Freitag in ihrer Straße, die auf den Rhein zuläuft, große silberne Schutzwände auf. Die funktionieren wie mobile Dämme, sie sollen steigendes Wasser abhalten. Der Pegel in Köln zeigte da 6,68 Meter - gut möglich, dass er an Weihnachten weiter ansteigt.

„Alle Jahre wieder mal“, sagt Anja Senff. Sie zuckt mit den Schultern: „Ich ärgere mich nicht groß. Ich bin froh, dass die Stadt alles gut abriegelt und wir nicht alles selber machen müssen.“ Sie ist optimistisch, dass die Füße ihrer Familie an Weihnachten trocken bleiben. Nur Tochter Charlotte ist genervt davon, dass sie nicht mehr den schnellen Weg am Fluss entlang nehmen kann.

An der Uferstraße, die sonst eine hübsche Spaziermeile ist, haben sich grau-braune Wassermassen den Weg gebahnt. Teile der Straße sind mit einem rot-weißen Gitter abgesperrt: „Achtung Hochwasser“ warnen Schilder. Und tatsächlich hat das Wasser viele Bäume und den Sandstrand bereits geschluckt. Die silberne Rutsche des Kinderspielplatzes ragt halb aus dem trüben Nass hervor, von den grünen Bänken sind nur noch ein paar Zentimeter zu erkennen. Beim Haus des Rudervereins sind die tiefer gelegenen Fenster bereits mit festen Platten zugeschraubt.

Keine Besserung in Sicht

Besserung ist erstmal nicht in Sicht: Fürs Wochenende sind Regenfälle angekündigt. Die Hochwasserschutzzentrale in Köln ist derzeit für einen Pegel bis zu neun Metern gewappnet. „Für die Weihnachtstage sind wir erst einmal gut gerüstet, aber wir wissen auch nicht, wo die Reise hingeht“, lautet die Auskunft von Marlene Willkomm, der stellvertretenden Leiterin der Schutzzentrale.

„Tja, schöner Mist“

„Tja, schöner Mist“, sagt Harald Seick. Er lacht und lässt den Blick über das Wasser vor seinem Haus schweifen. Seick wohnt direkt in der ersten Reihe am Rhein. Eigentlich eine super Lage - wenn nicht gerade der Pegel ansteigt. „Ich habe nicht damit gerechnet, aber ängstlich bin ich nicht“, sagt er. Der Zugezogene tauscht sich regelmäßig mit seinen Nachbarn aus, die schon einige Hochwasser miterlebt haben. Es sei sinnvoll, den Bodensee zu beobachten, hat er gelernt. Denn dessen Entwicklung sei auch für den Rhein wichtig.

Bernhard Berger betreibt am Rhein einen Campingplatz. Bereits am Montag hat er einige Wohnwagen und Stromkästen auf höher gelegenes Gelände verfrachtet. Ein paar hartgesottene Camper auf dem Platz haben sich von den angekündigten Fluten bislang nicht vertreiben lassen. (dpa)