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Honorarkonsuln: Engagement für nichts als die Ehre

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Ram Thapa ist für sein Heimatland Nepal als Honorarkonsul tätig und bekommt für seinen Einsatz keinen Cent Honorar. Foto: Stefan Worring
Männer und Frauen, die sich in Köln für die Interessen von Staaten einsetzen, zu denen sie eine besondere Beziehung haben, bekommen dafür keinerlei Privilegien. Statt Diplomatenpässen und allerlei Vorrechten bringt ihnen ihre Arbeit nur Ehre ein.  Von
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„Ich halte mich strikt an meinen Grundsatz: Nie mehr als zwei Stunden am Tag arbeiten. Alles andere ist meiner Gesundheit und meinem Wohlbefinden abträglich.“ Diesen Spruch hat Hans-Hermann Weyer kultiviert.

Mit seiner Maxime „Immer denken, dass man der Größte ist, auch wenn das nicht stimmt“ hat Weyer, Spitzname „Der schöne Consul“, Millionen verdient – fast 700 Konsul-Titel will der Mann gegen Geld vermittelt haben. Hans-Hermann Weyer steht für das Klischee des Konsuls: reich, eitel, größenwahnsinnig, käuflich.
Aber was ist das überhaupt, ein Konsul? Wozu gibt es in Köln Konsulate? Und was hat es auf sich mit den Klischees?

Ram Thapa, sogenannter Honorarkonsul für sein Heimatland Nepal in Köln, zuständig für Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen, empfängt in einer geduckten, lichtarmen Wohnung über einer Großbäckerei am Hohenzollernring. Thapa spricht leise und lächelt viel, er ist ein bescheidener Mann, der mit seinem Job keinen Cent verdient. Für den Betrieb seines Konsulats darf er – anders als viele Kollegen – nicht einmal die Einnahmen aus Pass- und Visa-Ausstellungen verwenden. „Ich bin Honorarkonsul ohne Honorar. Die Wohnung hier, die als Büro dient, Dienstreisen – ich zahle alles selbst, mein Land ist zu arm und kann nichts“, sagt Thapa. „Noch nicht einmal meinen Wagen im Halteverbot stehen lassen kann ich.“ Vor Strafverfolgung geschützt sind im Dienst nur die Generalkonsuln – hauptamtliche Vertreter ihres Heimatlandes, die auch Privilegien wie Dienstwagen und Chauffeur genießen.

Vielfältiger Aufgabenbereich

In Köln haben Staaten wie Belgien, Italien, Polen und Griechenland ein Berufskonsulat. Nepal, Island, Gambia sowie die Mongolei begnügen sich mit Honorarkonsulaten. Die meisten Konsulate in NRW sitzen in Düsseldorf und Bonn. Die Aufgaben der Konsuln sind vielfältig, aber selten glamourös: Sie übernehmen Aufgaben deutscher Gerichte, Notare und Stadtverwaltungen, stellen Pässe und Visa aus, versuchen, Wirtschaftsbeziehungen aufzubauen und die kulturelle Zusammenarbeit zu verbessern. Für die politischen Beziehungen sind die Botschafter zuständig.

Warum er Konsul geworden ist? „Weil man mich dazu ernannt hat und es eine Ehre für mich ist, mein Land in Deutschland zu vertreten“, sagt Ram Thapa. Er sei bei seiner Ernennung vor elf Jahren erst der dritte Honorarkonsul Nepals weltweit gewesen. Ferner, weil er es sich leisten kann: Der 62-jährige Diplom-Kaufmann ist bei der Sparkasse angestellt. Ram Thapa geht es um das Wohl seiner Heimat: Er ist Vorsitzender der deutsch-nepalischen Gesellschaft, reist zu Empfängen, hält Vorträge, vermittelt Firmenkontakte, übersetzt. Vor elf Jahren hat man Thapa, der Mitte der 1970er Jahre in Nepal eine deutsche Frau lieben lernte, für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Eine selbstlose Aufgabe

Der frühere Direktor des Landtags, Heinrich Antonius Große-Sender, ist seit zwölf Jahren Honorarkonsul der Mongolei für NRW. 20 Jahre hat er als Berater für die Regierung und das Parlament der Mongolei gearbeitet. Der gebürtige Kölner, der auch als Sprecher des Kölner Oberbürgermeisters John van Nes Ziegler gewirkt hat, galt als sehr selbst- und machtbewusster Verwaltungschef des Landtags. Über seine Arbeit als Konsul sagt er: „Es ist eine selbstlose Aufgabe. Wenn man viel bekommen hat in seinem Berufsleben, ist es auch schön, etwas zurückzugeben.“ Große-Sender hat die Mongolei während einer Urlaubsreise mit seiner Frau kennengelernt, zuletzt war er im September in dem am dünnsten besiedelten unabhängigen Staat der Welt – das Land ist viereinhalb mal so groß wie Deutschland und hat nur 2,75 Millionen Einwohner.

Jurist Große-Sender hat sich schon während seiner Zeit im Landtag für eine engere Zusammenarbeit mit der Mongolei starkgemacht, er ist in dem Land bestens vernetzt. „Das ist die Voraussetzung, um als Konsul erfolgreich zu arbeiten.“ Zwei bis drei Stunden pro Tag investiere er dafür.

Das Terrain der Konsuln ist unübersichtlich. Traditionell sind es einflussreiche Unternehmer oder Juristen, die Konsul werden – gerade Entwicklungs- und Schwellenländer sind an nützlichen Verbindungsleuten interessiert. Der frühere Schuh-Unternehmer Heinz-Horst Deichmann ist seit zwölf Jahren Honorarkonsul Indiens für NRW, Ex-Daimler-Chef Jürgen E. Schrempp ist Honorarkonsul Südafrikas für die Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland.

Verwandt mit Lena Meyer-Landrut

Dass Honorarkonsuln nicht vom Aussterben bedroht sind, liegt daran, dass viele Länder sich die teuren Berufskonsulate lieber sparen. So das Königreich Dänemark, das vor acht Jahren sein Generalkonsulat für NRW in Düsseldorf dichtmachte, um ein Jahr später ein Honorarkonsulat in der Landeshauptstadt aufzumachen. Dessen Vertreter ist Andreas Meyer-Landrut, der inzwischen samt Konsulat in Köln sitzt. „Was allein daran liegt, dass ich die Kanzlei gewechselt habe“, sagt er. Das Dänische Konsulat ist ein unscheinbarer Büroraum der Kanzlei mit rot-weißen Nationalflaggen, Wikingerschiff und Porträts des Königspaars.

Andreas Meyer-Landrut, über eine Ecke verwandt mit Lena, ist ein pragmatischer Vertreter der Zunft. „Ich spreche kein Dänisch, habe keine besonderen Bande zum Land und muss auch nicht so viel machen“, sagt der Mann, der einer Wirtschaftskanzlei arbeitet. Seine Familie habe Tradition im diplomatischen Dienst: Bruder Nikolaus leitet die Abteilung für Europafragen im Bundeskanzleramt, Onkel Andreas war deutscher Botschafter in Moskau.

Wie er zu seinem Job als Honorarkonsul Dänemarks gekommen sei? „Ich kannte den Konsul für Dänemark, der in Hamburg sitzt, der hat mich gefragt und vermittelt.“ Klar gehe es bei Konsuln auch um Geld und Kontakte, „dass ein Staat keine Mittellosen bestellt, liegt ja auf der Hand“.

Die Art der Jobvermittlung legt die Annahme nahe, dass Titelvermittler wie Konsul Weyer auch heute noch eine Chance auf dem Markt hätten. Seit 1967 ist freilich ein Abkommen in Kraft, das regelt, was ein Konsul können muss und darf – und somit auch Kriterien für die Vergabe der Posten festlegt. Ob ein Konsul zugelassen wird, entscheidet das Auswärtige Amt. Finanziell von seiner Stellung profitieren soll der Honorarkonsul nicht – meist pflegt er aber wie Große-Sender oder Thapa schon lange auch wirtschaftliche Kontakte zu beiden Ländern.

Wie der Konsul auftritt, ist natürlich eine Frage des Charakters. „Es gibt immer noch Kollegen, die blähen sich etwas auf, versuchen, Diplomaten-Nummernschilder zu organisieren, und schmücken sich gern mit dem Titel“, sagt Andreas Meyer-Landrut. „Viele Kollegen leisten allerdings viel und reden wenig darüber.“ Sein Konsulat ziehe es vor, im Stillen zu agieren. Auch wegen des Streits um die Mohammed-Karikaturen habe seine Vertretung auf ein dänisches Wappen am Eingang verzichtet.
Sich selbst zählt Meyer-Landrut nicht zu den emsigen Konsuln: „Dänemark braucht mich als Unterstützer wirtschaftlicher Beziehungen nicht so, bei Burkina Faso sieht das anders aus.“ Sein gefühlter Arbeitsaufwand kommt dem von Konsul Weyer nahe. „Ich arbeite zwei bis fünf Stunden pro Monat fürs Konsulat.“

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